RIEDERICH. Mit 67 Jahren ist für Gerd Bischoff noch lange nicht Schluss: Statt die Rente zu genießen, startete der Reutlinger beruflich noch einmal durch. Seit etwas mehr als 100 Tagen ist er Leiter des Amtes für Bauen und Planen in Riederich, die Stelle war 23 Monate unbesetzt. Herausforderungen hat der studierte Architekt nie gescheut, immer wieder wagte er in rund 40 Berufsjahren Veränderungen und schlug neue Richtungen ein. Und nun eben in Riederich: »Ich habe immer noch Lust zu arbeiten und dachte, ich mache einfach weiter«, gibt Gerd Bischoff zu.
Dabei war der Entschluss, noch zwei Jahre weiterzumachen, eher ein spontaner. Im GEA habe er Ende vergangenen Jahres einen Artikel über den Fachkräftemangel im Riedericher Rathaus gelesen und fühlte sich angesprochen: »Ich reagierte ganz schnell darauf und rief beim Bürgermeister an«, blickt Bischoff zurück und der habe sein Glück kaum glauben können, sprach von einem Lottogewinn. Dann sei’s Schlag auf Schlag gegangen: »Ich stelle mich persönlich vor, eine Woche nach meiner Handy-Bewerbung bewarb ich mich im Gemeinderat und es gab eine einstimmige Zustimmung.« Ganz unbekannt sei ihm die Arbeit in der Verwaltung nicht gewesen, erzählt der 67-Jährige: Davor habe er zwei Jahre zunächst als stellvertretender und dann als Bauamtsleiter auf dem Rathaus in Wolfschlugen gearbeitet. Der Zeitvertrag dort lief aus und Riederich lockte.
In Reutlingen geboren und aufgewachsen
»Ich fühle mich sauwohl und sehr gut angenommen«, bilanziert Gerd Bischoff, der seit 1. März komplett in Riederich arbeitet und während einer Übergangszeit in beiden Rathäusern wirkte. In Riederich müsse er sich mit einem sehr bunten Spektrum an Aufgaben befassen, zumal in den fast zwei Jahren ohne Bauamtsleiter vieles nicht abgearbeitet werden konnte. Was notwendig war und fristgerecht erledigt werden musste, hatte in der Vakanz Bürgermeister Pokrop übernommen – dem zollt er Respekt angesichts des Arbeitspensums: »Er musste Prioritäten setzen.«
Er freue sich, so Bischoff, dass er dazu beitragen könne, dass es mit den Bauthemen in der Gemeinde wieder weitergehe: Tiefbaumaßnahmen stünden ebenso an wie die Abarbeitung der Hagelschäden, die Themen Ganztagsbetreuung und barrierefreie Haltestellen würden ebenso anstehen wie die Kindergärten. Und, so der neue Bauamtsleiter: »Das Thema Lehrschwimmbecken ist zwar zurückgestellt, aber noch nicht tot.« Nach wie vor befinde er sich mitten im Prozess, sich einen Überblick zu verschaffen: »Es taucht immer wieder etwas Neues auf«, gibt Bischoff zu. Auch die Bürger würden sich freuen, dass das Bauamt wieder besetzt ist und sie einen Ansprechpartner hätten: Die Bürgersprechstunde werde jedenfalls rege in Anspruch genommen, er sei als Ansprechpartner gefragt.
Viele berufliche Stationen
Er kenne die Anliegen der Bürger sehr gut, weil er einst sozusagen auf der »anderen Seite« gearbeitet habe: »Ich nehme von meinem Berufsleben viel mit in die kommunale Arbeit.« In Reutlingen geboren und aufgewachsen, lebt Gerd Bischoff nach einem kurzen Intermezzo in Wannweil wieder in der Kreisstadt – Riederich sei ihm also nicht ganz unbekannt gewesen. Auf die Ausbildung zum Maurer in jungen Jahren folgte ein Architekturstudium und danach Stationen in verschiedenen großen Architekturbüros, zum Teil wirkte er dort als Projektentwickler großer Projekte. Dann ging’s für Gerd Bischoff als Sachverständiger für 15 Jahre in die Selbstständigkeit, weitere acht Jahre bei der GWG Reutlingen folgten. »Dort wurde ich von Wolfschlugen abgeworben«, meint er lachend. Ihn persönlich habe das Thema Stadtplanung sehr gereizt: »Das ist für mich keine komplette Umstellung, sondern eine Fortführung von dem, was ich immer gemacht habe.«
Es liegen viele berufliche Stationen hinter Gerd Bischoff, er werde dadurch getragen von vielen Kontakten und einem engen Netzwerk – Stillstand sei nie sein Ding gewesen. In Riederich arbeitet er zunächst einmal auf und dann – so die Hoffnung – einen potenziellen Nachfolger ein. Ausgestattet ist Gerd Bischoff mit einem Zwei-Jahre-Vertrag mit der Option zur Verlängerung. »Es wird wohl meine letzte Wirkungsstätte sein«, mutmaßt der Leiter des Ortsbauamtes. Dann hätten auch zwei seiner drei Söhne ihr Studium beendet und könne er sich zur Ruhe setzten: »Noch profitieren sie davon, dass ich weiterarbeite«, erklärt er augenzwinkernd. (GEA)

