RÖMERSTEIN. Der Dornröschenschlaf des ehemaligen Bundeswehrgebäudes in Zainingen im Gewann Dullenwang, für viele ein Lost Place, der eine mysteriöse Atmosphäre ausstrahlt, ist bald beendet. Der Bundesforstbetrieb Heuberg übernimmt das knapp 40 Jahre alte Bauwerk als Schlechtwetterplatz für seine Forstwirte, die benachbarte Garage zur Holzbearbeitung. Die Mitarbeiter sind in erster Linie auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen tätig, der rund 800 Meter Luftlinie entfernt ist.
Im kommenden Frühjahr beginnen die Um- und Renovierungsarbeiten. Die Heizungsanlage ist noch in Schuss, die Strom- und Wasserleitungen werden ausgetauscht, teilt Marco Reeck, Leiter des Bundesforstbetriebes Heuberg, auf Anfrage mit.
Einst streng bewacht
Das »einstöckige Betriebsgebäude mit Unterkunftsanteil«, wie es bei den Soldaten hieß, ist nach wie vor im Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), die es jetzt dem Bundesforst zur Verfügung stellt, der ebenfalls zur BImA gehört. Den 71 Meter hohen Stahlbetonturm, der auf dem Gelände steht, nutzen nach wie vor verschiedene Mobilfunkanbieter als Antennenträger.
Das Grundstück, das sich einen Steinwurf vom Vereinsheim der Schützengilde befindet, ist von einem zweieinhalb Meter hohen Zaun mit 14 Scheinwerfermasten umgeben, am Eingang gibt es eine Gegensprechanlage. Kein Wunder: Zwischen 1986 und 2008 hat die Bundeswehr dort eine Richtfunk-Schaltstelle betrieben.
Den jeweils sechs Soldaten standen zwei Zimmer für die Mannschaften, eines für den Unteroffizier (Wachhabender), ein Aufenthaltsraum, eine Küche, Toiletten sowie ein Dusch- und Waschraum zur Verfügung. Außerdem gab es das Büro des Dienststellenleiters, den Heizungsraum, eine fensterlose Waffenkammer sowie einen Betriebsraum für die Fernmeldegeräte. Außer den Soldaten waren noch zwei zivile Wachen mit eigenen Räumlichkeiten vor Ort. Am Zaun stand auf Hinweisschildern zu lesen: »Militärischer Sicherheitsbereich – Unbefugtes Betreten verboten – Vorsicht Schußwaffengebrauch! Der Kommandant.« Der Waldgürtel drum herum diente als Sichtschutz.
Von Mitte 1990 an betrieb die Bundeswehr ihr Funknetz auf der Relaisstelle Dullenwang digital, das von nun an »Automatisches Führungsfernmeldenetz der Luftwaffe« (AutoFüFmNLw) hieß. Bis zu diesem Zeitpunkt war bei den deutschen Streitkräften das analoge »Einsatzstammnetz der Luftwaffe« (ESNLw), auch Richtfunknetz genannt, im Einsatz. Soldaten mussten bis dato die Gespräche noch per Hand vermitteln.
Diese Arbeit fiel nun weg, deshalb wurden kurze Zeit später die Soldaten von Dullenwang abgezogen. Von nun an sorgte ausschließlich eine zivile Wache – jeweils zwei Mann – rund um die Uhr für Sicherheit auf dem Gelände.
Notstromaggregat funktioniert noch
Von April 2008 an waren dann nicht mehr Soldaten, sondern die BWI GmbH, das im Bundesbesitz befindliche IT-Dienstleistungsunternehmen der Bundeswehr, für Dullenwang und die anderen Fernmeldestellen verantwortlich. Die BWI GmbH ist für die Informations- und Kommunikationstechnik der deutschen Streitkräfte zuständig, das sie in den 2000er-Jahren bundesweit neu aufbaute. Das hatte zur Folge, dass die Richtfunk-Schaltstelle Dullenwang am 27. Oktober 2009 abgeschaltet wurde. Danach begann der Rückbau der Anlage und die Bundeswehr holte die restlichen Einrichtungsgegenstände ab. Seit diesem Zeitpunkt steht das eingeschossige Gebäude leer.
Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben übernahm am 1. September 2011 das Gelände samt Betriebsgebäude und Garage. Sie bot es der Gemeinde für Vereinszwecke zum Verkauf an. Der damalige Römersteiner Bürgermeister, der heutige CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Donth, winkte ab. »Alle Vereine in Zainingen hatten damals bereits entsprechende Räume«, erinnert er sich. Die Garage wurde als Lager an einen Bürger aus Römerstein vermietet, der die Mäharbeiten in und um das Gelände erledigte. (lejo)


