BAD URACH. Sika Deutschland – das ist ein Industriebetrieb mitten in Bad Urach. Doch direkte Anwohner wie auch die Bürger der Stadt gehen unaufgeregt mit Betrieb zwischen Burgstraße und Stuttgarter Straße um, der genau gegenüber dem Areal der Ermstalklinik liegt. Dabei ist Sika ein Unternehmen der Spezialitätenchemie, es wird mit ätzenden und brennbaren Stoffen gearbeitet. Man sei sich als Unternehmen der Verantwortung sehr bewusst und die Bad Uracher könnten sich sicher fühlen versichert Tobias Metzger.
Er muss es wissen: Metzger ist seit August 2024 Kommandant der Werkfeuerwehr. Die wurde vor 50 Jahren als Betriebsfeuerwehr mit einer Blechhütte als Domizil gegründet. Seither hat sie sich kontinuierlich weiterentwickelt, wurde 1992 zur Werkfeuerwehr und ist damit örtlichen Feuerwehren mit dem Landratsamt als Aufsichtsbehörde gleichgestellt.
Über die Anfänge vor fünf Jahrzehnten gib’s kaum Unterlagen: »Sie liegen etwas im Dunkeln«, so Metzger. Doch Histörchen haben sich durchaus erhalten: So seien 1975 neun Mann aus dem Kreis der damals 100 Mitarbeitenden von einem Sicherheitsingenieur aus dem Unternehmen zu Feuerwehrmännern ausgebildet worden. Acht bis zehn Mal jährlich sei, so heißt es, damals auf dem 27 000 Quadratmeter großen Betriebsgelände der Ernstfall geprobt worden.
In den Anfangszeiten haben, glaubt man den Erzählungen, wohl Feuerlöscher und Kübelspritzen ausgereicht - Tobias Metzger muss schmunzeln, wenn er davon erzählt. Fahrzeugmäßig wurde längst aufgerüstet, 1995 erhielt die Sika-Wehr erstmals ein Tanklöschfahrzeug, und derzeit steht ihr ein mittleres Löschfahrzeug zur Verfügung zur Verfügung. Zum Fuhrpark gehört auch ein Sonderlöschmittelanhänger, der im Bedarfsfall den Wehren im Kreis Reutlingen zur Verfügung gestellt wird.
Mit gelegentlichen Übungseinheiten ist es ebenfalls nicht mehr getan, die Sika-Wehrleute haben dieselben Vorgaben wie die Freiwilligen Feuerwehren im ganzen Land. Dazu gehören 14-tägige Übungsdienste, die während der Arbeitszeit stattfinden und nicht mehr wie früher nach Feierabend. Auch in puncto Fort- und Weiterbildung unterscheidet sich die Sika-Wehr nicht von anderen – deren 21 aktive Mitglieder, darunter zwei Frauen und eine dritte ist in Ausbildung, durchlaufen die gleiche Laufbahn wie alle anderen freiwilligen Feuerwehrleute.
Zum Sika-Team gehören sehr erfahrene Feuerwehrler, viele sind in den Wehren der Umgebung aktiv – aber nicht nur. Der ein oder andere Mitarbeiter habe einfach nur Lust darauf, sich im Betrieb auf diese Weise zu engagieren: »Wir mussten noch nie jemanden zwingen, mitzumachen«, erklärt Tobias Metzger. Er selbst arbeitet bei Sika als Sicherheitstechniker und wird für seine Feuerwehrarbeit freigestellt, in der Freiwilligen Feuerwehr engagiert ist er seit vielen Jahren und ist inzwischen Hauptbrandmeister.
Manchmal zeige sich das Interesse bereits beim Einstellungsgespräch, bei anderen Mitarbeitern werde es im Lauf der Zeit geweckt: Sika mache für den Dienst in der Werksfeuerwehr aktiv Werbung bei betriebsinternen Veranstaltungen wie auch im eigenen Intranet und organisiere auch einen Sicherheitstag. Bei Sika selbst können Neueinsteiger ihre Grundausbildung jedoch nicht absolvieren, das müsse bei anderen Wehren gemacht werden: »Die meisten treten dort dann auch ein«, weiß Tobias Metzger.
Sowieso: Die Vernetzung mit den Feuerwehren aus der Region seien eng, vor allem mit denen aus Bad Urach und Dettingen. So stehen neben Übungen mit der eigenen Wehr auch immer wieder gemeinsame Großübungen mit anderen an, um für den Ernstfall gerüstet zu sein. Darüber hinaus finden regelmäßig Gefahrstoffübungen mit den Gefahrstoffzügen statt: »Die sind sehr intensiv, auch in der Vorbereitung«, so Metzger.
Aber auch auf anderen Ebenen arbeite man eng mit den Feuerwehren zusammen: Zum einen können die Atemschutzwerkstatt in Metzingen genutzt werden, die Schläuche werden in Münsingen gereinigt. Im Gegenzug reinige Sika die Einsatzkleidung umliegender Feuerwehren – da können nach einem Brand oder einem Verkehrsunfall schon mal einige hundert Kleidungsstücke zusammenkommen. Auch kann die Sika-Wehr im Ernstfall das Betriebsgelände verlassen und wird zur öffentlichen Hilfe herangezogen.
Sika nehme seine Verantwortung für den sogenannten Störfallbetrieb der unteren Klasse laut Metzger sehr ernst, in die Feuerwehr werde stets investiert – erst vergangenes Jahr gab’s neue Einsatzkleidung. Die Aktiven werden zudem für eine ein- oder zweitägige Lehrfahrt freigestellt. Und, was laut Kommandant Metzger auch nicht fehlen dürfe: »Wir feiern auch schon mal miteinander.« Das Unternehmen sieht sich aber auch Teil des Ganzen und stellt die Sika-Feuerwehrleute im Einsatzfall frei – für sie existiert sogar ein Alarmparklatz.
Nun geht die Sika-Werkfeuerwehr – neben ihr existieren im Landkreis noch eine bei Bosch in Reutlingen und im Zentrum für Psychiatrie (ZfP) Südwürttemberg in Zwiefalten – noch einen Schritt weiter: Ein externes Ingenieurbüro ist beauftragt worden, einen modernen und damit detaillierten Bedarfsplan aufzustellen, um noch professioneller arbeiten zu können. »Wir sind auf einem sehr guten Stand«, bilanziert Tobias Metzger. Und vernetzt sei man über die Arbeitsgemeinschaft Werksfeuerwehr Baden-Württemberg auch gut. Gefeiert wird das 50-jährige Bestehen der Feuerwehrarbeit bei Sika Bad Urach nicht, doch es sei geplant, 2027 eine Veranstaltung zu organisieren: Dann besteht die Werkfeuerwehr 35 Jahre. (GEA)


