WALDDORF. Seit 2009 leitet Ulrike Schaal den Chor tiqua der evangelischen Kirchengemeinde Walddorf. Heute kann man mit Fug und Recht behaupten, dass es sich hierbei um eine Erfolgsgeschichte handelt: Die Konzerte des Chors (der Name tiqua ist vom hebräischen Wort für Hoffnung abgeleitet) in der Walddorfer Pfarrkirche erfreuen sich seit Jahren großer Beliebtheit – über Walddorf hinaus.
An Sängerinnen und Sängern mangelte über die Jahre hinweg nie. Aktuell setzt sich der Chor aus Menschen einer großen Altersspanne zusammen, vom Teenager bis zum Rentner. Das Programm besteht aus Stücken im Stil von Gospel und Modern Worship, gesungen in Deutsch und Englisch und mit der Hoffnung als Leitmotiv. Und die Begeisterung der Sängerinnen und Sänger überträgt sich. Auch weil die Solisten vor ihrem Part ihre Gedanken zum jeweiligen Stück aussprechen.
Lieder im Stil von Gospel und Modern Worship
Die Walddorfer Pfarrkirche ist eine sogenannte Querkirche: Der Altar und die Kanzel befinden sich in der Mitte der Südwand des Langhauses. Dort waren die über 100 Sängerinnen und Sänger platziert. Dirigentin Ulrike Schaal stand gegenüber, umrahmt von den begleitenden Musikern. Die Emporen, an der Ostseite zweistöckig, und das Schiff waren vollgepackt. Inklusive der Singenden und der Musiker dürften am Samstag um die 700 Menschen in der Kirche gewesen sein, schätzte Mesnerin Andrea Kübler. Das Konzert wurde auf Leinwänden gezeigt und auch ins Gemeindehaus übertragen.
Elf Probetage für elf Lieder reichten Ulrike Schaal, um ihrem Chor Präzision und Ausdruckskraft zu verschaffen. An diesem Wochenende waren 109 Sängerinnen und Sänger dabei. Sie wurden von der Band unterstützt: Matthias Mauthe (Klavier), Samuel Kicherer (Schlagzeug), Thomas Baisch (Bass), Simon Weller und Lenny Mauthe (beide Gitarre), sowie Ansgar Deichmann (Cello) und Annika Schlegel (Violine) untermalten den Gesang meist eher dezent.
Beeindruckendes Finale
Doch es gab auch Stücke, die den Musikern erlaubten, etwas aufzudrehen, etwa in dem als erste Zugabe wiederholten »Herr, ich steh vor Dir«, mit rockig-verzerrten Gitarren. Dazu kam Gesang, der gefühlt noch ein Muggaseggele mehr an Leidenschaft hervorbrachte als alle Lieder davor. »Das ist ein Genuss für uns«, fasste Ulrike Schaal fasste zusammen. Dieser genussvolle Auftritt übertrug sich auf die versammelte Zuhörerschaft. Die ein oder andere Stimme im Publikum sang mit.
Auch die zweite Zugabe war eine Wiederholung, aber eine mit Varianten: In »Goodness, Love and Mercy« trug Tamara Neuscheler den Psalm 23 (»Der Herr ist mein Hirte«) als einzelne Stimme vor. In der Zugabe sprach es der gesamte Chor zusammen. Das war genauso beeindruckend wie das Finale des Konzerts mit diesem Lied: Die Mitglieder des Chors verließen, noch immer singend, nacheinander die Kirche.
Spenden gingen zuletzt nach Syrien
Der Besuch des Konzerts war, wie immer, umsonst. Danach gingen aber reichlich Spenden ein. Ein konkretes Projekt, wohin das eingesammelte Geld gehen könnte, habe man dieses Jahr nicht, sagte Ulrike Schaal. Die Spenden aus dem vergangenen Jahr gingen an ein Gemeindezentrum im Nordosten Syriens. Dort hilft ein Walddorfer Gemeindemitglied seit zwei Jahren dabei, dass vor allem die Kinder dort nach dem Bürgerkrieg etwas Normalität zurückbekommen. Die letzten Spenden finanzierten eine kleine Bücherei.
Die Konzerte des Chors tiqua fanden seit Beginn an am Ewigkeitssonntag ab, wie der Totensonntag oft auch genannt wird. Um dem Wunsch Vieler gerecht zu werden, während eines tiqua-Konzerts in der Pfarrkirche Platz zu finden, wurde das Angebot ausgedehnt: Vor zwei Jahren wurde erstmals ein zweites Konzert, am Vorabend des Ewigkeitssonntags angeboten. In diesem Jahr tritt der Chor noch ein weiteres Mal, zum Gottesdienst am dritten Advent, in der Walddorfer Pfarrkirche auf. (GEA)

