METZINGEN. Was könnte sie nicht alles erzählen, die Hugo-Boss-Tasche aus Keramik: Von einer stets wachsenden und lebendigen Outlet-City beispielsweise – 20 Jahre stand das 50 auf 50 Zentimeter große Kunstwerk vor dem Atelier von Kathrin Bindemann und Eberhard Benz am Lindenplatz. Später zog sie als Leihgabe, um ins Haus der Geschichte nach Stuttgart. Und nun steht das bekannteste Kunstwerk von Eberhard Benz wieder mittendrin im pulsierenden Leben des Lindenplatzes: Das Künstlerpaar hat die Keramikarbeit offiziell der Stadt Metzingen als Geschenk übergeben.
Aus Dankbarkeit, wie Kathrin Bindemann erläutert: »Es ist einzigartig und gibt es wohl so in Deutschland nicht, dass ein Gebäude rollstuhlgerecht für mich umgebaut wurde«, erklärt die Künstlerin, die seit ihrer Jugend teilweise gelähmt ist. Vor 40 Jahren hatte sich das Paar in Metzingen verliebt, eröffneten ein Keramikatelier: »Damals begann ein neuer Lebensabschnitt und ich bin dankbar, dass ich ihn erleben durfte.« Fünf Jahre blieben die beiden in ihrem ersten Atelier, es folgten 15 Jahre in einem Gebäude am Lindenplatz und dann zogen sie eben dort weiter in die ehemalige Gewerbeschule, die nach ihren Bedürfnissen umgebaut wurde. Die Stadt Metzingen mit den Oberbürgermeistern Gotthard Herzig und Dieter Hauswirth sowie Baubürgermeister Walter Veit habe sie stets unterstützt – es sei laut Kathrin Bindemann so vieles für sie getan worden. Ihnen alle gelte ihr besonderer Dank, so Kathrin Bindemann, aber auch ihrem Lebenspartner Eberhard Benz: »Er hat mich immer mitgetragen.«
In den vier Jahrzehnten ihrer Präsenz in Metzingen hätten Kathrin Bindemann und Eberhard Benz das kulturelle Leben in der Stadt entscheidend mitgeprägt, erklärt Oberbürgermeisterin Carmen Haberstroh. Und sie würden, wie die Tasche auch, für die jüngste Metzinger Geschichte stehen. In den Anfangszeiten in Metzingen war Hugo Boss noch ein Fabrikverkauf und nur halbtags geöffnet. Wer damals in der Kanalstraße eingekauft hatte, lief mit einer braunen Papiertasche mit einem roten Klebestreifen herum, erinnert sich Kathrin Bindemann. Das sei für sie das Symbol für Metzingen gewesen und Eberhard Benz gestaltete eine Keramik-Variante. Er hätte damit, so Carmen Haberstroh, eine Verbindung zwischen Tradition und Moderne geschaffen: »Sie haben in Metzingen eine wunderbare Kunst- und Kulturarbeit gemacht.«
Vor fast genau drei Jahren hatten sich Kathrin Bindemann und Eberhard Benz mit einem Fest von ihren Kunden in Metzingen verabschiedet. Die beiden hatten ihr Atelier, das in der Stadt eine Institution war, aufgegeben. »Ich vermisse es«, gab Kathrin Bindemann zu. Das Paar selbst sei, so Walter Veit, in Metzingen nicht vergessen und lebe nun durch die Keramiktasche mit dem roten Streifen weiter. Noch fehle jedoch eine Plakette, damit die vielen Passanten wüssten, was es mit ihr auf sich habe. Es handele sich immerhin um ein wichtiges Stück Metzinger Geschichte, so Veit. (GEA)

