WANNWEIL. Thomas Jäger mag Anzüge mit Westen. In der Öffentlichkeit ist er selten ohne zu sehen. Auch auf seinen Bewerberfotos ist er stets mit Anzug, Weste und Krawatte – und eben mit Weste zu sehen. Vielleicht hat das auch mit seinem Beruf zu tun. Denn der 51-Jährige ist Immobilienmakler mit eigenem Büro in Wannweils Nachbarort Mähringen: »Ich bin auch gleichzeitig EDV-Dienstleister«, betont er.
Dass er sich eben in der Computersparte nach eigenem Bekunden gut auskenne, führt ihn auch zu einem Anliegen, dass ihm mit Blick auf das Wannweiler Rathaus am Herzen zu liegen scheint: »Ich möchte, dass der Dienstleistungsgedanke in der Verwaltung mehr ausgebaut wird. Dazu gehört auch ein anderer digitaler Auftritt der Gemeinde«, ist sich Jäger sicher. Das beginne schon mit dem Internetauftritt von Wannweil. Der müsse dringend aktualisiert und modernisiert werden. Zudem könne er noch benutzerfreundlicher gestaltet werden. Rathausdienstleistungen müssten auch online möglich werden, meint Jäger.
»Eine flexible Ganztagesbetreuung wäre wünschenswert«
Wannweil liege ihm auch deshalb am Herzen, weil er in der Gemeinde aufgewachsen und unter anderem zur Schule gegangen sei. Seine Mutter habe im Rathaus und der Uhlandschule gearbeitet und sein Elternhaus befinde sich im Ort. Sein Zweitwohnsitz sei in Wannweil, und wenn er Bürgermeister werden sollte, habe er damit auch gleichzeitig einen Wohnsitz.
Seine Bewerbung habe er auch deshalb erst zwei Tage vor dem offiziellen Bewerbungsschluss bei der Gemeinde eingereicht, weil seine Kandidatur keine leichte Entscheidung gewesen sei: »Da muss auch die Familie mitziehen, sonst machst du so etwas nicht«, erklärt Jäger. Seine Frau und seine vierjährige Tochter wolle er aber aus dem Wahlkampf heraushalten. Das führt ihn aber im Gespräch mit dem GEA zur Kleinkinderbetreuung in Wannweil: »Die ist super, kann aber noch verbessert werden. Bei den Betreuungsmodellen muss die Gemeinde auch an berufstätige Eltern oder Schichtarbeiter denken.Eine flexible Ganztagesbetreuung wäre deshalb wünschenswert«, so Jäger.
Zu den wichtigsten Themen in Wannweil gehört für Thomas Jäger der Wohnungsbau: »Das ist eine der aktuell größten Herausforderungen überhaupt. Und das nicht nur in Wannweil, sondern überall«, gibt er zu bedenken.
Der Immobilienmakler fügt gleich hinzu, die Gemeinde könne eigene Immobilienprojekte finanziell nicht stemmen. Deshalb bleibe ihr nichts anderes übrig, als mit Investoren zusammenzuarbeiten. Um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, müsse langfristig geplant werden – über einen Zeitraum von 20 bis 50 Jahren. Neubauten müssten im Ort auch optisch gut integriert werden und nachhaltig gebaut sein. Mit Blick auf die Auseinandersetzung um den Sozialbaukomplex im Unteren Haldenweg und den Bürgerentscheid im Juni sieht Jäger die Dorfgemeinschaft aber nicht als gespalten an. Die Bürgerinitiative, die sich gegen den Neubau gewandt und ihn schließlich in der geplanten Form verhindert hätte, habe sich in einem falschen Licht wiedergefunden.
»Wannweil hat zu wenig Gewerbesteuereinnahmen. Da ist noch mehr drin«
Für Wannweil sei der Ausbau von Gewerbe und Handel wichtig, weil sie eine finanzschwache Gemeinde sei: »Wannweil hat einfach zu wenig Gewerbesteuereinnahmen. Da ist bestimmt noch Potenzial drin«, ist Thomas Jäger überzeugt.
Es müsse auch dagegen gesteuert werden, dass sich Wannweil zu einem reinen Wohn- und Schlafdorf entwickele, in dem die Bewohner zu einem großen Teil zu den Berufspendlern gehörten. Die alte Spinnerei sei ein überaus wichtiger Bestandteil der Geschichte des Ortes.
Die bisherige Nutzung sei ganz gut und auch wichtig für Wannweil, da steckten aber noch mehr Entwicklungsmöglichkeiten drin. Thomas Jäger kann sich auch ein Industriemuseum in den Gebäuden des alten Industriebetriebes vorstellen. (GEA)
DER KANDIDAT
Thomas Jäger

