PFULLINGEN. Am Eingang grüßen drei fein polierte Lkw der Marke Saurer mit ihrer markanten Schnauze, eine leicht bekleidete Veedol-Dame ziert den Kühlergrill, Dieselgeruch liegt in der Luft und manchem Schau-Teilnehmer fließt der Treibstoff wohl auch durch die Adern. »Bin ich ölig, bin ich fröhlich«, sagt Martin Heinemann, der gerade unter seinem Magirus S 3500 liegt.
Mit seinem blauen Nutzfahrzeug, Baujahr 1952, ist er in rund zwei Stunden von Hüfingen, das liegt bei Donaueschingen, ins Echaztal getuckert. »Das ist dann auch schon das Maximale an Reichweite«, so Heinemann. Auf der Pritsche des Magirus hat er sein Zelt aufgebaut, darin schläft er drei Nächte auf dem ehemaligen Gelände der Gärtnerei Hortense. Neben und vor ihm stehen dort über 100 Zeugen aus der jüngeren Vergangenheit – unter anderem auch von Marken wie Saurer oder Hentschel, die nur noch Liebhaber kennen.
Teilnehmer aus ganz Deutschland
Die Teilnehmer kommen aus ganz Deutschland, aus Österreich und viele aus der Schweiz – Saurer ist eine Marke der Eidgenossen. Peter Niederer etwa ist aus Schaffhausen angefahren mit seinem 40 Jahre alten Mercedes-Bus. Nachdem der Schweizer mit Freunden unterwegs war und in einem Auto übernachtet hatte, war ihm klar, »es musste was Großes her«. So kam er zum Bus, so kam er zu seinem zeitaufwendigen Hobby. Denn schrauben gehört genauso dazu wie fahren.
Das Treffen möglich gemacht haben die Pfullinger Freunde historischer Lkw. Der Initiator der Interessengemeinschaft ist Frank Gerber, der seit 2011 regelmäßig die Schau an Pfingsten an der Nebelhöhle veranstaltet hat. Erstmals sind sie nun in Pfullingen. Warum? »Ha, weil halt ein Pfullinger auch in Pfullingen was machen will«, scherzt Gerber und freut sich über die Gelegenheit. Zustande kam die Veranstaltung bei Hortense mit Hilfe des Bürgermeisters.
Stefan Wörner hatte Frank Gerber in dessen Halle im Gewerbegebiet Memmelers Wiese besucht. Der Schultes habe gefragt, warum man das nicht in Pfullingen mache. »Ha, weil man in Pfullingen keinen gescheiten Platz dafür bekommt«, antwortete Gerber. »Ich habe da eine Idee.« Spontan habe Wörner das Gelände der ehemaligen Gärtnerei in Aussicht gestellt. Genau diese ist jetzt umgesetzt.
Mit Resonanz zufrieden
Im Januar haben die Freunde historischer Lkw und die Stadt einen Knopf an die Sache gemacht. »Der Vorlauf war sehr kurzfristig. Deshalb konnten wir auch nicht so in die Werbung einsteigen.« Doch auch ohne großes Tamtam kamen am ersten Tag laut Gerber rund 500 Besucher auf das großzügige Gelände am Südende von Pfullingen. Insgesamt war er mit der Resonanz zufrieden.
Mit dem BFC Pfullingen hat Gerber einen Verein gefunden, der die Verpflegung der Gäste übernommen hat, »denn wir als Interessengemeinschaft mit zwölf Mitgliedern, davon sieben die mindestens 50 Kilometer Anreise haben, können das nicht stemmen«, sagt Gerber, der voll und ganz sein Hobby lebt.
Er schwärmt von der Gemeinschaft, die sich über die ganze Republik sowie die Schweiz und Österreich verteilt. Allen gemein ist nicht nur die Freude am Lkw an sich, sondern »es geht um Werterhalt, ums Fahren und um zu fahren, muss man schrauben«, schwärmt der Maurermeister. Oder anders gesagt: »Bin ich ölig, bin ich fröhlich.« (GEA)



