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Historische Talschmiede in Walddorf ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht

Reise in die Vergangenheit des Schmiedehandwerks: Am Tag des offenen Denkmals zog die alte Walddorfer Schmiede viele Besucher an. Wie sieht ihre Zukunft aus?

Hans Dürr demonstriert am Tag des offenen Denkmals an einem Wagenrad die Handwerkskunst von Schmiedemeistern in früheren Zeiten.
Hans Dürr demonstriert am Tag des offenen Denkmals an einem Wagenrad die Handwerkskunst von Schmiedemeistern in früheren Zeiten. Foto: Veit Müller
Hans Dürr demonstriert am Tag des offenen Denkmals an einem Wagenrad die Handwerkskunst von Schmiedemeistern in früheren Zeiten.
Foto: Veit Müller

WALDDORFHÄSLACH. Seit Jahren liegt die alte Talschmiede im Talbrunnenweg in Walddorf in einer Art Dornröschenschlaf. Jetzt am Tag des offenen Denkmals wurde sie für eine kurze Zeit wieder zum Leben erweckt. Viele an Historie Interessierte nahmen die Gelegenheit wahr, um für einige Stunden in die vergangene Lebenswelt eines Schmieds einzutauchen. Dabei half ihnen Hans Dürr, dessen Vorfahren die alte Talschmiede über ein Jahrhundert lang betrieben hatten. Er führte die Besucher in eine Werkstatt, in der die Zeit stehen geblieben zu sein scheint.

Das historische Fachwerkgebäude mit der Schmiedewerkstatt steht recht unscheinbar gegenüber der Alten Molkerei im Zentrum von Walddorf. Es beherbergt eine Scheune, mehrere Wohnräume und eben jene alte Schmiede. Bis zu seinem Tod 2001 arbeitete dort der letzte Schmied Fritz Dürr, ein Onkel der Walddorfhäslacher Gemeinderätin Roswita Decker-Röckel. Seit der Zeit steht das Gebäude leer, »keine Schraube ist neu dazugekommen, auch alle alten Werkzeuge und Maschinen stehen noch dort.«

Auf der Walz in Mannheim bei Karl Benz

Vor kurzem hat die Gemeinderätin mit ihrem Mann Ralf Michael Röckel das Gebäude erworben. Für den Tag des offenen Denkmals hat sie, auch mit Hilfe des Walddorfer Ortshistorikers Oliver Wezel, die Geschichte des Gebäudes und der Schmiedemeister, die in dem Fachwerkhaus lebten und arbeiteten, zusammengetragen, um auch der Öffentlichkeit die Möglichkeit zu geben, auf eine kleine Reise in die Vergangenheit zu gehen.

Und was gibt es zu berichten über die Talschmiede? Es war der Großvater von Roswita Decker-Röckel, der 1913 in dem Haus erstmals eine Schmiede einrichtete. Johannes Dürr, geboren 1880 in Walddorf, absolvierte zuvor in Tübingen eine Schmiedelehre. Danach ging er auf die Walz (von 1900 bis 1909), wie es für einen Handwerksgesellen üblich war. Er arbeitete in dieser Zeit unter anderem in Mannheim in der Motorenwerkstatt von Karl Benz.

Gemeinderätin Roswita Decker-Röckel hat die wichtigsten Daten der historischen Talschmiede in Walddorfhäslach für den Denkmaltag
Gemeinderätin Roswita Decker-Röckel hat die wichtigsten Daten der historischen Talschmiede in Walddorfhäslach für den Denkmaltag zusammengetragen. Foto: Veit Müller
Gemeinderätin Roswita Decker-Röckel hat die wichtigsten Daten der historischen Talschmiede in Walddorfhäslach für den Denkmaltag zusammengetragen.
Foto: Veit Müller

Im Jahr 1909 kehrte Johannes Dürr nach Walddorf zurück. Er legte die Meisterprüfung ab und heiratete die Schreinerstochter Eva-Maria Nonnenmacher, bevor er die Schmiede eröffnete. Das Paar hatte drei Kinder, Marie, Erna, die Mutter von Roswita Decker-Röckel, und Fritz, der später ebenfalls das Schmiedehandwerk erlernte und in den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts nach dem Tod von Johannes Dürr die Talschmiede übernahm.

»Ich will, dass das Haus erhalten bleibt«, sagt Decker-Röckel. »Es ist das elterliche Haus meiner Mutter und ich bin als Kind immer hier gewesen.« Sie habe bei der Renovierung des »Ochsen« und der Alten Molkerei gesehen, was man »aus solchen historischen Gebäuden alles machen kann«.

Kommt die Talschmiede vielleicht einmal ins Freilichtmuseum?

Roswita Decker-Röckel will auch nicht, dass etwas von der alten Inneneinrichtung der Talschmiede, wie beispielsweise die Esse oder der alte Amboss von 1910, verloren geht. Sie könnte sich vorstellen, dass die ganze historische Einrichtung der Talschmiede einmal in ein Freilichtmuseum, wie das in Beuren, komme. »Man könnte die Schmiede doch dort in eines der Häuser einbauen«, hofft sie.

Beim Tag des offenen Denkmals war es Hans Dürr, der Sohn des letzten Schmids Fritz Dürr, der die Besucherinnen und Besucher durch die ehemalige Schmiede führte und ihnen Einblicke in »eines der ältesten Handwerke überhaupt« ermöglichte. Bevor sein Großvater die Schmiede übernommen habe, seien alle seine Vorfahren von Beruf noch Wagner gewesen, berichtete Dürr. Erst ab 1895 sei es in der Schmiede dann darum gegangen, zum Beispiel Eisen für Wagenräder zu schmieden, mit einer Maschine zu biegen und sie auf ein Rad aus Holz aufzuziehen. Wie dies alles damals bewerkstelligt wurde, demonstrierte Dürr mit Hilfe der noch vorhandenen alten Werkzeuge und Maschinen in und vor der alten Schmiede.

Probleme beim Feuerschweißen

Interessiert verfolgten die Zuschauer, wie Dürr das »Feuerschweißen« erklärte und wie schwierig es war, das gebogene Eisen für die Wagenräder an seinen Enden zusammenzufügen, schließlich gab es damals noch keine Schweißgeräte. Der Schmied musste sorgsam darauf achten, dass kein Sauerstoff bei dem Vorgang dazwischen kam.

Vor der Schmiede hatte Dürr ein Wagenrad aufgestellt, um die Arbeitsgänge genauer zeigen zu können. Etwa vier bis Stunden habe ein Schmied damals gebraucht, um den Eisenring für das Rad zu schmieden. Auch ein Film von Ernst Gaiser über die alte Talschmiede wie auch die ehemalige Molkerei wurde am Denkmaltag den Besuchern gezeigt. (GEA)