METZINGEN. Der Dozent im Fach der Ökologischen Raumplanung spricht gegenüber den Geographie-Studenten Klartext: »Ihr müsst die Bürger frühzeitig in die Planung einbinden. Tut ihr das nicht, kann Euch das um die Ohren fliegen und ein Projekt scheitern.« Dieser Satz ist vor 23 Jahren am Rande eines Ackers im Münsterland gefallen. Das Studium ist zwar lange her, doch der Satz ist nach wie vor aktuell. Zur Planung gehört, die Bevölkerung einzubinden, sie zu Wort kommen zu lassen und ernst zu nehmen.
Ebenso wichtig ist es, beim Mobilitätskonzept in Metzingen den Fortschritt für die Bürger erlebbar zu machen. Wenn nun eine Frau aus dem Gebiet Haugenrain sagt, dass dort womöglich die Bewohner weggestorben sind, bis sich in womöglich 15 Jahren was verändert hat, stimmt das nachdenklich. Es geht darum, Verkehrspolitik für die Bürger zu machen, die sich jetzt beteiligt haben und das mit Fragen auch am Mittwochabend getan haben. Sie sollten etwas von den Projekten haben, für die sie sich in der Beteiligung einsetzen.
Abschreckende Zeitplanung
Der angepeilte Umsetzungszeitraum von einem Jahr bis zu 15 (!) Jahren wirkt abschreckend. Zumal auch nicht klar ist, was wie lange für die Umsetzung braucht. Mit dem Mobilitätskonzept wurde bereits 2020 während der Corona-Pandemie begonnen. Auch wenn die Verwaltung damals andere Prioritäten setzen musste, würden zwischen dem Beginn und dem letzten Bauprojekt 20 Jahre vergangen sein. Das ist viel zu lange.
Dabei passiert ja gerade im Verkehrsbereich sehr schnell sehr viel: Autos fahren mit Elektromotoren und müssen heute, morgen oder übermorgen aufgeladen werden. Junge Menschen sitzen in Bussen und Zügen anstatt selber Auto zu fahren und nutzen die Zeit mit ihren Smartphones. Zuvor stehen sie in Metzingen auf dem Bahnhofsvorplatz ohne Haltestellenhäuschen oder sprinten vom Bahnhofsgebäude durch den Regen über den holprigen Vorplatz zum Bus, wenn dieser vorfährt. Wann und wo der Bus hält, lässt sich über die dauerkaputten elektronischen Fahrplantafeln am Busbahnhof allerdings nicht erfahren.
Räder für Tausende Euros
Menschen aller Altersklassen kaufen teure und edle E-Bikes, die sie in Metzingen am Bahnhof aber nicht sicher genug und trocken abstellen können. Auch lassen sich dort nicht ihre Akkus laden oder ihre Helme wegschließen. Familien transportieren ihre Einkäufe, ihre Kinder und mitunter ihren Hund mit Lastenrädern, die im Straßenverkehr aber mehr Platz als normale Räder brauchen. Dafür braucht es ein sicheres Wegenetz. Wer ein Lastenrad mal eben braucht, kann sich in Metzingen keines ausleihen.
Das sind die Herausforderungen der aktuellen Zeit. Dafür braucht es jetzt Lösungen - und nicht erst in bis zu 15 Jahren. Weitere Beteiligungsrunden helfen nicht immer, sie können auch Projekte lähmen. (GEA)

