PLIEZHAUSEN. Ein »volles Haus« konnten die Experimentalarchäologen und Geschichtsvermittler der VEX.LEG.VII.AVG. am vergangenen Sonntag verzeichnen. Rund 70 Besucher lauschten den Ausführungen von Alexander Zimmermann. Er erzählte und zeigte Beispiele zu dem Thema »Gentemque Togatam – Volk in der Toga!?«. Für Zimmermann den Mitbegründer der Interessensgemeinschaft VEX.LEG.VII.AVG. steht die museumspädagogische Arbeit im Zentrum seiner Arbeit. Ist der Schmied doch seit der Kindheit ein Römer-Enthusiast.
Gefragter Geschichtsexperte
Inzwischen ist Zimmermann in vielen Fernsehproduktionen und Computeranimationen mit von der Partie. »Viele Fernsehdokumentationen sind einfach nur schlecht recherchiert«, erklärt er und so schritt er nach umfangreichen Recherchen mit seinen Freunden selbst zur Tat und stellte Rüstungen, Kleidungsstücke, Waffen und vieles mehr einfach selbst her. Inzwischen wurde die Gemeinschaft bereits mehrfach für ihre Rekonstruktionen und Darstellungen ausgezeichnet, unter anderem auch mit dem Archäologiepreis des Landes Baden-Württemberg.
Die Besucher konnten sich anhand praktisch dargestellter und gezeigter Kleidungsstücke einen Eindruck über die tatsächlich getragenen Kleidungsstücke der Römer bei der achten Legion machen. Um ihre archäologische Begeisterung zu teilen, veranstaltet die Gruppe immer wieder Aktionstage. Die Besucher hatten die Möglichkeit bei Kaffee und Kuchen ganz lebendig an dem Leben der Römer der achten Legion teilzuhaben. Alexander Zimmermann und seine Mitstreiter verfügen über ein schier unerschöpfliches Wissen. Dabei erklären sie nicht nur, sondern zeigen auch alles, Geschichte in Farbe und zum Anfassen. Auch weil die Begeisterung aller Beteiligten für die meisten Besucher irgendwie ansteckend wirkte.
»Praktische Archäologie macht viel mehr Spaß. Man sieht nicht nur Bilder, sondern quasi hautnah, wie alles ausgesehen hat«, freut sich eine begeisterte Frau an diesem Sonntag.
So stand eben die Kleidung im Mittelpunkt. Eine zentrale Frage stand dabei im Raum: Trugen alle Römer eine Toga? Wer sich die Römer in »Nachthemd und Sandalen« vorgestellt hat, erlebte eine Überraschung. Der Aktionstag offenbarte, dass die Römer eine große Vielfalt an Kleidungsstücken kannten und nutzten. Die Kleidung war den verschiedenen Lebensbereichen angepasst. Außerdem durften manche Kleidungsstücke nicht von jedem getragen werden, offenbarten sie doch einen gewissen gesellschaftlichen Rang und Wohlstand, wie zum Beispiel die unterschiedlichen Ausführungen und Farben der Toga. So gab es eine spezielle Toga für Opferzeremonien oder offizielle Anlässe. Aber auch im Alltag trugen die Römer in der Zeit um 70 nach Christus auch hier in der Region viele verschiedene Kleidungsstücke.
Die Kunst des Faltenlegens
Zimmermann stellte Mantelvariationen vor, die natürlich immer der jeweiligen Lebenssituation angepasst waren. Die Tunika, das Alltagsgewand für jedermann, konnte in verschiedenen Längen getragen werden, ein Gürtel und die sich daraus ergebende Raffung machte den Unterschied. Wie aufwendig es war eine mehrere Meter lange Toga anzuziehen und die Falten richtig zu legen, konnte man direkt vor Ort bestaunen. »Es gab den Beruf des Faltenlegers, manchmal dauerte es stundenlang, bis der Träger zufrieden war«, erklärte Zimmermann die Prozedur, während seine Frau Monika Zimmermann zur Tat schritt. Da die Begeisterung für das Leben der Römer offensichtlich in der Familie liegt, traten Johanna Rampp, die Tochter der Zimmermanns, und ihr Mann Manuel Rampp als Hochzeitspaar auf, ein weiteres Highlight.
Ein Schuhmacher, der vor Ort erklärte und zeigte, wie das Schuhwerk der Römer aufgebaut war, rundete den spannenden Tag ab. (tala)

