GRAFENBERG. Wie in vielen Gemeinden auch gibt es auch in Grafenberg ehrenamtliche »Helfer vor Ort« des Deutschen Roten Kreuzes. Sie werden im Notfall über die Rettungsleitstelle zur Einsatzstelle geschickt, um erste Maßnahmen einzuleiten, bis der Notarzt eintrifft.
Grafenberg war eine der ersten Ge-meinden, in denen sich vor mehr als 25 Jahren eine Gruppe eigenständig gebildet hat. Die Besonderheit ist, dass sie zwar mit dem DRK-Kreisverband Reutlingen kooperiert, aber unabhängig von einer DRK-Ortsgruppe ist. Das ist bedingt durch die Landkreisgrenze, denn sonst wären die DRK-Bereitschaften Großbettlingen-Grafenberg oder Metzingen zuständig. Damit Überschneidungen vermieden werden, sind die Grafenberger HVOs keiner DRK-Bereitschaft, sondern direkt bei der Gemeinde angegliedert.
Wertvolle Hilfe in jeder Hinsicht
Initiator war Rettungssanitäter Günter Wollwinder. »Als ich 1999 nach Grafenberg umgezogen bin, hat mich der Rettungsdienstleiter gefragt, ob ich das Helfer-vor-Ort-System dort installieren und betreiben könnte«, erzählt er von den Anfängen des Teams. Der damalige Bürgermeister Holger Dembek staunte bei einem Einsatz, warum er so schnell zur Einsatzstelle kommen konnte, ließ sich das HvO-System erklären und unterstützte das sofort. Waren es 2000 zunächst »nur« zehn Einsätze, erhöhte sich die Zahl im Folgejahr schon auf 25 und liegt jetzt bei durchschnittlich 100 Einsätzen jährlich.
Das war nur möglich, weil 2002 Marco Hellmig dazu kam und das Team inzwischen aus sechs Personen besteht. Seit zwei Jahren ist mit Christin-Marie Euchner auch eine Frau dabei. Sie hat wie alle Teammitglieder, also auch Julian Haug und Kay Schellig, eine Ausbildung als Rettungssanitäterin. Mit Clemens Reiser gehört sogar der Grafenberger Hausarzt während seiner Praxiszeiten zum ehrenamtlichen HvO-Team. Da er in einem Nachbarort wohnt, wäre er sonst nicht schnell genug am Einsatzort.
Die Helfer vor Ort sind nicht nur für die Patienten eine große Hilfe, sondern auch für die Angehörigen, auf die sie sehr beruhigend wirken können. »Ich war fast panisch vor Angst um meine Eltern, aber die Anwesenheit der HvOs hat sehr gut getan«: So und ähnlich ist von den Angehörigen oft zu hören. Sie sprechen von »wertvoller Hilfe für die Seele« und Vertrauen, denn es sind »Menschen aus dem Ort, keine Fremden, und sie kennen sich aus«.
Was man für die HvOs tun kann
Trotz der Ortskenntnisse haben die HvOs die Bitte, dass jeder eine jederzeit gut sichtbare Hausnummer anbringen und immer darauf achten möge, in engen Straßen so zu parken, dass ein Rettungsfahrzeug durchkommen kann.
»Speziell jetzt in Grafenberg muss aktuell durch die ganzen Baustellen im Ort darauf geachtet werden, wer wo wie parkt, denn sonst ist es schwierig in der Nähe des Einsatzortes zu parken, und der Rettungsdienst hat dadurch Probleme mit der Trage den Patienten in den Rettungstransportwagen zu bringen.«
Und die Helfer vor Ort haben die dringende Bitte bei Einsätzen auf offener Straße: »Mit Abstand vorbei zu gehen oder zu fahren beziehungsweise einen Umweg zu wählen, ohne uns zu filmen oder zuzuschauen.« (mar)

