RIEDERICH/BAD URACH. Die Mitglieder der »Blaskapelle Riederich«, so der offizielle Name der Stammkapelle vom Musikverein Riederich und der gemeinsamen Jugendkapelle mit Mittelstadt, vertauschten ihre Instrumente mit Serviertabletts, um die Gäste in der voll besetzten Gutenberghalle zu bewirten. Anlass war die Feier eines Doppelgeburtstags: 75 Jahre Musikverein Riederich und 40 Jahre Föhrenberger Blasmusik.
Weitere Vereinsmitglieder, Familienangehörige, Freunde, Verwandte und Bekannte halfen tatkräftig mit, die Gäste zu bewirten. Die musikalische Gestaltung des Jubiläumsabends übernahm weitgehend die »Föhrenberger Blasmusik« mit zwei Auftritten. Dazwischen spielte die »Berghammer Tanzlmusi«.
Auf lange Reden wurde verzichtet, sodass die Blasmusik die Hauptrolle spielte. In Gesprächen tauschten die Zuhörer Erinnerungen aus, zum Beispiel an eine Hockete mit dem Bempflinger Musikverein vor mehr als 75 Jahren, als die Ehefrau des späteren Bürgermeisters Alfred Barner die Frage stellte, warum denn Riederich keinen Musikverein habe. Daraufhin starteten Gründungsmitglieder einen Aufruf, mit dem Erfolg, dass es den Musikverein nun seit 1950 gibt.
Viele fleißige Helfer
Von den 75 Jahren des Bestehens dirigiert Walter Klaus, seit seinem achten Lebensjahr Mitglied im Verein, seit mehr als 45 Jahren das musikalische Geschehen. Er gründete 1983 auch die gemeinsame Jugendkapelle mit Grafenberg, wo er die Grafenberger Musikanten ebenfalls fast 40 Jahre lang dirigierte. Die »Juka« kooperiert inzwischen mit Mittelstadt und stellte ebenfalls viele fleißige Helfer für den Festabend.
Walter Klaus hatte übrigens Metzingens Stadtmusikdirektor Bruno Seitz dessen erste Dirigentenstelle in Raidwangen vermittelt und ist selbst auf ungewöhnliche Weise Dirigent geworden. Sein Vorgänger, Peter Fihn, der die Riedericher Blaskapelle 25 Jahre leitete, sagte eines Tages zu ihm: »Ich höre auf, du übernimmst.«
Auch Bernd Leuze aus Gomadingen konnte als Gründungsmitglied der »Föhrenberger Blasmusik« viel erzählen, so zum Beispiel, dass das erste Konzert am selben Tag, dem 9. November, vor 40 Jahren in der Auinger Festhalle stattfand, weil neun Musiker aus Rietheim beschlossen, die Föhrenberger Blasmusik zu gründen. Die besteht inzwischen aus 20 begeisterten Vollblutmusikern von der Schwäbischen Alb und Umgebung, die sich zusammenfanden, um die Tradition der Blasmusik fortzusetzen, insbesondere der legendären böhmischen Blasmusik. »Unser Ziel ist es, diese Tradition der gepflegten und sauberen Blasmusik weiterzuführen und unser Gefühl an Sie, als unsere Gäste, weiterzugeben. Moderne Rhythmen und erstklassige Solisten runden dabei unser abwechslungsreiches Programm ab«, so die aktuellen Musiker zu ihrer Zielsetzung. Sie spielten sich unter Leitung von Toni Hinderer wieder einmal in die Herzen der Zuschauer, die mit Beifall nicht sparten.
Musiker in mehreren Vereinen
»Für jeden Musiker ist es das Größte, das Publikum in einem voll besetzten Festzelt mit der eigenen Begeisterung für die Musik mitzureißen. Dieses gegenseitige Geben und Nehmen zwischen Publikum und Musikanten macht jeden Auftritt zu einem besonderen Erlebnis«, so die Musiker. Das ist ihnen in der Gutenberghalle genauso gelungen wie normalerweise im Festzelt.
Steffen Mutsch vom Vorstand des Riedericher Musikvereins spielt ebenfalls auch bei den Föhrenbergern mit und beeindruckte an diesem Abend insbesondere beim Bariton-Duett mit Rolf Schmid. Es ist üblich, dass manche Musiker in mehreren Vereinen spielen beziehungsweise sich gegenseitig aushelfen und insgesamt untereinander wie eine große Familie sind. »Ein wunderschöner, unterhaltsamer Abend mit toller Blasmusik«, so ein Lob von Rainer Mayer vom Grafenberger Musikverein. (GEA)

