BAD URACH-HENGEN. »Natürlich war da eine gewisse Euphorie«, sagt Ortsvorsteher Gerhard Stooß, »auch wenn die Sitzung leider ziemlich von der Diskussion um Amazon geprägt war.« So umstritten das riesige Verteilzentrum immer noch sein mag - in Sachen Dorfgemeinschaftshaus steht man im Dorf zusammen. Das ist schon eine kleine Ewigkeit Thema. Im Eingemeindungsvertrag war Hengen, das am 1. Dezember 1972 zu Urach kam, der Bau einer Turnhalle zugesichert worden, Ende der 1980er-Jahre war sogar ein Bauplatz dafür ausgewiesen. Daraus wurde bekanntlich nie was. Mal waren es andere Projekte, die dringender waren, mal war kein Geld da. Der Wunsch nach einem DGH war aber nie erloschen.
Inzwischen ist sich das Dorf auf der Alb mit der Hauptstadt im Tal einig, dass es schon lange keine Turnhalle mehr braucht. Aber ein Dorfgemeinschaftshaus, das umso mehr. Seit einigen Jahren ist man sich einig, dass es im Alten Schulhaus neben der All-Heiligen-Kirche Wirklichkeit werden soll. Auch wenn es da zwei ganz erhebliche Probleme gibt: Das Gebäude ist nicht ansatzweise barrierefrei und muss deshalb aufwendig umgebaut werden. Und es ist »bautechnisch in einem insgesamt schlechten Zustand«, wie der Uracher Gebäudemanager Thomas Jaschinski im Gemeinderat klar machte. Heißt, dass der Umbau recht teuer wird.
»Wir haben schon zwei Arbeitsdienste beim Rückbau gemacht«
Architekt Markus Haug vom Architekturbüro das (Metzingen) hat im Dezember 2024 Kosten in Höhe von 3,53 Millionen Euro errechnet. Die Stadt Bad Urach hat beim Ministerium für Ländlichen Raum in Stuttgart einen Antrag beim »Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum« (EUR) gestellt und ist zum Zuge gekommen: Ende März kam die Zusage, dass das Ganze mit dem Höchstbetrag in Höhe von 750.000 Euro gefördert wird. Spätestens da war klar, dass es kein Zurück mehr gibt.
Der Ortschaftsrat hat jetzt einstimmig den Baubeschluss gefasst, den der Uracher Gemeinderat in seiner Sitzung am 24. Juni festklopfen wird. Dass das Ganze mindestens 90.000 Euro teurer wird als zuvor angenommen, hat niemand gestört - das ist bei so einem Projekt immer drin. Stichwort Kosten: Das DGH wird eh noch mehr kosten, weil diverse Ausgaben für die Ausstattung (Küche, Möblierung, Medientechnik) noch nicht eingepreist sind. Aktuell geht die Stadt von Kosten in Höhe von 211.000 Euro aus. Auch kommen noch die zwei E-Ladesäulen dazu, die der Ortschaftsrat wünscht.
»Wir haben schon zwei Arbeitsdienste beim Rückbau gemacht«, sagt ein stolzer Ortsvorsteher Gerhard Stooß, »ein bis zwei sind noch fällig.« Und so geht es weiter: Nach dem Gemeinderatsbeschluss können die Gewerke ausgeschrieben werden, die Profi-Handwerker kommen dann nach den Sommerferien auf die Baustelle. Bauzeit fürs neue DGH: rund anderthalb Jahre. (GEA)

