METZINGEN. »Wie kommen die europäischen Gesetze bei den Bürgern hierzulande an?« Dieser Frage ging der gebürtige Feuerbacher Europaabgeordnete der Grünen, Michael Bloss, in Metzingen und Riederich nach. Gemeinsam mit der Grünen-Landtagsabgeordneten Cindy Holmberg führte er Gespräche mit Vertretern der Bürgerenergiegenossenschaft Eena (Erneuerbare Energien Neckar-Alb) und dem Unternehmer Uli Ruoff, Spezialist für Fotovoltaikanlagen, Wärmepumpen und Wallboxen. »Wir wollen die Energiewende nicht den großen Playern überlassen«, betonte Vorstandsmitglied Martin Schöfthaler im Gespräch mit Bloss. Schöfthaler ist überzeugt, dass die 100-prozentige Nutzung erneuerbarer Energien für die Region Neckar-Alb bis zum Zielkorridor 2030 zu schaffen ist.
25 PV-Dach-Anlagen in Betrieb
Die 2012 gegründete Genossenschaft will die Bürger auf dem Weg dahin mitnehmen. Ein Blick auf die inzwischen 1.044 Mitglieder starke Bürgerenergiegenossenschaft ist durchaus beeindruckend: 100 Euro beträgt der Mindestbetrag der zu zeichnenden Anteile: 2,3 Millionen Euro betragen die Mitgliedereinlagen und 3,2 Millionen Euro die Gesamtinvestitionen. »Die gesamte Arbeit erfolgt ehrenamtlich, die Rendite für die Anteilseigner beträgt zwischen zwei und drei Prozent«, sagt Schöfthaler.
Mittlerweile hat laut Schöfthaler die Eena 25 PV-Dach-Anlagen in Betrieb; weitere sind in Planung. Sie produzieren rund drei Megawatt-Peak-Leistung und erzeugen knapp drei Gigawattstunden Strom pro Jahr. Darunter seien 14 PV-Anlagen auf kommunalen Gebäuden, fünf PV-Anlagen auf Mehrfamilienhäusern (WEGs) zwei PV-Anlagen auf gemeinnützigen Einrichtungen und vier PV-Anlagen auf privaten und gewerblichen Gebäuden.
Daneben ist die Eena an größeren Anlagen beteiligt wie etwa dem Solarpark Engstingen-Haid oder dem im Bau befindliche Windpark Länge.
An Letzterem, so Schöfthaler an Bloss gewandt, zeige sich auch, mit welchen Schwierigkeiten solche Projekte zu kämpfen hätten. Oft komme es zu Verzögerungen durch juristische Einsprüche oder Genehmigungsverfahren dauerten zu lange. Weitere Hürden, mit denen die Genossenschaft zu kämpfen habe, seien die langen Realisierungszeiträume bei Windparkanlagen, die Unwirtschaftlichkeit bei großen Dächern mit geringem Stromverbrauch oder das »Energy Sharing«, ein lokales und partizipatives Energiekonzept.
Trotz all dieser Schwierigkeiten ist die Eena überzeugt, ein Modell zu haben, das für Bürger maßgeschneidert ist, sich zu beteiligen und ihren Beitrag zur regionalen Energiewende zu leisten.
In etwas größeren Dimensionen bewegt sich die Firma Ruoff Energietechnik in Riederich. Geschäftsführer Uli Ruoff bezeichnete »Energie als Hebel für die menschliche Arbeitskraft. Das ist bis heute so. Energie muss stets verfügbar und erneuerbar sein. Der rationale Weg geht über Strom, ob zum Heizen, im Haushalt oder bei der Mobilität.«
»Wir haben den Kipppunkt erreicht, wo Solarenergie günstiger ist, als herkömmliche«, sagt Ruoff. In über 30 Jahren hat sich das Riedericher Unternehmen kontinuierlich entwickelt und beschäftigt mittlerweile hundert Mitarbeiter.
Zu viel Bürokratie
Sein Vorwurf an die Politik richtet sich gegen das Auf und Ab in diesen drei Jahrzehnten, zu viel Bürokratie und jüngst über kurzfristige politische Entscheidungen, sei es in Sachen Wärmepumpen oder Fördertöpfe für E-Autos, die schon nach wenigen Minuten geleert seien. »Dies verunsichert den Verbraucher.« Vorschriften und Verbote schaden seiner Meinung nach mehr als sie helfen, da sich der Endkunde genötigt fühle und automatisch eine schlechte Einstellung zu regenerativen Energiesystemen bekomme.
Um für die Zukunft gerüstet zu sein, hat Ruoff sich im vergangenen Jahr mit dem Energie-Startup »1Komma5°« in Hamburg zusammengeschlossen. Dies ermögliche eine Erweiterung der Produktpalette wie den innovativen Energiemanager Heartbeat, mit dem eine Lösung zur Steuerung der Energie im Haus angeboten werden könne, und gemeinsam mit dem Dynamic Pulse, einem dynamischen Stromtarif, Stromkosten auf ein Minimum gesenkt werden können. (ber)

