METZINGEN/BAD URACH. »An solchen Tagen wird es überdeutlich, wie froh und dankbar wir alle sein müssen, dass wir so ein gut funktionierendes Feuerwehrteam haben, mit vielen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Kräften«, betont Oberbürgermeisterin Carmen Haberstroh im Rückblick auf das Wochenende, das durch Starkregen und Überschwemmungen geprägt war. Und nicht nur das: Neben den Einsatzkräften der Feuerwehr Metzingen waren auch die Mitarbeitenden des Bauhofes und des Gebäudemanagements der Stadt im Einsatz sowie viele ehrenamtliche Helfer. Für dieses große Engagement dankt OB Carmen Haberstroh im Namen der gesamten Stadtgesellschaft allen, die unermüdlich gegen die Wassermassen angekämpft haben.
»Froh und dankbar, so ein gut funktionierendes Feuerwehrteam zu haben«
Viele präventive Maßnahmen, die in den vergangenen Jahren im Hochwasserschutz angestoßen und auch verwirklicht wurden, haben sich ausgezahlt, so Carmen Haberstroh und Feuerwehrkommandant Hartmut Holder. Einiges könne jedoch noch verbessert werden, insbesondere die Maßnahmen zum Eigenschutz im heimischen Bereich. Hier gelte es, in den nächsten Wochen die Menschen vor allem in den kritischen Gebieten an den Metzinger Gewässern, weiter zu sensibilisieren.
Dazu gehört beispielsweise die Beschaffung von Tauchpumpen für den Heimgebrauch, damit sich die Menschen im Schadensfall selber helfen können. Denn die Feuerwehr stößt bei Großereignissen wie jetzt personell und technisch an ihre Grenzen. Auf der anderen Seite berichtet Holder von positiven Rückmeldungen aus der Bevölkerung: »Betroffene haben sich über die schnelle Hilfe der Feuerwehr bedankt.«
Auch der Uracher Bürgermeister Elmar Rebmann ist froh, dass nicht mehr passiert ist und dass vor allem im Gegensatz zu 2013 niemand zu Schaden gekommen ist – damals stürzte ein Bauarbeiter in die reißende Elsach und ertrank. Umso größer sein Dank an die Feuerwehr, das DRK und die Bergwacht. In der letzten Sitzung des Gemeinderats vor der Wahl am Sonntag hob er die Leistung der Einsatzkräfte hervor, die am Wochenende teilweise rund um die Uhr über 40 Mal im Einsatz waren.
Die aktuelle Lage in Bad Urach: Der Erdrutsch im Gustav-Magenwirth-Weg wird erst mal nicht angetastet, weil er noch viel zu nass ist. Weil noch nicht absehbar ist, wann der rund 30 Meter breite Hangrutsch »repariert« und die Straße wieder geöffnet werden kann – beim letzten Erdrutsch an fast der gleichen Stelle beim 2013er-Hochwasser dauerte es wochenlang – wurde für die rund 40 Bewohner der Straße »Am Samuelstein« eine Umleitung über den sogenannten »Grüß-Gott-Weg« eingerichtet. Um den schmalen Schotterweg zum Breitenstein von beiden Seiten nutzen zu können, wurden Ampeln aufgestellt.

Äußerst positiv bewertet es der Uracher Bürgermeister, dass sich das Hochwasserschutzkonzept – die großen Investitionen in den Kanal bei der Entdeckerwelt – insgesamt bestens bewährt hat. Zu keiner Zeit war die Sorge da, dass die Innenstadt absäuft. Am Nikolaiwasen wird gerade der dritte Bauabschnitt umgesetzt.
Feuerwehrkommandant Wolfgang Dörner strahlte gestern Morgen wie ein Honigkuchenpferd, als er von der Sonne geweckt wurde. »Wir können durchatmen«, sagt der erste Feuerwehrmann der Stadt. Ein paar Baustellen gibt’s allerdings noch. Schon am Montagabend setzte die Feuerwehr eine große Pumpe beim Edeka in der Münsinger Straße. »Die läuft 24 Stunden durch und pumpt 400 Liter in der Minute weg«, so Dörner. Sie ist nötig, weil das Grundwasser in die Lagerräume im Untergeschoss drückt.
Sorgen bereitet der Stadtverwaltung noch das Haus in der Stuttgarter Straße gegenüber von Blumen Bader, das am Sonntag evakuiert wurde, als man sah, dass die Erms im rückwärtigen Bereich die Grundmauern unterspült und teilweise zum Einsturz gebracht hat. »Sobald der Wasserspiegel niedriger und die Strömung schwächer ist, schauen wir uns die Stelle genauer an«, sagt Bürgermeister Elmar Rebmann, »klar ist, dass das Gebäude abgestützt werden muss.« Nicht gerade leichter wird diese »Baustelle« wegen der Tatsache, dass unterm Haus der Triebwerkskanal für die Wasserkraftanlage bei Sika verläuft.
SPERRUNG AUF L 249
Aufgrund des langanhaltenden Regens ist die Sirchinger Steige im Bereich der Abzweigung zur Hanner Steige halbseitig gesperrt. Der Verkehr wird mit einer Ampel geregelt. Der talseitige Fahrstreifen der L 249 in Fahrtrichtung Urach hat sich wegen der starken Niederschläge auf einer Länge von rund 30 Metern im äußeren Bereich gesenkt. (a)
Feuerwehrkommandant Wolfgang Dörner schlägt ganz ähnliche Töne an wie sein Metzinger Kollege Hartmut Holder. Er schildert die Dankbarkeit der Menschen, denen die Feuerwehr bei ihren immerhin rund 40 Einsätzen begegnet ist. Dankende Worte, Sprudel, Kaffee, Kekse. Das ist aber nur eine Seite dessen, was er an diesen Regentagen erlebt hat. »Es gibt Leute, die erwarten, dass wir ihren Keller leer pumpen, weil da ein Zentimeter Wasser steht«, sagt Dörner, »da könnte man auch einen Putzeimer nehmen.«
»Ich habe nicht unbegrenzt viele Pumpen«, sagt Wolfgang Dörner, »wenn’s wie jetzt eng wird, kommen die natürlich erst mal an den Stellen zum Einsatz, wo’s wirklich dringend ist.« Wenn die Leute dann erst mal warten müssen, »ist das Geschrei groß«, sagt er, »die Leute sagen dann, ›ich hab mich halt auf die Feuerwehr verlassen‹.«
»Wir appellieren an die Eigenverantwortung der Menschen – sie können auch selbst was tun«
Umgekehrt würde ein Schuh draus, betont Wolfgang Dörner – und stößt damit ins gleiche Horn wie der Metzinger Kommandant und stellvertretende Kreisbrandmeister Hartmut Holder. »Es gibt leider immer noch Leute, die aus dem letzten Hochwasser nichts gelernt haben«, sagt der Kommandant. Viele haben reagiert und sich eine Tauchpumpe gekauft. »Andere rennen erst in den Baumarkt, wenn sie Wasser im Keller haben. Oder rufen gleich die Feuerwehr. Das kann’s nicht sein.« Eine Tauchpumpe sollte sich freilich nur zulegen, wer in einem hochwassergefährdeten Gebiet lebt. Katastrophenschutz im Kleinen beginnt schon viel früher, betont Wolfgang Dörner. »Jeder sollte ein batteriebetriebenes Kofferradio im Haus haben«, sagt er, »das wäre das Mindeste.« (eg/GEA)


