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Metzingens neuer CVJM-Bildungsreferent ist auch christlicher Zauberer

Was es mit Mr. X in Metzingen und dem geplanten Spielplatzprojekt auf sich hat und wie der 46-jährige Westfale in der Sieben-Keltern-Stadt die Kinder mehr in den Fokus ziehen will.

Zerschnittenes Seil wieder heil - Jörg Bartoß kann nicht nur diese Illusion erzeugen. Sondern auch Aktionen für Kinder und Jugen
Zerschnittenes Seil wieder heil - Jörg Bartoß kann nicht nur diese Illusion erzeugen. Sondern auch Aktionen für Kinder und Jugendliche vorbereiten, die Gemeinschaft und Spaß versprechen. Foto: Markus Pfisterer
Zerschnittenes Seil wieder heil - Jörg Bartoß kann nicht nur diese Illusion erzeugen. Sondern auch Aktionen für Kinder und Jugendliche vorbereiten, die Gemeinschaft und Spaß versprechen.
Foto: Markus Pfisterer

METZINGEN. Jörg Bartoß zerschneidet ein Seil. Das ist für ihn wie ein Symbol für viele Situationen im Leben. »Oft funktioniert etwas nicht, ist auseinander«, sagt der 46-Jährige. Dann gibt er sein Leben gerne in Gottes Hand und spürt neuen Halt. Und das zerschnittene Seil wird wieder ganz. Auch auf der Bühne. Mit Gottes Hilfe? Jedenfalls mit Bartoß' Kunst, Illusionen erzeugen zu können. Er ist Trickkünstler, christlicher Zauberer.

Und er ist noch neuer Bildungsreferent beim CVJM Metzingen. Schult die 40 bis 50 Ehrenamtlichen, die wiederum Programm für Hunderte Kinder und Jugendliche in der Sieben-Keltern-Stadt machen, ist Ansprechpartner für all ihre Fragen. Und er tüftelt an neuen Aktionen mit, an denen sich alle Mädchen und Jungen aus Metzingen beteiligen können.

»Kinder fallen oft runter, verlieren ihre Stimme «

Eine davon wird auf Spielplätzen steigen. »Wir wollen präsent für Eltern und Kinder sein«, sagt der studierte Theologe und Pädagoge. Einmal im Monat will der CVJM konfessionsunabhängig alle Interessierten dazu einladen, mit dem Bollerwagen zu wechselnden Spielplätzen zu kommen. Während die Kleinen spielen, können Mamas und Papas bei Kaffee und Tee ins Gespräch kommen.

Familien und Kinder sind ein großes Thema auch in Jörg Bartoß' Leben außerhalb von Metzingen. Im Sommer 2024 ist der gebürtige Westfale, der 2020 nach Reutlingen gezogen ist, zum Leiter des Arbeitskreises »Kinder in Kirche und Gesellschaft« der Evangelischen Allianz in Deutschland (EAD) berufen worden. »Kinder fallen oft runter«, hat er festgestellt, »und verlieren ihre Stimme.« Er möchte sie wieder hörbarer machen.

»Familie hat sich stark verändert. Die Arbeit fordert die Eltern immer mehr. Der Druck in der Schule hat zugenommen «

Auch beim CVJM Metzingen mit seinem Open House, dem Jugendposaunenchor, den Kinderbibeltagen oder den Sportgruppen. »Viele Kinder und Jugendliche suchen Gemeinschaft«, bemerkt Jörg Bartoß immer wieder. Weil sich die Familie »in den letzten 20 Jahren stark verändert hat. Es ist weniger Familienzeit da«, sagt der Vater von drei Kindern. Bei den Eltern. »Die Arbeit fordert sie immer mehr.« Und bei den Kindern. »Der Druck in der Schule hat zugenommen.«

Wenn sich Kirche moderner, lockerer, breiter aufstellt, kann sie Jungen und Mädchen neuen Halt vermitteln, weiß der Erlebnispädagoge. In diesem Sinn bietet er mit der größtenteils ehrenamtlichen CVJM-Crew auch eine Koch-Challenge am 31. Januar und Scotland Yard im Großformat am 1. März an: Mr. X in Metzingen, der von den anderen irgendwo in der Stadt aufzuspüren ist. Genau in diese unterhaltsame Richtung geht auch der Bike-Park, der am Dreikönigstag in der Motorworld gestartet ist.

»Jugendliche stellen bei uns die Frage nach dem Sinn des Lebens«

Ob solche Aktionen die schwindende Bedeutung von Kirche und Glaube bei der jungen Generation abmildert, die auch Bartoß unverändert wahrnimmt? Es bleibt offen. Christliche Werte wie Freude, Mitmenschlichkeit oder Liebe sind hier allemal zu spüren. Und eine Neugier auf die CVJMler: »Wer seid Ihr, was macht Ihr?«, wollen viele in der Offenen Zeit im CVJM-Haus mittwochs und donnerstags nachmittags wissen. Und stellen auch schon mal die Frage nach dem Sinn des Lebens.

Zweimal die Woche ist Jörg Bartoß in Metzingen, wo sonst nur noch die neue Jugendreferentin Judith Hallauer hauptamtlich arbeitet. Ansonsten hat er sein Büro als Selbstständiger in Reutlingen. Dort hat er an der Citykirche das Café Nikolai mitaufgebaut und betreut. Doch die Zuschüsse liefen aus. Das Café musste sein Angebot einschränken. Bartoß wurde neu aktiv. Fand ein Feld in der kleinen Nachbarstadt.

»Es bleibt weniger Zeit fürs Ehrenamt, aber es ist qualitativ nicht schlechter geworden«

Dort schätzt er die Verbindungen zwischen Kirche und Rathaus. »Wir kriegen immer offene Türen.« Und: »Die Stadt tut viel.« Auch für die evangelischen Sommerfreizeiten mit Hunderten Kindern, die wegen des Baus des Ganzjahresbads vorübergehend nicht mehr im Ferientagheim laufen können, im nahegelegenen Otto-Dipper-Stadion aber ein Ausweichquartier bekommen.

Nicht zuletzt hält die Stadt ihre Spielplätze gut in Schuss, wie Jörg Bartoß beobachtet hat. Sie können nur noch mehr mir Leben gefüllt werden. Gerne weltlich-kirchlich gemischt. Beim Spielplatzprojekt mit Bollerwagen, Kaffee und Tee. CVJM-Teams aus Ehrenamtlichen werden es stemmen, doch Zeit fürs Ehrenamt bleibt in der druckvoller werdenden Gesellschaft immer weniger. Immerhin: »Das Ehrenamt ist nicht qualitativ nicht schlechter geworden.« (GEA)

cvjm-metzingen.de