PLIEZHAUSEN. Das Angebot der Volkshochschule Tübingen (VHS) in der Außenstelle Pliezhausen hat einen Schwerpunkt auf Gesundheits- und Sportkursen. Das sind in diesem Semester beispielsweise »Fit und mobil 65 plus«, »Aquafitness für Frauen« und »Wirbelsäulengymnastik«. Und doch gibt es vereinzelt andere Angebote, wie »Das Zeichnen von Pflanzen für Anfänger« und »Aquarellmalerei für Fortgeschrittene«. Der Blick in das Programm zeigt aber, dass andere - früher typische VHS-Angebote fehlen, wie Sprachkurse.
Nun hat der Gemeinderat Pliezhausen beschlossen, dass die Gemeinde nicht mehr Außenstelle der VHS Tübingen sein soll und die Gemeinde den Vertrag zum 31. Dezember 2026 kündigt. Allerdings gingen die Meinungen der Kommunalpolitiker zu dieser Entscheidung auseinander. Von den 22 Räten stimmten 14 für die Kündigung des Vertrags und sieben dagegen bei einer Enthaltung.
Sport statt Aquarellmalerei
Pliezhausens Bürgermeister Christof Dold nannte die VHS ein Erfolgsmodell und betonte: »Das ist keine Entscheidung gegen die VHS, sondern eine Entscheidung für die ASP.« Dahinter verbirgt sich die Arbeitsgemeinschaft Sport in Pliezhausen (ASP), die auch Gesundheits- und Sportkurse anbietet und dies künftig verstärkt tun soll - idealerweise die bisherigen der VHS zu den gleichen Zeiten, schlug Dold vor. Andere Kurse wie Aquarellmalerei wird es dann von der VHS nicht mehr im Ort geben. »Wir möchten unsere ASP und unsere Vereine unterstützen.« Dieser Zusammenschluss von acht lokalen Sportvereinen mit mehr als 20 Sportarten besteht seit 2002 und übernimmt für die Gemeinde die Hallenbelegung.
Im Sitzungspapier steht, dass die ASP seit 2023 autark ist und keine Zuschüsse mehr von der Gemeinde braucht. Mehr noch: Die ASP ermögliche es, "Rücklagen zu bilden, zu investieren und in Form von Projektförderungen Rückflüsse in die Mitgliedsvereine zu generieren, die wiederum die Gemeinde entlasten, heißt es. Überschüsse der VHS-Kurse kämen nicht der Gemeinde zugute. Ab Jahr 1991 habe die Gemeinde Verluste der Außenstelle bis zu 8.000 DM, später bis 4.900 Euro übernehmen müssen.
Im Netz surfen statt Kurse besuchen
Andrea Kettnaker blickte in der Sitzung auf die seit 1971 bestehende Kooperation der Gemeinde Pliezhausen mit der VHS Tübingen zurück. Anfangs habe es Angebote wie Stenoschreiben, Computer- und Englischkurse gegeben. »Mittlerweile funktioniert die Informationsbeschaffung anders. Das hat sich auch auf das VHS-Programm niedergeschlagen.«
Die CDU-Rätin und Ortsvorsteherin von Rübgarten, Brigitte Rapp, bedauerte, dass Pliezhausen die Verbindung zur VHS Tübingen kappt. »Wenn es doch einen großen Bedarf an VHS-Kursen gäbe, wäre die VHS in Reutlingen Ansprechpartnerin, die wir über die Kreisumlage mitfinanzieren.« Birgit Schoblocher (SPD) sagte: »Ich tue mich mit der Entscheidung sehr schwer. Die ASP würde nur das Thema Sport übernehmen. Ich fände es gut, wenn wir die VHS im kulturellen Bereich beleben könnten.« Beate Saile-Sulz (FWV) sah Doppelbelegungen durch ASP- und VHS-Kurse zu einem Angebot kritisch. »Die Kapazitäten haben wir nicht.« Wenige Angebote wären besser. Wer etwas anderes nutzen möchte, könne fahren. »Wir müssen sparen. Ich stimme schweren Herzens für die Vertragskündigung, es ist die richtige Entscheidung.«
VHS ohne Sport?
Martin Schreiber (KLUB) sah den Ausstieg differenziert. »Ich finde es okay, wenn wir uns vom VHS-Sportbereich verabschieden. Wir sollten uns aber nicht die Butter vom Brot nehmen lassen«, sagte er und ergänzte: »Wir leben in einer alternden Gesellschaft, in der es ein unheimliches Interesse vieler Bürger an Themen wie der Patientenverfügung und Testamenten gibt. Ist versucht worden, neue Themen anzubieten?« Dold sagte, dass andere Inhalte als Sportkurse nicht nachgefragt würden. »Die VHS ohne Sport wäre kein Geschäftsmodell«, stellte er klar und warb dafür, den Vertrag mit dieser zu kündigen. (GEA)

