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Aktuell Straßennamen

Der kuriose Fall der Karl-Frey-Straße in Metzingen

Einwohner konnten entsprechende Vorschläge und Änderungswünsche bei der Umbenennung machen. Was dabei herausgekommen ist und bis heute für Diskussionen sorgt.

1975 wurde die Uracher Straße in Metzingen in Pfleghofstraße umbenannt. Dort ansässige Geschäftsleute betrachteten den neuen Nam
1975 wurde die Uracher Straße in Metzingen in Pfleghofstraße umbenannt. Dort ansässige Geschäftsleute betrachteten den neuen Namen als diskriminierend. Foto: Stadt Metzingen
1975 wurde die Uracher Straße in Metzingen in Pfleghofstraße umbenannt. Dort ansässige Geschäftsleute betrachteten den neuen Namen als diskriminierend.
Foto: Stadt Metzingen

METZINGEN. Am 1. April 1971 wurde die Gemeinde Neuhausen an der Erms ein Teil der Stadt Metzingen. Dies führte dazu, dass im Stadtgebiet eine ganze Reihe von Straßennamen doppelt vorhanden waren, was vor allem bei der Zustellung von Post für Verwirrung sorgte.

Dementsprechend drang das Postamt Metzingen auf eine baldige Änderung dieses Zustandes, während die Stadt Metzingen zunächst abwarten wollte, ob es zu weiteren Eingemeindungen käme, um dann die Angelegenheit in einem Schritt zu bereinigen. Im Herbst 1972 befasste sich der Ortschaftsrat Neuhausen mit der Umbenennung gleichlautender Straßennamen, wobei auch die Einwohner entsprechende Vorschläge und Änderungswünsche machen konnten.

Gemeint war Karl May

Der Ortschaftsrat legte vor allem Wert darauf, dass die Kelternstraße und die Glemser Straße erhalten blieben, war jedoch bei 18 anderen, meist nach bekannten Personen benannten Straßennamen zu einer Umbenennung bereit. So sollte die Beethovenstraße in Pestalozzistraße, die Hindenburgstraße in Bismarckstraße, die Hölderlinstraße in Eichendorffstraße und die Silcherstraße in Kantstraße umbenannt werden.

Ein kurioser Fall ergab sich bei der Karlstraße, die nach einem Vorschlag in Karl-Frey-Straße umbenannt werden sollte. Der Ortschaftsrat sah sich zunächst allerdings nicht in der Lage, hierzu eine Aussage zu machen, da ihm der Name gänzlich unbekannt war. Erst als zweiter Beigeordneter Friedrich Geisler zur Sitzung hinzukam und erklärte, dass es sich um einen in Kaufbeuren geborenen Arzt handle, stimmte der Ortschaftsrat einstimmig zu. Gemeint war jedoch der Schriftsteller Karl May, nach dem die Straße später dann auch ihren neuen Namen erhielt. Obgleich der Ortschaftsrat Neuhausen bereits die Straßenumbenennungen beschlossen hatte, beschäftigte sich der Metzinger Gemeinderat sehr zum Leidwesen des Metzinger Postamts erst nach der Eingliederung von Glems mit den Umbenennungen von Straßen.

Der Glemser Gemeinderat hatte dies vor seiner Auflösung erledigt, indem er im Dezember 1974 beschloss, die Keltergasse in Grasbergstraße, die Jahnstraße in Tuchbleiche und den Öschweg in Zwerbachstraße umzubenennen. Nach der Eingliederung erfolgte lediglich bei der Grasbergstraße noch eine Änderung. Da dieser Straßenname in Metzingen bereits vorhanden war, erhielt die Straße in Glems den Namen Eberbergstraße.

Im Juni 1975 kam das Thema in den Metzinger Gemeinderat, wobei vor allem in Neuhausen Straßen umbenannt wurden. Dabei fielen manche Vorschläge politischen Erwägungen zum Opfer. So sagte Gemeinderat Frieder Kleinknecht in der Sitzung, »dass eine Friedrich-Ebert-Straße in Neuhausen für Metzingen eine Schande wäre«. Dementsprechend wurde die Friedrichstraße in Neuhausen vom Gemeinderat gegen das Votum des Ortschaftsrats in Gerhart-Hauptmann-Straße umbenannt.

Die vom Ortschaftsrat Neuhausen beschlossene Umbenennung der dortigen Hindenburgstraße in Bismarckstraße wurde von der Verwaltung mit dem Hinweis abgelehnt, dass in Riederich bereits eine solche existiere. Bei einer Umbenennung müssten auch die Straßennamen der zum Verwaltungsraum gehörenden Gemeinden Riederich und Grafenberg berücksichtigt werden – sicherlich vor dem Hintergrund, dass damit gerechnet wurde, dass diese beiden Orte über kurz oder lang ebenfalls zur Stadt Metzingen hinzukommen würden.

Die Hindenburgstraße wurde stattdessen in Theodor-Heuss-Straße benannt. Bis heute gibt es in Metzingen weder eine Friedrich-Ebert-Straße noch eine Bismarckstraße. Eine Einigung zwischen Metzingen und Neuhausen in Sachen Neuwiesenstraße konnte erst in einer späteren Sitzung erzielt werden. Das Ergebnis war, dass die Metzinger Straße dieses Namens in Mühlwiesenstraße umbenannt wurde.

Abfällige Bemerkungen

Insgesamt wurden in Neuhausen 21 Straßen umbenannt, in Metzingen hingegen nur 14. Dafür waren in Metzingen einige längere Straßen betroffen. So wurden die Kirchstraße in Gustav-Werner-Straße, die Kelterstraße in Schreiberei und die Uracher Straße in Pfleghofstraße umbenannt. Die Anwohner der Pfleghofstraße waren über den neuen Namen allerdings keineswegs begeistert. Die Geschäftsleute betrachteten den Namen als Diskriminierung, da ihnen nicht klar war, dass die Benennung auf den stehenden Pfleghof des Klosters Zwiefalten Bezug nahm. »In ganz Metzingen werden seit der Neubenennung der Straße die Anwohner mit abfälligen Bemerkungen konfrontiert, die Geschäfte werden schon mit Pfleghofgeschäfte bezeichnet.« Vorgeschlagen wurde als Straßenname Untere Uracher Straße. Der Gemeinderat blieb bei dem getroffenen Beschluss. (GEA)