DETTINGEN. Das alternative Heilen ist kein Thema der Ist-Zeit, bereits vor 135 hatte sich in Dettingen der Verein für Homöopathie und Lebenspflege gegründet: Im Zillenhart-Saal wurde nun das Bestehen mit einem Festnachmittag gefeiert. Bereits am Morgen hatte sich 38 Delegierte aus 13 Vereinen zur Jahreshauptversammlung des Hahnemannia-Dachverbands getroffen, um die Weichen für ihre bundesweite Arbeit zu stellen. Die Hahnemannia vertritt knapp 3.000 Mitglieder in 27 homöopathischen Vereinen in ganz Deutschland, wobei der Schwerpunkt laut Präsident Mario Hopp in Süddeutschland liege.
»Wir können stolz sein«, meinte Dieter Sigler, bereits seit 1989 Vorsitzender des Dettinger Vereins für Homöopathie und Lebenspflege, angesichts des langen Bestehens. 1890 gegründet, sei er der drittälteste in der Hahnemannia – nur die Vereine in Heidenheim und Bad Cannstatt seien älter. Einst sei die Beschäftigung mit alternativer Medizin eine Männerdomäne gewesen, wie Sigler ausführte und so hat denn auch am 3. August 1890 Johannes Heinkel mit 16 Gleichgesinnten den Dettinger Verein gegründet: »Er wurde später Kügeles-Doktor genannt«, erzählte der heutige Vorsitzende. Leider seien die Vereinsunterlagen verschollen, aber eines sei laut Sigler überliefert: Von Anfang an wurden viele Vorträge gehalten, um die Menschen zu informieren – daran habe sich bis heute nicht viel geändert.
Im Zweiten Weltkrieg ruhte dann die Vereinsarbeit, erst 1956 wurde der Verein von einer Gruppe um Paul Haug wieder gegründet. Die Homöopathen hätten seither hinsichtlich der Mitgliederzahlen und der Aktivitäten ein Auf und Ab erlebt: 2006 habe man mit 190 Mitgliedern den Höchststand erreicht, im Augenblick seien es 110 bei einem Altersdurchschnitt von 70 Jahren. Der Verein habe sich vor allem seit den 80er-Jahren rege am Vereinsleben in Dettingen beteiligt, Sigler erinnerte unter anderem an die Beteiligung am Backhaushock und die Organisation von Gesundheitstagen in der Schillerhalle, die nach sechsmaliger Auflage zum letzten Mal 2015 stattgefunden hatten. Große Events könne der Verein aus Altersgründen nun nicht mehr stemmen, nach wie vor würden jedoch Vorträge organisiert, treffe man sich zu Stammtischen, feiere den Jahresabschluss und klinke sich zwei Mal im Jahr beim Seniorentreff mit ein.
Von einem stattlichen Bestehen sprach denn auch Michael Hillert: »Man merkt, hier tut sich etwas und ihr bleibt rege.« Die 24 Jahre, die er als Bürgermeister mit dem Verein erleben durfte, seien sehr angenehm gewesen. Die Beschäftigung mit dem Thema gesundes Leben sei wichtig: »Der Gemeinderat und die Bürgerschaft sind an eurer Seite«, machte Hillert deutlich. Das konnte Dieter Sigler bestätigen: »Wenn Dettinger Vereine etwas brauche, ist die Gemeinde da. Das ist nicht überall so.«
Der Verein für Homöopathie und Lebenspflege habe in den vergangenen 135 Jahren in Dettingen eine schöne Arbeit geleistet, resümierte Mario Hopp: »Das ist eine beeindruckende Zeitspanne«, so der Präsident des Dachverbands Hahnemannia. In dieser Zeit habe sich vieles geändert, geblieben sei die Beständigkeit und das Engagement des Dettinger Vereins – dadurch habe er viele Menschen zusammengebracht. Leider mache sich der gesellschaftliche Wandel auch beim Verein bemerkbar: In der schnelllebigen Zeit würden sich jüngere Menschen nicht mehr langfristig binden wollen: »Ich würde mir wünschen, dass mehr Menschen erkennen, wie wichtig der Verein für die Gesundheit sein kann.« Man müsse Medizin ganzheitlich sehen und die Homöopathie als Ergänzung zur Schulmedizin: »Es geht den Menschen um den einen Wunsch, gesund zu werden oder zu bleiben du das selbst aktiv in die Hand zu nehmen«, machte Hopp deutlich. Es sei wichtig, selbst Verantwortung für seine Gesundheit zu übernehmen.
Das sei, so Hahnemannia-Vizepräsident Rolf Hinderer aus Metzingen auch ein wichtiges Thema bei der Jahresversammlung am Vormittag gewesen: »In regelmäßigen Abständen wird gegen die Homöopathie geschossen und das nicht ganz harmlos.« Deshalb sei die Hahnemannia auch in ständigem Dialog mit der Politik auf Landes-, wie auch auf Bundesebene. Immerhin würden 75 Prozent der Deutschen homöopathische Mittel verwenden, jeder Zweite habe Globuli zu Hause.
Den Festnachmittag begleitete der Dettinger Liedermacher Matthias Flad mit seinen schwäbischen Liedern musikalisch, den Festvortrag »30 Jahre Homöopathie an einer Universitäts-Kinderklinik« hielt Dr. Karoline Kretzdorn. (GEA)

