GRAFENBERG. Jedes Grafenberger Kind kann einen Platz in einem der vier gemeindeeigenen Kindergärten erhalten. Das ist die gute Nachricht, die Hauptamtsleiter Ilja Schell dem Gemeinderat in der letzten Sitzung vor der Sommerpause überbrachte. »Die Situation ist mehr als gut.« Auch beim Personal. Schell stellte die Fortschreibung der Kindergartenbedarfsplanung 2025/26 zur Kenntnisnahme durch den Rat vor. »Auch die Mitarbeiter sind sehr zufrieden.«
Derzeit gibt es in der Gemeinde 139 zu betreuende Kinder im Alter von bis zu sechs Jahren. Davon sind 118 in den gemeindeeigenen Kindertageseinrichtungen untergebracht, 21 in den Tagesmüttergruppen. Somit können 85 Prozent des Gesamtbetreuungsbedarfs von Kindern im Alter bis zu sechs Jahren durch Kitas der Gemeinde abgedeckt werden. Der Mindestpersonalschlüssel wird erreicht, bei Fluktuation könne erfahrungsgemäß schnell nachbesetzt werden, so der Hauptamtsleiter.
Insgesamt habe die Gemeinde derzeit rechnerisch mit 18,4 Stellen ein Plus von 0,5 Stellen über der Sollzahl, berichtete er. Für Vertretungsfälle »gibt es einen Pool von pädagogischen und nichtpädagogischen Hilfskräften, die nach Bedarf als Springkräfte eingesetzt werden. Diese Aushilfen sind auf geringfügiger Basis beschäftigt.« Aktuell beschäftigt die Gemeinde eine Springerkraft, drei seien erforderlich, so Schell. Eine einrichtungsübergreifende Stelle werde noch ausgeschrieben. Für die Sprachförderung gibt es in jeder Kita eine Spezialkraft.
»Gefragt ist Mittagessen, wichtig die längere Zeit«
Von 129 Betreuungsplätzen in den gemeindeeigenen Kindertageseinrichtungen sind 118 vergeben, das heißt, es besteht eine Auslastung zu 91 Prozent. Durch die übrigen neun Prozent könne man auf unerwartete Zugänge flexibel reagieren. So werden zum Beispiel auch Kinder aus Riederich in Grafenberg betreut. Ilja Schell betonte dabei, dass die Sollzahlen das absolute Minimum und kein Qualitätsmerkmal seien.
Wenn die prognostizierten Zahlen für die Zukunftsplanung so eintreten "und die Zahl der Zuzüge moderat bleibt", kann der Bedarf im U3-Bereich teilweise in den Einrichtungen der Gemeinde abgedeckt werden", blickte der Hauptamtsleiter voraus. Zwar sei seit 2016 eine steigende Geburtsrate zu verzeichnen, die ihren vorläufigen Höchststand mit 33 Geburten 2019 und 32 Geburten 2022 erreichte, aber es könne nicht von einem langfristig gleichmäßigen Trend die Rede sein. "Ausschläge nach oben oder nach unten sind jederzeit möglich. Deshalb ist es sinnvoll, bei der Belegung nicht an der Kapazitätsgrenze zu planen, in der Regel kann man von durchschnittlich 20 Geburten pro Jahr ausgehen", so seine Prognose.
Zu den verschiedenen Betreuungsfor-men, die in Grafenberg angeboten werden, wies Schell darauf hin, dass die »reinen Regelöffnungszeiten nicht mehr attraktiv sind.« Regelöffnungszeiten seien ein Auslaufmodell. »Gefragt ist Mittagessen, wichtig die längerer Zeit.«
Und genau da setzt Kritik aus dem Gremium an, denn es wurde eine Fragebogenaktion angekündigt, um, so Gemeinderätin Melanie Fensch, ein unabhängiges Stimmungsbild für die Wünsche und Bedarfssituation der Eltern zu erhalten. Die Aktion sollte noch vor den Sommerferien erfolgen, wurde aber seitens der Verwaltung bisher nicht vorbereitet. Mehrere Gemeinderäte wurden von Eltern darauf angesprochen. »Der Fragebogen wurde avisiert«, so Thomas Vorwerk. Auch Matthias Dembek mahnte den Zeitplan für die Beratung an, wie auch Sven Bader daraufhinwies, »dass wir die Eltern nicht vor vollendete Tatsachen stellen wollen.«
»Eltern nicht vor vollendete Tatsachen stellen«
Der Hauptamtsleiter argumentierte, dass es sich dabei nicht um eine reprä-sentative, statisch abgesicherte Umfrage handeln könne, insbesondere bei der Frage nach dem Ganztagesbetreuungs-bedarf. Diesen Anspruch stellte im Gremium aber auch niemand. Man wolle lediglich ein Stimmungsbild für die weiteren Beratungen. Es geht dem Gremium darum, auch in Zukunft über die Anzahl der Betreuungsplätze hinaus bedarfsgenaue Angebote zu planen und den hohen Qualitätsstandard in der Grafenberg Kinderbetreuung, der lobend erwähnt wurde, zu erhalten. (mar)

