HÜLBEN/BAD URACH. Immer wieder holt sich Christoph Achmüller seine alte Heimat in die neue: Der studierte Opernsänger jodelt leidenschaftlich gerne, bietet sogar regelmäßig Jodelwanderungen an. Die enden mit einer Marende, einer Südtiroler Brotzeit mit Speck, Käse und Wein. Jetzt hat der 39-Jährige ein Kinderbuch geschrieben, in dem das Murmeltier die Hauptrolle spielt. »Ich wollte etwas machen, das an meinen verstorbenen Opa erinnert«, erklärt der Neu-Hülbener seine Entscheidung, das Alpentier in den Mittelpunkt seiner Balladen zu stellen.
Der Großvater habe bei den Wanderungen in den Bergen seinen Enkeln immer Geschichten über Tiere erzählt: »Ich kann mich nicht mehr genau an Details erinnern«, gibt Achmüller lachend zu. »Ich weiß nur, dass er uns die Wanderungen verkürzt hat.« Als dann Jung-Papa Christoph während der Coronazeit mit Sohn Bruno und der im Kinderwagen sitzenden Tochter Merle unterwegs gewesen sei, habe er sich gereimte Geschichten ausgedacht – unter anderem eben mit dem Murmeltier. »Es ging aber gar nichts«, erinnert er sich an die ersten Versuche.
Lange an Texten gefeilt
Irgendwann habe er einen Zweiten gewagt, dann sei’s plötzlich gelaufen: »Ich konnte mich in die Welt eindenken, die mir nahe ist mit dem Alpentier, den Bergen, dem Bergsteigen und dem Jodeln«, erzählt Achmüller von der Entstehungsgeschichte seines Erstlings. »Ich fühlte mich in die alte Heimat hineinversetzt.« Als der Einstieg formuliert gewesen sei, seien die Worte regelrecht geflossen. Aber, das gibt der Autor zu: Er habe lange an seinen Texten gefeilt, die seien am Anfang doch sehr holprig gewesen. Letztlich sei’s zum Langzeitprojekt geworden, bereits 2020 hatte er zu dichten angefangen.
Doch nun liegt es endlich vor, Christoph Achmüllers Kinderbuch mit einem Protagonisten, der wie ein Wunder zwei gefährliche Situationen überlebt – in der ersten ringt er einen Adler nieder und in der zweiten überlebt er einen Lawinenabgang. Beides Mal wird er von der Tierwelt bejubelt und gefeiert.
Zwei Balladen hat er in dem Buch »Murmelchen – Von den Abenteuern eines jungen Murmeltiers« veröffentlicht, eine dritte ist bereits geschrieben. Doch über eine weitere Veröffentlichung möchte Christoph Achmüller noch nicht nachdenken, zunächst sei er froh, mit dem Effekt!, einen kleinen Verlag aus Neumarkt an der Etsch, gefunden zu haben, der die Abenteuer von Murmelchen veröffentlicht hat und es auch in Deutschland über den Buchhandel verkauft wird. Tochter Merle findet es jedenfalls toll und auch die Grundschüler in Römerstein und Grabenstetten, wo Achmüller inzwischen als Lehrer unterrichtet, hätten es gemocht und verstanden. Denn, das gibt der Autor zu: Die Sprache sei durchaus komplex und deshalb vor allem für Kinder ab etwa fünf Jahren geeignet.
Kinderbuch selbst illustriert
Christoph Achmüller ist der Literatur eng verbunden, schon der Vater habe mehrere Bücher veröffentlicht – unter anderem war er Herausgeber einer Sammlung von Südtiroler Mundartgedichten. Er selbst lese gerne, auch vor – den beiden Kindern sowieso und auch bei den Bad Uracher Lesenächten saß er bereits auf dem Podium. Der 39-Jährige zeichnet seit seiner Kindheit aber auch gerne und hat sein Kinderbuch selbst illustriert, zwei der etwa 20 Illustrationen sind sogar von seinen Kindern Bruno und Merle. Auch an den Bildern habe er lange getüftelt, zur druckreifen Umsetzung letztlich professionelle Hilfe in Anspruch genommen. Es handelt sich um Bleistiftzeichnungen, die mit Wasserfarben koloriert und mit schwarzem Liner nachgezogen wurden.
Etwas zeitverzögert kam das Buch dieser Tage von Südtirol in Hülben an, nun geht’s ans Vorstellen. Und die Jodelwanderungen finden ebenfalls wieder statt und zwar in Gomaringen (27. April), Schopfloch (28. Juni) und St. Johann (27. September). Bei allem, was er mache, so Achmüller, sei er seiner Heimat sehr verbunden: »Ich bin aber auch froh, wenn ich wieder in Hülben bin.« (GEA)

