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Aktuell Lärmschutz

B27: Walddorfhäslachs Bürgermeisterin will Tempo 100

Walddorfhäslachs Bürgermeisterin Silke Höflinger wirbt für ein moderateres Tempolimit und eine Express-Busspur auf der Bundesstraße 27.

Auf der B 27 fahren Autos in Richtung Tübingen. Hier soll, anders als zunächst vom Regierungspräsidium geplant, nun doch kein Fl
Auf der B 27 fahren Autos in Richtung Tübingen. Hier soll, anders als zunächst vom Regierungspräsidium geplant, nun doch kein Flüsterasphalt aufgetragen werden. Walddorfhäslachs Bürgermeisterin Silke Höflinger setzt sich für Tempo 100 ein. Foto: Stanislav Schitz
Auf der B 27 fahren Autos in Richtung Tübingen. Hier soll, anders als zunächst vom Regierungspräsidium geplant, nun doch kein Flüsterasphalt aufgetragen werden. Walddorfhäslachs Bürgermeisterin Silke Höflinger setzt sich für Tempo 100 ein.
Foto: Stanislav Schitz

WALDDORFHÄSLACH. Die Bundesstraße 27 verläuft über die Gemarkung der benachbarten Gemeinden Pliezhausen und Walddorfhäslach. Doch die Forderungen und Sichtweisen der beiden Rathauschefs Christof Dold und Silke Höflinger zum Lärmschutz und einem Tempolimit unterscheiden sich. Pliezhausens Bürgermeister Christof Dold hatte im Mai wenige Tage nach dessen Vereidigung, an den neuen Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) geschrieben und sich für ein Tempolimit von 80 Kilometern in der Stunde abends und nachts eingesetzt (wir berichteten). Dessen Amtskollegin Silke Höflinger aus der Nachbargemeinde Walddorfhäslach fordert generell Tempo 100. »Wir halten diese Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Bundesstraße für umsetzbar«, begründet sie ihre Sicht.

Höflinger hat mitbekommen, dass sich das Bundesverkehrsministerium für Dolds Forderung nach dem Tempolimit nicht zuständig sieht und stattdessen auf das Land Baden-Württemberg verweist. Sabrina Lorenz, eine Sprecherin des Regierungspräsidiums Tübingen, teilt mit, dass die Umsetzung des ursprünglich geplanten Flüsterasphalts in Fahrtrichtung der Universitätsstadt »bereits Anfang des Jahres aufgrund der deutlich reduzierten Verkehrsmengen und der damit einhergehenden Lärmminderung als nicht mehr vertretbar angesehen« werde. Daten aus dem Jahr 2022 zeigen einen Rückgang der Fahrzeuge auf der B 27 von früher etwa 50.000 innerhalb von 24 Stunden auf nun weniger als 40.000.

Bedauerliche Nachricht

Bürgermeisterin Höflinger hält die Nachricht für Rübgarten aus der Nachbargemeinde Pliezhausen für bedauerlich. Schließlich sei der Teilort von Lärm am meisten betroffen. »Dafür ist Flüsterasphalt ja gedacht.« In Fahrtrichtung Stuttgart gibt es diesen bereits. Die Zahlen als Grundlage dafür stammen aus dem Jahr 2019, im Jahr 2023 wurde der Asphalt dann aufgetragen.

Silke Höflinger sieht diesen Belag differenziert: »Der Flüsterasphalt ist eine gute Maßnahme für einen bestimmten Zeitraum. Allerdings hält der nicht so lange und muss häufiger und schneller erneuert werden.« Je nach der Frequenz der Fahrzeuge sei der Belag nur sechs bis sieben Jahre nutzbar. Außerdem setzten sich die Poren vorher bereits mit Partikeln des Reifenabriebs zu und müssten gereinigt werden. Höflinger sagt daher: »Flüsterasphalt kann ein weiteres Mittel im Lärmschutz sein, Lärmschutzwände sind sinnvoller.«

Park-and-Ride mehr nutzen

Ein anderer Ansatz der Bürgermeisterin für weniger Lärm ist: weniger Verkehr. Das soll dadurch geschehen, dass die Expresso-Busse von Pfullingen über Reutlingen, Pliezhausen und Walddorfhäslach zum Stuttgarter Flughafen auf einer gesonderten Spur, nämlich der Standspur, fahren. Das wäre bei Stau ein Vorteil. Dazu passe, dass es an der Auffahrt zur B 27 in Walddorfhäslach einen Park-and-Ride-Platz gibt. Dort ließen sich Autos abstellen und in Busse umsteigen.

Höflinger kann sich vorstellen, dass die Standspur mit Ampeln, ähnlich wie bereits auf manchen Autobahnen, für Linienbusse freigegeben wird. Sie hat auch eine Idee, wie sich dies an Auffahrten lösen lasse: »Dort könne es durchgehend Ampeln geben, die rot zeigten, wenn der Bus kommt.« An manchen Zufahrten gibt es diese bereits. »Es heißt immer wieder, dass die Standspur zu schmal sei«, nennt Höflinger ein oft verwendetes Gegenargument. Sie geht das Thema pragmatisch an: »Man sollte es in einem Probezeitraum testen und nicht von vornherein sagen, dass etwas nicht funktioniert.« Abschließend betont Höflinger, dass auch für sie der Lärmschutz nach wie vor wichtig ist: »Wir bleiben an dem Thema dran.« (GEA)