PLIEZHAUSEN. Am Mittwoch voriger Woche hat es in der Schönbuchhandlung immer wieder ein besonderes Gesprächsthema gegeben: Die Gemeinde Pliezhausen sollte ihre Geschichte wissenschaftlich aufarbeiten und die Ergebnisse veröffentlichen. Das sei die Haltung von zehn Kunden gewesen, die sie allein am Vormittag angesprochen haben, sagt die lokale Buchhändlerin und SPD-Gemeinderätin Birgit Schoblocher eine Woche später am Telefon. An dem Tag war ein Artikel im GEA erschienen, dass die Gemeinde Pliezhausen kein Geld für die Geschichtsforschung übrig hat und das Thema darum schieben muss. Das treibt Bürger in Pliezhausen um. Manche hatten Schoblocher sogar gesagt, dass sie eine Chronik finanziell mit einem fünfstelligen Betrag unterstützen würden.
In der Buchhandlung war es deshalb ein Thema, weil Schoblocher sich im Vorfeld der Haushaltsberatungen für eine Ortschronik eingesetzt hatte. Allerdings hatte Pliezhausens Bürgermeister Christof Dold sich gegen eine Chronik zum jetzigen Zeitpunkt ausgesprochen, weil 2024 die Ausgaben die Einnahmen im Haushalt der Gemeinde übersteigen. »Wir haben aktuell ein Defizit von drei Millionen Euro im Haushalt. Wenn wir dann solch ein Projekt wie eine Chronik über drei bis vier Jahre angehen und dafür 33.000 bis 40.000 Euro zahlen müssten, würden wir uns damit unglaubwürdig machen«, hatte Dold vorige Woche dem GEA gesagt. Insgesamt rechne er mit Kosten für die Forschung und den Druck von 70.000 bis 80.000 Euro. Der Betrag reduziere sich dann durch Verkaufserlöse, Gelder von Stiftungen und Spenden. Und doch könne es sein, dass die Gemeinde erst mal 65.000 Euro ausgeben müsste und dann später die Verkaufserlöse zurück bekommen würde.
Alternative Finanzierung versuchen
Birgit Schoblocher sprach die Rückmeldungen der Kunden in der Gemeinderatssitzung am Dienstag an: »Ich habe nach dem GEA-Artikel sehr viel Resonanz bekommen.« Letztlich seien die Geschichtsforschung und eine Chronik zu wichtig, um sie nicht weiterzuverfolgen. Sie ist dafür, eine Finanzierung abseits des Haushalts und mit Spendengeldern zu versuchen. »Wir brauchen auch nicht alles Geld auf einmal, sondern innerhalb der nächsten drei bis vier Jahre. Wir sollten die Chronik nicht aus den Augen verlieren«, sagte Schoblocher.
Bürgermeister Dold warnte, dass auch zugesagte Gelder womöglich nicht fließen könnten. »Auf Stiftungsgelder haben wir keinen Rechtsanspruch.« Die flössen nur auf freiwilliger Basis. »Das kann sein, muss aber nicht.« Außerdem sei in den vergangenen Jahren nicht so viel Geld auf einmal von einer Stiftung an ein historisches Projekt gezahlt worden. »Wenn wir uns bei einer Stiftung melden, deren Zweck die Förderung von Kunst und Kultur ist, würden wir uns mit der Chronik schon aus dem Fenster lehnen«, gab Dold zu bedenken. Wenn die Gemeinde schließlich die Forschung in Auftrag geben würde, müsste sie auch das Geld dafür haben. »Wenn wir uns bei der Kalkulation verschätzen und wir den Auftragnehmern sagen müssten, dass sie auf Geld verzichten müssen, wäre das unseriös«, sagte Dold. Die Räte könnten aber selbstverständlich bei der nächsten Haushaltsberatung einen Antrag für die Geschichtsforschung stellen. Schoblocher hatte den Eindruck, dass Dold ihre Bestrebung zu einer Chronik ausbremse. Der wies das zurück und betonte die Kosten.
Chronikverein als Idee
Beate Saile-Sulz (FWV) empfahl, dass sich auch aus dem Gremium des Gemeinderats eine Gruppe bildet, die bereits im Vorfeld Spenden sammelt. Der CDU-Rat Alfred Brecht bemerkte leise in der Sitzung, es sei nicht schlimm, wenn die Idee der Chronik wieder in der Versenkung verschwinden würde. Er setzt sich generell für strikte Ausgabendisziplin im Ort ein. »Spenden würden die Gemeinde unter Druck setzen und uns als Rat auch«, kritisierte er. Vielmehr könne sich doch ein Chronikverein gründen. »Die können das doch selber machen und dann Anträge zur Finanzierung im Rat stellen. Es gibt doch für alles Mögliche einen Verein. Warum sollte es dann nicht einen Chronikverein geben?« Schoblocher hielt nichts davon. »Das ist nicht die Aufgabe eines Vereins, sondern der Gemeinde.« (GEA)

