METZINGEN. Bald gesellen sich wieder Menschen zu den Automaten. Die SWEG Bahn Stuttgart (SBS) wird im Metzinger Bahnhof ein Kundencenter eröffnen. Das hat ein Sprecher der Deutschen Bahn, der der Bahnhof gehört, auf GEA-Anfrage bekanntgegeben. SBS-Sprecherin Hanne Lützelberger hat diese Info bestätigt. »Über den geplanten Eröffnungstermin sowie das künftige Leistungsangebot werden wir unsere Fahrgäste beizeiten informieren.«
Das Kundencenter kommt in das frühere Reisebüro Neckar-Alb-Reisen von Wolfgang Salzmann, der es vor wenigen Jahren altershalber geschlossen hat. »Es wird Anfang September an die SWEG übergeben, zusätzlich auch Räume im ersten Obergeschoss«, sagt der DB-Sprecher weiter. Die SWEG Bahn Stuttgart ist ein landeseigenes Unternehmen und betreibt auf der Neckar-Alb-Bahn Stuttgart - Tübingen die meisten Züge: die Linien MEX 12 und MEX 18 sowie die Hälfte der IRE-6-Verbindungen.
Zwei Aufzüge »ab Oktober in Betrieb«
Das könnte auch ab dem sogenannten kleinen Fahrplanwechsel Mitte Juni 2025 so bleiben: »Die SWEG beteiligt sich an der Ausschreibung um die Verkehrsleistungen im Stuttgarter Netz/Neckartal«, hat SWEG-Sprecher Christoph Meichsner dem GEA mitgeteilt. Das ist eine 180-Grad-Wende. Hatte das Landesunternehmen die finanzschwache Abellio Rail Baden-Württemberg (ABRB) Ende 2022 geräuschlos übernommen und so viel Regionalverkehr auf der stark befahrenen Strecke gesichert, hatte es anschließend mehrfach ausgeschlossen, sich an weiteren Ausschreibungen zu beteiligen. Grund dafür waren anhaltende Streiks der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) - die inzwischen aber längst Vergangenheit sind.
Können der Großteil der Züge und das neue Kundencenter im Metzinger Bahnhof also die dicken blauen SWEG-Lettern tragen, ist bei der Bahnhofs-Infrastruktur das DB-Blau angesagt. Das gilt im übertragenen Sinne auch für die drei silbern-gläsernen Aufzüge, die seit Ende 2021 an den Gleisen 1, 2/3 und 4 gebaut wurden. Wie berichtet, hat sich ihre Inbetriebnahme mehrfach verzögert, nachdem Wasser in die Schächte eingedrungen war. Jetzt gibt es eine neue Ansage der Deutschen Bahn: »Wir gehen derzeit von einer vollständigen Schadensbeseitigung und Inbetriebnahme der Aufzüge am Haus- und Mittelbahnsteig im Oktober 2024 aus«, informiert der Sprecher.

Der Fahrstuhl am neuen Gleis 4 bleibt zunächst noch außen vor, denn das Gleis ist selbst noch nicht in Betrieb. Das soll sich zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember 2025 ändern: Dann soll es zusammen mit einem neuen Stellwerk den Halbstundentakt auf der Ermstalbahn ermöglichen. Dafür muss Gleis 4 über neue Weichen ins bestehende Gleisnetz eingebunden werden. Die Oberleitung muss verlegt werden, Masten müssen versetzt werden, zusätzliche Signale her.
Wenn die Signale und Oberleitungsmasten stehen, wird der Bahnsteig 2/3 fertigmodernisiert, bekommt (wie auch die anderen Bahnsteige noch) komfortablere Zugzielanzeiger und ein neues langgezogenes Dach. Das jetzige ebenso provisorische wie spartanische Dach war aus Sicht der DB die wesentliche Ursache dafür, dass beim Starkregen Anfang Juni Wasser in den Aufzugschacht lief - wo es bis heute noch teilweise steht. »Die provisorische Überdachung war nicht in der Lage, die Regenmengen vollständig abzuleiten, was zu einem unkontrollierten Eintritt in die Personenunterführung geführt hat«, sagt der Sprecher.
Verzögerte Bahnsteig-Modernisierung
Wasser im Schacht hatte es allerdings auch vor dem Starkregen schon gegeben. Techniker hatten daraufhin an den Aufzügen nachgebessert, die denn auch betriebsbereit gewesen seien - bis die Wassermassen Anfang Juni vom Himmel stürzten und neues Unheil anrichteten. Der DB-Sprecher verweist darauf, dass das provisorische Bahnsteigdach »auf Grund der verzögerten Umsetzung der Ausbaumaßnahme der Regionalstadtbahn Neckar-Alb« nötig wurde: »Aufgrund der Verzögerung konnten wir unsere Modernisierungsmaßnahme am Mittelbahnsteig leider nicht wie geplant zum Abschluss bringen.«
In der Tat war und ist die Erms-Neckar-Bahn AG (ENAG), heute Teil des Zweckverbands Regionalstadtbahn Neckar-Alb (RSBNA), für den Bau des zusätzlichen Stellwerks und von Gleis 4 samt Einbindung ins jetzige Schienennetz zuständig. Weil die raren Fachkräfte für den Stellwerksbau fehlten, musste die ENAG die Arbeiten jahrelang verschieben. Jetzt sind sie »die wesentlichen Gewerke vergeben«, sagt RSBNA-Zweckverbandsgeschäftsführer Professor Tobias Bernecker. Sodass die umfangreichen Bauarbeiten im Sommer 2025 laufen können. Drei bis vier Wochen lang muss der Bahnhof Metzingen dazu für den Zugverkehr gesperrt werden.
Taxi-Service für Reisende mit Rolli oder Kinderwagen
Auch derzeit fahren durch Metzingen wegen Bauarbeiten an anderen Stellen der Neckar-Alb-Bahn keine Züge. Dafür verstärkt Taxis. Die stellt die Deutsche Bahn mobilitätseingeschränkten Fahrgästen kostenlos bereit, bis die Aufzüge am Bahnhof funktionieren. Sie fahren von Metzingen zum barrierefrei ausgebauten Bahnhof Reutlingen. Dort geht es an Gleis 1 in Züge Richtung Stuttgart und Bad Urach. »Die Taxis sind für alle Fahrgäste mit Rollstuhl und Rollator«, erläutert der Sprecher, »auch für solche mit Kinderwagen.« Nicht dagegen für Fahrradfahrer oder Reisende mit schwerem oder viel Gepäck.
Personen aus den genannten Zielgruppen können sich über die Mobilitätsservice-Zentrale der DB zwei Tage vor der Reise für ein Taxi anmelden: unter Telefon 030 65212888, per E-Mail an msz@deutschebahn.com oder über die Homepage https://msz-bahn.de . DerTaxi-Service gilt in der Regel täglich von 6 bis 20 Uhr - und nur für Zugfahrten von Metzingen in Richtung Stuttgart oder Bad Urach, denn nur diese starten an den bisher nicht stufenlos zugänglichen Gleisen 2 und 3. (GEA)

