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Mechthild Paul stellt in Dettingen aus: Mit allen Sinnen Farbe

Mechthild Paul zeigt in der Dettinger Gemeindebücherei ihre Werke. Sie feiern die herbstliche Natur. Großes Interesse schon bei der Vernissage.

Mechthild Paul vor dicht besetzten Reihen bei der Vernissage ihrer herbstlich geprägten Ausstellung.  FOTO: SANDER
Mechthild Paul vor dicht besetzten Reihen bei der Vernissage ihrer herbstlich geprägten Ausstellung. FOTO: SANDER
Mechthild Paul vor dicht besetzten Reihen bei der Vernissage ihrer herbstlich geprägten Ausstellung. FOTO: SANDER

DETTINGEN. Erneut setzt die Gemein-debücherei einen kulturellen Akzent im Dettinger Kulturleben: mit der Ausstellung der Werke von Mechthild Paul unter dem Titel »Mit allen Sinnen Farbe tanken«. Die Resonanz war schon bei der Ver-nissage so groß, dass zusätzliche Stühle aufgestellt werden mussten. Seitdem kommen immer wieder Besucher, um sich zu Öffnungszeiten der Bücherei die Bilder in teilweise kräftigen Herbstfarben in aller Ruhe anzuschauen. Bis Ende Januar ist dazu noch Gelegenheit. Die Strahlkraft der Farben tut gerade bei trübem Winterwetter der Seele und den Augen gut.

Büchereileiterin Sabine Makram macht »manchmal verrückte Sachen«, wie sie selbst über die kulturellen Veranstaltungen der besonderen Art in der Ge-meindebücherei sagt. Als ein Beispiel von vielen nennt sie die erste Ausstellung von Mechthild Paul in der Bücherei, bei der 1997 zum Thema passende griechische Tänze Bewegung in den Abend brachten.

Sie plant die Lesungen und Ausstel-lungen nicht nach »Schema F«, sondern legt Wert auf die individuelle Prägung, damit ein kultureller Abend in der Bücherei zum Erlebnis wird wie bei dieser Vernissage. Die war sowohl Ausstellung als auch Lesung, begleitet von leisen Tönen, zusammen mit Fingerfood also etwas für alle Sinne. Die Künstlerin las eigene Texte aus ihrem Lyrikband »Blattwerk« und er-klärte Einzelheiten zu ihren Bildern. Vor allem aber kamen die Zuhörer miteinander und mit der Künstlerin in gemütlicher Atmosphäre ins Gespräch.

»Man muss einfach nur anfangen, ausprobieren, experimentieren«

Die kreativ gestalteten Leckerbissen, teilweise in leuchtenden Herbstfarben, inspirierten außerdem dazu, außer über Farben und Kunst auch über Rezepte mit Kürbis, anderem herbstlichen Gemüse und Obst zu reden. »Die Bilder von Mechthild Paul feiern die herbstliche Natur mit allem, was diese zu bieten hat«, so Ingeborg Baacke, vielen bekannt als ehemalige Leiterin der VHS Bad Urach. »Besonders im Herbst ist die Natur ein Anruf an uns, zu schauen oder zu staunen wie vielleicht das Kind am Wasser«, machte sie darauf aufmerksam wie auch die Bilder der Künstlerin betrachtet werden können. Zu den Farben dieser Jahreszeit gehört auch die melancholische Seite. »Wir begreifen, dass zur Schönheit der Natur gerade ihre Vergänglichkeit gehört«, hob sie hervor. Wie es gelingen kann, eigene Impressionen malerisch auszudrücken, erklärt die Künstlerin Mechthild Paul so: »Wichtig ist, beim Malen nicht schon ein bestimmtes Bild vor Augen zu haben, wie es werden soll. Man muss einfach nur anfangen, muss ausprobieren, experimentieren. Am schönsten ist es beim Tun den Zustand der Selbstvergessenheit zu erreichen, den Flow zu spüren, ergebnisoffen zu sein.«

Ihre Gedanken bringt Mechthild Paul nicht nur mit Pinsel und Farbe auf die Leinwand, sondern fasst sie mit ihren Gedichten auch in Worte wie in »Rituale« als Beschreibung ihres Alltags mit seinen Geräuschen. Sie badet im Glockengeläut, trocknet sich ab mit dem Lärm der Müllabfuhr, kleidet sich mit der Radiomusik, trinkt das Wort zum Tag, isst die Morgennachrichten, wärmt den Winter mit dem Holz im Ofen und strickt an einem Gedicht. »Aber die Kräfte sind nicht mehr wie vor Jahren«, sagt sie im Herbst ihres Lebens, in dem sie immer wieder mit allen Sinnen Farbe tankt. (GEA)