METZINGEN. Nahezu 1.000 Zuschauer erlebten am Dienstag im Motorworld Village in zwei Shows die Abschlusspräsentation der Nachwuchsdesigner der Modeschule Metzingen. Sie erhielten außerdem Einblick in das Schulleben und die Entstehungsgeschichten der Kollektionen, denn auch die beiden ersten Jahrgänge des dreijährigen Berufskollegs für Mode und Design zeigten ihre Modelle und deren Entwicklung.
Genau genommen waren die Nachwuchsdesigner in der ersten Show noch Modeschüler, in der zweiten nicht mehr, denn da hatten sie schon ihre Abschlusszeugnisse erhalten. Auch wenn sie schon wussten, dass alle bestehen würden, waren Spannung und Aufregung wahrnehmbar, denn die Preisvergabe für das beste Modell durch eine hochkarätige Fachjury war der krönende Abschluss der Prüfungen zum staatlich geprüften Modedesigner. Die Abschlusskollektion stand unter dem von den Absolventen selbstgewählten Leitgedanken »searching für humanity«.
»Ein anspruchsvolles Thema. Scheint Menschlichkeit doch in vielen Bereichen verloren gegangen zu sein. Gewalt, Rassismus, Mobbing, Diskriminierung, Hass sind zu häufig an der Tagesordnung«, so Schulleiterin Susanne Lauffer-Dietborn mit der rhetorischen Frage: »Ist in der Hast unseres Lebens und mit allen Herausforderungen, die Menschlichkeit aus unserem Blick geraten?«
Die Menschlichkeit entdecken
Sie machte bewusst, dass jeder im Kleinen etwas zur Menschlichkeit in der Welt beitragen kann. »Großartig, dass ihr die Suche nach der Menschlichkeit in den Fokus eures kreativen Prozesses gerückt habt.« Menschlichkeit sei ein Ausdruck für ein funktionierendes Miteinander, so die Pädagogin. Für sie werde aus dem Thema in dieser Veranstaltung »discover humanity«, also Menschlichkeit entdecken, die Welt menschlich.
Sie erklärte das damit, das die Erfolgsgeschichte der diesjährigen designLINE eine "Mut machende Entdeckungsreise in ein umsichtiges, verantwortliches und damit zutiefst menschliches Miteinander sei. Ohne das Zusammenspiel aller sei eine solche Veranstaltung nicht möglich, verband sie damit ihren Dank an alle Beteiligten.
In allen Modellen kamen Gedanken zum Thema erkennbar zum Ausdruck, sei es der Kampf zwischen Perfektionismus und Kontrollverlust, die emotionalen Tiefen von Essstörungen, der Kampf zwischen äußerer Anmut und innerer Zerrissenheit »in the shadow of the mirror«, entworfen von Sina Delesky oder »positive Sehnsucht« nach Geborgenheit, Frieden und Erfüllung von Tara Tomic beispielsweise.
Die Jury hatte es nicht leicht, die Preise zu vergeben, denn »alle lagen dicht beieinander«, so Jurymitglied René Lang.
Die Entscheidung für den ersten Platz fiel zu Gunsten der Grafenberger Designerin Johanna Lang mit dem Thema »das Aufbrechen der Emotionen«, in dem sie für sich selbst in dem kreativen Prozess die Trauer um den Tod ihres Vaters und ihrer Oma verarbeitet hat, wie sie auf Nachfrage verriet. Mit »childish nostalgia« und der Suche nach dem »inneren Kind« erreichte Lisa Zukschwerdt den zweiten Platz in der Jury-Wertung und auf den »Spuren der Vergangenheit« erreichte Enas Almasri den dritten Platz. Ihr Modell »erzählt« von »Menschen, die in der Fremde ein neues Zuhause finden«.
Viele Möglichkeiten stehen offen
Alle Designer haben ihre Gedanken zu den Modellen aufgeschrieben und standen für Gespräche mit den Zuschauern zur Verfügung, denn es gab eine kleine Ausstellung und jede Menge Gesprächsstoff über Entwicklungsprozesse und auch Zukunftsabsichten.
Manche Designer werden studieren, manch einer oder eine zunächst einmal »jobben« und sich orientieren, und vielleicht gab es auch schon das eine oder andere Angebot für einen Auftrag oder eine Anstellung. (GEA)




