BAD URACH. Die Zukunft der Blasmusik war im Dorfgemeinschaftshaus Sirchingen hör- und erlebbar beim ersten gemeinsamen Konzert junger Blasmusikanten aus elf Vereinen, die alles selbst bestens organisiert hatten und eine Einheit bildeten. Wie fast überall, bilden auch auf der Alb mehrere Vereine zusammen eine Jugendkapelle, deren Mitglieder dann nach und nach in die Stammkapelle ihrer Vereine hineinwachsen. Doch dabei gibt es auf der Alb eine Besonderheit: Würtingen, Upfingen und Rietheim bilden die Jugendkapelle »Three Harmonies« und an »Around the Sound« beteiligen sich Mettingen, Inneringen, Kettenacker, Veringendorf, Gammertingen, Feldhausen und Harthausen. Beide Jugendkapellen dirigiert Dietmar Pelz, der das von den Jugendlichen gewünschte Projekt eines gemeinsamen Konzertes gerne unterstützte, wobei die jungen Musiker sozusagen die Regie führten.
Selbst in die Hand genommen
Sie planten alles selbst, angefangen von der Musikauswahl, bei der Pelz nur beratenden Einfluss hatte im Hinblick darauf, ob die vorgeschlagenen Stücke zur Besetzung des Gemeinschaftsorchesters passten. Ansonsten nahmen die jungen Musiker alles selbst in die Hand, suchten nach dem am besten geeigneten Veranstaltungsort kümmerten sich um alle Einzelheiten von Getränke- und Brezel- beziehungsweise Brötchenbestellung bis zum Auf- und Abbau. Im Konzert überzeugten sie sowohl mit großem musikalischen Können als auch mit einem Moderationsstil, der erfrischend anders war als die sonst üblichen Ansagen in Konzerten.
»Wir laden sie ein zu einem Streifzug durch eine virtuelle Stadt, der Musikantenstadt«, so Sarah Isler in informativer, lockerer Dialogmoderation mit Jannik Goller, der die Texte dazu schrieb. »Heute, wird’s laut, fetzig und ziemlich abenteuerlich. Die Trompeten rufen, Fanfaren hallen durch die Straßen – also, falls jemand schlafen wollte: Jetzt ist’s vorbei«, sagte sie nach »Fanfare und Flourishes« von James Curnow als ersten Wegweiser durch die virtuelle Musikantenstadt an.
»Als Erstes betreten wird das Polkaviertel«, so Jannik Goller zur Einteilung in Stadtviertel von Polka- über Musical- bis Barockviertel. In Letzterem erklang mit der neuen Interpretation des Klassikers »Toccata« von Johann Sebastian Bach symbolisch auf »Zukunftsmusik«, denn so wie in der instrumentalen Besetzung aus dem Kontrabass zu Barockzeiten die Tuba und aus der Violine das Flügelhorn wurde, könnten auch künftig »alte« Stücke angepasst werden.
Anspruchsvolles Programm
Im »Drachenviertel« erklärten die beiden zu »How to train your Dragon« von John Powell im Arrangement von Jonnie Vinson, dass die Noten hüpfen »und die Drachen anspornen, noch höher zu steigen«, so Sarah, »aber hinter all dem Spiel und dem Wind auch eine Geschichte von Mut, Freundschaft und Vertrauen liegt. Von einem Jungen, der lernte, dass Stärke nicht im Kampf liegt, sondern im Verstehen«. Sarah ergänzte: »Und von einem Drachen. Der einst gefürchtet wurde, bis jemand den Mut hatte, ihm in die Augen zu sehen. Aus Gegnern wurden Gefährten, aus Angst wurde Vertrauen, und aus zwei Einsamen wurde ein unschlagbares Team.« Die Musik zeige, dass jeder Flug, jeder Ton ein Schritt hin zu Hoffnung und Frieden sei, »wenn man zuhört«. Das Publikum im voll besetzten Saal des Dorfgemeinschaftshauses ließ am Beifall erkennen, dass die Jugendkapellen eine großartige Leistung mit dem anspruchsvollen Programm erbracht hatten. (eg)

