METZINGEN/BAD URACH. Der Triebwagen der RB 63 von Tübingen fährt um 11.10 Uhr im Metzinger Bahnhof auf Gleis 4 ein. Das ist neu. Einmal, weil nach der zweiwöchigen Streckensperrung seit Sonntag wieder Züge fahren. Aber auch, weil die Züge das neu verlegte Gleis 4 nutzen. Das ist eine Voraussetzung für den neuen Halbstundentakt seit diesem Montag. Die Züge begegnen sich nun in Metzingen und am Bahnhof Dettingen-Gsaidt. Ansonsten ist die Strecke eingleisig, sodass auf diesen Abschnitten immer nur ein Zug auf dem Gleis fahren kann.
Daher dauert es auch, bis der Zug von Metzingen in Richtung Bad Urach abfährt. Der andere Zug nach Metzingen und weiter nach Tübingen blockiert die Strecke und muss erst in der Kelternstadt ankommen. Erst um 11.24 Uhr fährt der Triebwagen nach Bad Urach los - mit neun Minuten Verspätung. Es werden noch mehr. Das liegt auch daran, dass der Zug immer wieder vor Bahnübergängen stoppt. Das erste Mal sind aus dem Fenster Autos zu sehen, offenbar ist das Signal für den Zug rot, nicht aber die Ampel am Bahnübergang für die Autos. Nach kurzem Halt setzt der Zug seine Fahrt fort und hält bald an einem Übergang auf der Höhe des Gasthofs Rebstöckle in Neuhausen. Dabei ist der Haltepunkt Neuhausen auf der anderen Straßenseite, nur ein paar Meter entfernt.
Halten vor Bahnübergängen
Beim nächsten Halt in Dettingen-Lehen ist die Verspätung auch durch zwei weitere Stopps vor Bahnübergängen auf 15 Minuten angewachsen. Eigentlich hätte der Zug um 11.20 Uhr dort sein sollen. Wenige Minuten später hält der Triebwagen in Dettingen-Gsaidt, wo bereits der nach Tübingen wartet. Ein paar Fahrgäste steigen ein und aus, dann fahren die beiden Züge surrend weiter.
Später erklärt Andrea Müller, die Pressesprecherin des Zweckverbands Regional-Stadtbahn Neckar-Alb, die Gründe für die langsame Fahrt in Richtung Bad Urach mit den kurzen Stopps: »Es gibt Störungen an den Bahnübergängen Wielandstraße, Hofbühlstraße und Kelternstraße. Die haben damit zu tun, dass die Strecke zwei Wochen außer Betrieb war.« Das sei nicht so ungewöhnlich. Beim Testbetrieb seien die Störungen nicht aufgetreten und müssten nun schnell behoben werden. »Durch die kurzen Stopps kommt es zu geringfügigen Verzögerungen, die sich auf das Kreuzungsmuster aber nicht auswirken, weil sie wieder rausgefahren werden.« Wenn die Züge stoppten, sichere der Triebfahrzeugführer die Strecke und schaue, dass niemand auf der Strecke sei. Sei alles in Ordnung, könne er weiterfahren. Eines ist Müller aber wichtig: »Die beiden Stellwerke in Dettingen und Metzingen funktionieren einwandfrei.«
Potenzieller Fahrgast kehrt um
Um 11.59 Uhr soll der nächste Zug von Gsaidt nach Bad Urach fahren. Doch es dauert länger. Ein Mann möchte eigentlich spazieren gehen, aber die Schranke in Richtung der Felder ist bereits unten. »Ich komme aus Reutlingen und fahre mit dem Auto zur Arbeit. Eigentlich fahre ich gerne mit dem Zug, muss aber pünktlich bei der Arbeit sein.« Nun wolle er mal schauen, ob die Züge auch pünktlich fahren. Der nach Bad Urach hat jedenfalls 14 Minuten Verspätung. Der Mann kehrt um und geht wieder zurück zum Arbeitsplatz.
Kurz vor der Endstation Bad Urach hält der Zug auf offener Strecke auf der Höhe eines Baumarkts. Warum, ist unklar. Mit 17 Minuten Verspätung ist der Triebwagen angekommen. Im Vergleich zur Rückfahrt ist das wenig. Dabei beginnt die Fahrt in Bad Urach um 12.28 Uhr mit nur sieben Minuten Verspätung. Das Problem ist ein 15 Minuten zu später Zug aus Richtung Metzingen, wie der Triebfahrzeugführer sagt. Darum hält er sehr lange im Kreuzungsbahnhof Gsaidt. Als um 12.48 Uhr der Zug nach Bad Urach abgefahren ist, geht es noch nicht weiter. Warum, wisse er nicht. Das Signal sei immer noch rot. Kurze Zeit später kommt der Grund angefahren. Ein weiterer Gegenzug. Nun hat die Bahn nach Metzingen ab Gsaidt mehr als eine halbe Stunde Verspätung.
Stellwerke funktionieren
Pressesprecherin Müller sagt, dass die DB Regio einen Zug mehr auf die Ermstalbahn geschickt hatte. Warum, sei unklar. Auch wenn die DB App Navigator immer wieder Verzögerungen auf der Neckar-Alb-Bahn gemeldet hat, habe der Halbstundentakt gut begonnen. »Wir sind sehr zufrieden. Die Stellwerke funktionieren einwandfrei. Leider hat die Signalstörung zwischen Tübingen und Reutlingen einen Schatten auf den Beginn des Halbstundentakts geworfen«, sagt Harald Fechter am Montag, der Geschäftsführer der RSBNA SI GmbH.
Im Zug fragen sich die Fahrgäste, wie sie weiter nach Reutlingen und Tübingen kommen. Schließlich steht im Zielanzeiger im 39 Minuten zu spät angekommenen Zug in Metzingen Bad Urach statt Tübingen. Doch das ändert der Triebfahrzeugführer noch. Dann fährt er weiter. (GEA)

