BAD URACH/METZINGEN. Wenn die Informationen in der Smartphone-App DB-Navigator stimmen, beginnt am Montag, 15. Dezember, der Halbstundentakt auf der Ermstalbahn zwischen Bad Urach und Metzingen. Dann würde um 5.21 Uhr der erste Zug des Tages Bad Urach verlassen, der nächste genau eine halbe Stunde später um 5.51 Uhr. Aktuell ist der Metzinger Bahnhof wegen Bauarbeiten für den Halbstundentakt gesperrt, die Bauherrin ist die RSBNA SI GmbH, die frühere Erms-Neckar-Bahn AG, die heute in den Zweckverband Regionalstadtbahn Neckar-Alb eingegliedert ist. Ob der Halbstundentakt wirklich wie geplant kommt, dazu hat der GEA die Verantwortlichen mehrfach um konkrete und verlässliche Informationen gebeten. Doch die Antworten sind so wachsweich formuliert, dass sich die Fahrgäste darauf bisher nicht verlassen können.
So gibt es auch am Mittwoch auf erneute GEA-Anfrage keine klare Zusage des Zweckverbands. Aber auch keine Absage oder Informationen zu einer möglichen Verschiebung. Das heißt: Womöglich fahren am Montagmorgen Züge am Uracher Bahnhof ab, vielleicht stehen die Reisenden aber auch vergebens auf dem Bahnsteig.
Ersatzbusse nicht mehr bestellt
Ob stattdessen die aktuell verkehrenden Busse des Schienenersatzverkehrs (SEV) Fahrgäste nach Metzingen und zwischen Nürtingen und Reutlingen transportieren, hat der GEA vom Zweckverband und von der Pressestelle der Deutschen Bahn (DB) in Stuttgart wissen wollen. »Der SEV steht nach dem Ablauf der geplanten Umläufe erstmal nicht weiter zur Verfügung«, teilt ein Stuttgarter Bahnsprecher mit, »es gibt keine Indizien für weitere Beauftragungen.« Die Verfügbarkeit von Bussen in der Vorweihnachtszeit sei schwierig. »Bei den Busunternehmen müssen entsprechende Personal- und Urlaubspläne erstellt werden.«
Im schlechtesten Fall könnten andauernde Bauarbeiten mit weiteren Zugausfällen zur Folge haben, dass zwischen Nürtingen und Reutlingen nicht nur keine Züge, sondern auch keine Busse und zwischen Reutlingen und Bad Urach über Metzingen nur ein Bus stündlich fahren würde. Diese Fahrten der Linie 7640 am Montag stehen im Fahrplan der App DB Navigator. Eigentlich sollten sie dann aber durch Züge ersetzt werden.
Stellwerkstests ab Freitag
Für die Errichtung und Inbetriebnahme des neuen Stellwerks sei die RSBNA SI (Schieneninfrastruktur) GmbH zuständig, betont der DB-Mann. Zweckverbands-Pressesprecherin Andrea Müller geht zuletzt auf die Bitte nach einer konkreten Aussage zum geplanten Halbstundentakt nicht ein, sondern teilt lediglich mit: »Fragen zum Halbstundentakt beantworten wir gerne beim Pressegespräch am Freitag, zu dem wir gestern eingeladen haben.« Der Bahnsprecher wird gegenüber dem GEA indes am Mittwoch schon konkreter: »Am Freitag laufen auf der Ermstalbahn Probefahrten, bei dem das neue Stellwerk getestet wird.« Ein erfolgreicher Verlauf dieser Tests ist Voraussetzung dafür, dass das Stellwerk wie geplant am Sonntag in Betrieb gehen und der Halbstundentakt auf der Ermstalbahn aufgenommen werden kann.
Vor drei Jahren gab es von der damals zuständigen ENAG (Erms-Neckar-Bahn AG), die im Zweckverband aufgegangen ist, mehr Transparenz: Geladene Gäste feierten am Halt Bad Urach Wasserfall die Elektrifizierung der Ermstalbahn einen Tag vor dem jährlichen großen Fahrplanwechsel im Dezember. Die Gäste fuhren mit einem Elektrotriebwagen die Strecke ab und versammelten sich auf dem Bahnsteig am Stopp Wasserfall zu einem Foto. Dabei waren unter anderem der Landrat Dr. Ulrich Fiedler und dessen Vorgänger Thomas Reumann, Metzingens Oberbürgermeisterin Carmen Haberstroh, Bad Urachs Bürgermeister Elmar Rebmann und Professor Dr. Tobias Bernecker als Geschäftsführer des Zweckverbands RSBNA.
Drei Jahre Verspätung
Carsten Strähle als damaliger ENAG-Chef verkündete damals, dass der Halbstundentakt frühestens Ende 2024 möglich sein wird. Ursprünglich war dieser 2022 geplant. »Wir haben noch viele dicke Bretter zu bohren«, sagte Strähle damals. Mit im Zug waren auch die Bundestagsabgeordneten und Verkehrspolitiker aus der Region Michael Donth (CDU) und Matthias Gastel (Grüne).
Nachdem der GEA nun über den Zweckverband und die DB wenig Konkretes erfuhr, fragte er in den Rathäusern in Metzingen und Bad Urach nach. Das Ergebnis: Von einem offziellen Termin für den Beginn des Halbstundentakts am kommenden Wochenende ist nichts bekannt. Der wäre ein starker Hinweis für den bevorstehenden Taktbeginn gewesen. Auch bei den Mitarbeiterinnen der beiden Bundestagsabgeordneten sind keine Einladungen eingegangen. Donth ist optimistisch: »Mit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember wird es einen Halbstundentakt auf der Ermstalbahn zwischen Metzingen und Bad Urach geben - das sind sehr gute Nachrichten für den gesamten Landkreis!«
Hintertürchen bleibt offen
Donths Mitarbeiterin Maren Meinzinger hatte zuvor beim Zweckverband diese Information bekommen: »Die RSBNA Erms-Neckar-Bahn Schieneninfrastruktur GmbH geht weiterhin davon aus, dass die in ihrer Verantwortung liegenden, für den Halbstundentakt nötigen Arbeiten bis zum Fahrplanwechsel am 14. Dezember 2025 abgeschlossen sein werden.« Das hatte Sprecherin Müller auch gegenüber dem GEA so kommuniziert. Ob andere Beteiligte ebenso im Zeitplan seien, ist offen. Dann geht die RSBNA noch auf die Zukunft ein: »Mit der Öffentlichkeit werden wir den Halbstundentakt auf der Ermstalbahn noch gebührend feiern.« Wann, ist unklar. (GEA)

