ALTENRIET. »Wir hören noch immer Sirenen und Pumpen«, berichtet Tom Schwaibold. Es ist Sonntag, 17.45 Uhr. Feuerwehren aus den Kreisen Esslingen und Reutlingen fahren zum sogenannten Hasenheim, der Gaststätte Albblick, dem Vereinsheim der Altenrieter Kleintierzüchter. Dort ist am mittleren Nachmittag ein Brand ausgebrochen, der auch am Abend noch nicht komplett gelöscht ist. Das Hasenheim ist ein beliebtes Ausflugsziel. Es hat sonntags geöffnet, allerdings erst ab 17 Uhr.
Um 16 Uhr brechen Tom Schwaibold, seine Verlobte Elisa Starzmann und ihr Hund zur Mittagsrunde auf. Unterhalb des »Albblick«, das am Ortsrand liegt. Das Paar wohnt nur zwei Querstraßen von dem Vereinsheim entfernt. »Als wir in die Felder gekommen sind, kamen uns schon Rauchschwaden entgegen«, blickt der junge Mann zurück. Seine Verlobte fotografiert eine Rauchsäule, die man bis nach Pliezhausen sehen kann. Grau sieht der Rauch aus und stinkt. Immer wieder kommen Schwadenstöße nach. »Es hat gewirkt wie ein Fett- oder Ölbrand«, beschreibt es Schwaibold.
Bis auf die Mauern abgebrannt
Das Pärchen und der Hund gehen nach oben an den Waldrand. Sie wollen weg von dem Rauch; der sinkt ab. Als sie nach gut einer Stunde in ihren Wohnort zurückkommen, wimmelt es dort von Feuerwehr. Auch Fahrzeuge aus Walddorf kommen ihnen entgegen. »Insgesamt 15 bis 20 Feuerwehrautos haben wir gesehen«, sagt Schwaibold, »durch viele Straßen haben die Feuerwehren Schlauchverbindungen gelegt.« Ein vernetztes System, das Hydranten anzapft. Die Polizei wird später von 60 Einsatzkräften der Feuerwehr sprechen. Aus den Landkreisen Esslingen und Reutlingen kommen sie.
Der junge Mann sieht nach dem Hundespaziergang unweit des Hasenheims etwa 20 Leute stehen. Gäste können es nicht sein, denn das Heim ist bei Ausbruch des Feuers noch geschlossen. Evakuierte Anwohner von Nachbarhäusern könnten es sein, oder Schaulustige. »Viele Feuerwehrleute hatten Atemschutz-Ausrüstung an«, berichtet der Augenzeuge weiter.
Kurz vor 18 Uhr ist GEA-Fotograf Steffen Schanz vor Ort. »Die Mauern stehen noch«, schildert er die Lage um 18.15 Uhr, »aber das Dach ist weg und der Haupteingang eingestürzt.« Zwei Drehleitern hat er im Einsatz gesehen, eine von ihnen kam aus Filderstadt. Aus den Körben richten die Feuerwehrleute den Wasserstrahl auf die noch rauchenden Bereiche. Nur langsam wird im Licht der starken Scheinwerfer das Ausmaß des Schadens sichtbar, als der Rauch weicht. Ein Bagger rückt an, reißt Dachreste weg, darunter sind Flammen zu sehen. Die Feuerwehr löscht weiter.
»Das THW war vor Ort«, hat Schanz weiter beobachtet. Geht es darum, die Ruine, die einsturzgefährdet sein könnte, technisch zu sichern? Den Rettungsdienst hat der Fotograf auch gesehen, allerdings nicht im Einsatz, sondern in Bereitschaft. Tom Schwaibold hatte zwei Stunden früher gar keine Rettungsfahrzeuge gesehen, auch keine der Polizei, nur Feuerwehren.
Die Polizei erfährt erst vergleichsweise spät von dem Großbrand, der gegen 15.30/40 Uhr ausgebrochen sein dürfte. Um 18.30 Uhr weiß Julian Geckeler vom Reutlinger Polizeipräsidium mehr. »Die Gaststätte stand in Vollbrand«, sagt er dem GEA, »da dürfte nicht mehr viel zu retten sein.« Er spricht von »möglicherweise zwei Leichtverletzten«, die in medizinische Obhut kamen; eventuell wurden sie aber auch nur auf gesundheitliche Beeinträchtigungen etwa durch eingeatmetes Rauchgas hin überprüft, blieben aber unversehrt.
Vage bleiben zu diesem frühen Zeitpunkt auch die Anhaltspunkte zur Brandursache. »Wahrscheinlich etwas Technisches«, sagt Geckeler zum Stand der Dinge. Hinweise auf Brandstiftung hat die Polizei nicht. Die Ermittler gehen von einem hohen sechsstelligen Schaden am Hasenheim aus. »Die Lage ist immer noch recht dynamisch«, berichtet der Beamte um 19.30 Uhr. Eine gute Nachricht hat er: »Der Brand blieb auf das eine Gebäude beschränkt.« Griff also nicht auf Nachbarhäuser über. Deren Bewohner wurden während der Brandbekämpfung dennoch vorübergehend evakuiert. Für die übrigen Altenrieter bestand keine Gefahr. (GEA)



