»Zum ersten Mal wieder eine richtige Wurscht«, freute sich Brauer Frieder Kumpf, endlich wieder in Altenriet zu sein. Für den Seniorchef der Geislinger Kaiser-Bräu markiert der Brezelmarkt den Start in die lange Festsaison.
Gedenken an Unglücksopfer
Unter dem Eindruck des Absturzes der Germanwings-Maschine mit 150 Toten, fiel es Altenriets Bürgermeister Bernd Müller zum Auftakt schwer, in Festlaune zu sein. In seinen Eröffnungsworten sprach er den Hinterbliebenen und Freunden der Opfer sein Mitgefühl aus: »Was hier geschehen ist, ist für uns alle nicht fassbar, nicht begreiflich.« Für eine Minute schwieg die Musik und es wurde still im gut besuchten Festzelt, um der Opfer zu gedenken.Der Auftritt von Gotthilf Fischer hob beim Seniorennachmittag schnell wieder die Stimmung: Zusammen mit dem Chor-König sangen sich die Besucher einmal quer durch das »Best of« der deutschen Volkslieder.
»Musik hält fit und gesund«, gab der rüstige Schwabe den Gästen noch mit als Rezept für ein langes Leben mit. Er selbst ist das beste Beispiel: Auch mit 87 Jahren bewegt er ein ganzes Festzelt zum Mitsingen. Zum Abschluss seines rund halbstündigen Besuches im Festzelt trug sich Fischer noch in das Goldene Buch der Gemeinde ein.
Grau und windig begann der Brezelmarkt am Sonntag. Die hartgesottenen Fans des Brezelmarktes ließen sich davon aber nicht schrecken und freuten sich umso mehr auf die bunten Kostüme und geschmückten Festwagen. »Wir haben hier auch schon bei Schneetreiben gestanden«, erinnerte sich eine Altenrieterin. Pünktlich um 13.30 Uhr kündete der Fanfarenzug aus Bad Urach unüberhörbar das Nahen des Festzugs an.
Notfall-Einsatz
Doch noch bevor der bunte Lindwurm mit seinen fast 50 Wagen und Gruppen die Ortsmitte erreicht, müssen Festreiter, Fahnenschwenker und Musiker die Walddorfer Straße frei geben: Mit Blaulicht und Martinshorn fährt ein Rettungswagen Richtung Ortsmitte. Die Pferde scheuen, doch dank des routinierten Eingreifens der Reiter und Begleitpersonen beruhigten sich die Tiere, ohne dass etwas passiert.Es folgen lange Minuten der Ungewissheit. Bürgermeister Bernd Müller, der zum Ort des Geschehens geeilt war, wusste schließlich Näheres: Eine Frau war kollabiert und musste reanimiert werden. Kurzzeitig wurde diskutiert, den Festzug abzubrechen. Nach Rücksprache mit dem Notarzt-Team entschieden sich die Organisatoren jedoch, den Festzug weiterlaufen zu lassen.
Und so zogen Löwen und Paradiesvögel, Glückspilze und ein riesiger Drachen weiter durch den Ort. Die Wagenbauer hatten sich besonders auf die leere Staatskasse der Griechen eingeschossen. »Noch mehr Kohle nach Athen oder doch Auf Wiedersehen« stand da auf einem Motivwagen zu lesen.
Die Quittung bekam aber auch der Gemeinderat für seinen Beschluss, Falschparkern künftig per Ortspolizist nachstellen zu lassen: Gleich mehrfach wurde dies karikiert.
Zum Abschluss des dreitägigen Festes ging es nach dem Festzug auf dem Festgelände noch einmal richtig rund. Der Musikverein Bempflingen spielte, auf dem Krämermarkt und dem Vergnügungspark herrschte dichtes Gedränge. Mit Musik vom Duo Sonnenklar ließen viele Gäste den Palmsonntag und den Brezelmarkt in Altenriet gemütlich und windgeschützt im warmen Festzelt ausklingen. (GEA)
