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Aktuell Versorgung

Pliezhäuser zahlen ab 2026 mehr für Leitungswasser

Die Gemeinde erhöht zum Januar die Gebühren um 20 Cent pro Kubikmeter. Ein Grund sind höhere Kosten für die Infrastruktur.

Sichert seit Jahrzehnten zuverlässig die Wasserversorgung von Pliezhausen: der Wasserturm über den Dächern des Orts. Inzwischen
Sichert seit Jahrzehnten zuverlässig die Wasserversorgung von Pliezhausen: der Wasserturm über den Dächern des Orts. Inzwischen hat die Gemeinde die Fassade des Turms saniert, was sich allerdings unter anderem auf die Wasserbezugskosten auswirkt. Foto: Heiner Keller
Sichert seit Jahrzehnten zuverlässig die Wasserversorgung von Pliezhausen: der Wasserturm über den Dächern des Orts. Inzwischen hat die Gemeinde die Fassade des Turms saniert, was sich allerdings unter anderem auf die Wasserbezugskosten auswirkt.
Foto: Heiner Keller

PLIEZHAUSEN. Die Gemeinde Pliezhausen wird im kommenden Jahr nicht nur die Abwasser-, sondern auch die Wassergebühren erhöhen. Das haben die Ortschaftsräte von Rübgarten, Gniebel und Dörnach einstimmig und die Gemeinderäte von Pliezhausen mehrheitlich bei drei Gegenstimmen in ihrer jüngsten gemeinsamen Sitzung so beschlossen. Die Wassergebühren steigen somit von bisher 2,10 Euro pro Kubikmeter auf 2,30 Euro pro Kubikmeter netto im Jahr 2026. Es kommen also noch sieben Prozent Umsatzsteuer hinzu. Allerdings bleiben die Grundgebühren für die Wasserzähler gleich hoch.

Es ist nicht die erste Gebührenerhöhung für Wasser in Pliezhausen in jüngster Zeit. Doch es ist auch der Zweig, der verlustträchtig ist, trotz der Gebührenerhöhungen in den Jahren 2022 und 2024. Die Gründe dafür sind hohe Kosten für die Infrastruktur in jüngster Zeit - etwa für die Sanierung des Mittelzonenbehälters, die Fassadensanierung des Wasserturms und für ein hydrologisches Gutachten des Eigenwasservorkommens. Gemeint ist in letzterem Fall ein Brunnen der Gemeinde im Uferbereich des Neckars, über den diese Wasser gewinnt. Aus dem Sitzungspapier geht hervor, dass bei einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 38 Kubikmeter Wasser im Jahr ein Vier-Personen-Haushalt durch die Erhöhung um rund 32 Euro mehr belastet wäre.

Mehr Verluste für die Gemeinde

Der überwiegende Teil des in Pliezhausen verbrauchten Wassers stammt hingegen aus dem Bodensee und wird über die Ammertal-Schönbuchgruppe bezogen. Diese Investitionen haben zu einem Fehlbetrag geführt. Trotz der Gebührenerhöhung 2022 ergab sich Ende 2023 Verluste von 232.407 Euro. Diese hätten sich auch durch die nochmalige Erhöhung der Wassergebühr nicht ausgleichen lassen können. Zumal es damals im Wasserleitungsnetz zu deutlichen Mehrausgaben kam. Daher folgt nun die weitere Erhöhung, um zumindest die Kostendeckung zu erreichen.

Aus dem Sitzungspapier geht hervor, dass für die Gebührenkalkulation ein Verbrauch von 442.000 Kubikmetern im Jahr von allen Anschlüssen in Pliezhausen zugrundeliegt. Dieser Wert basiert auf dem Durchschnittswert der vergangenen fünf Jahre. Als wesentlicher Kostenfaktor gilt der Bezug des Wassers aus dem Bodensee für voraussichtlich 248.000 Euro. Der Preis sei 2026 stabil. Doch das könne sich mittelfristig ändern. »Nicht zuletzt die Folgen des Klimawandels verursachen beim Zweckverband Bodenseewasserversorgung nachhaltig erhöhte Kosten. Der Zweckverband wird dauerhaft Mehraufwendungen haben, um die Wasserversorgung seiner Verbandsmitglieder langfristig zu sichern«, heißt es im Sitzungspapier.

Eigener Brunnen als zweites Standbein

Auch für das Wasser, das aus einem Brunnen nahe des Neckars gewonnen wird, muss mehr investiert werden. »Nachdem die hydrologische Begutachtung ergeben hat, dass das Aufkommen langfristig als zweites Standbein der Wasserversorgung dienen kann, sollen nun in einer zweiten Stufe auch die technischen Rahmenbedingungen für eine nachhaltigere Nutzung analysiert werden«, heißt es. Dies soll eine Machbarkeitsstudie klären.

Als weiterer Kostenfaktor gilt die Unterhaltung des Leitungsnetzes, die sich mit 150.000 Euro auf einem relativ hohen Niveau etabliert hätte. Dieses Budget umfasst nach dem Sitzungspapier Rohrbruchsanierungen und Schachtinstandsetzungen. Der größte Einzelposten der Gemeinde für die Wasserversorgung sind die Abschreibungen, etwa für Wasserleitungen, Hausanschlüsse, Gebäude und Weiteres. Allein die seit 2022 gestiegenen Zinssätze und der Darlehensbedarf verteuerten die Wassergebühr um etwa zehn Cent pro Kubikmeter.

Erhöhung nur zur Kostendeckung

Pliezhausens Bürgermeister Christof Dold sagte, dass die Gemeinde die Gebühren nicht so weit erhöhen wolle, wie es möglich wäre. Denn anders als bei den Abwassergebühren, mit denen die Gemeinde keine Profite machen darf, sei dies bei den Wassergebühren in angemessener Form möglich. »Es ist sehr wohl so, dass wir die Situation der Eigentümer sehen, auf die durch eine höhere Grundsteuer Kostensteigerungen zukommen.« Dold betonte die besondere Situation Pliezhausen bei der Wasserversorgung: »Unser zweites Standbein ist der Brunnen. Damit sind wir in der Lage, unsere Wasserversorgung in Krisenzeiten aufrecht zu erhalten, auch wenn die Bodenseewasserversorgung ausfallen sollte.« (GEA)