PLIEZHAUSEN/TÜBINGEN. Große Mengen Kokain, Amphetamin, Marihuana und Ecstasy-Tabletten fand die Polizei im Februar 2025 bei einem 25-Jährigen aus Pliezhausen. Außerdem lagen in seiner Wohnung noch offen Schlagringe, Messer und andere gefährliche Gegenstände herum. Der Mann sitzt seit der Zeit in Untersuchungshaft und muss sich nun vor der 2. Großen Strafkammer des Tübinger Landgerichts wegen »bewaffneten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge« verantworten. Eine hohe Haftstrafe droht.
Das machte gleich zu Beginn des Prozesses der Vorsitzende Richter Dr. Christoph Kalkschmid dem Angeklagten klar. Der Gesetzgeber habe bei bewaffnetem Handeltreiben mit Betäubungsmitteln eine sehr hohe Strafvorschrift herausgegeben: Die Mindeststrafe liege bei fünf Jahren Haft.
Angeklagter hofft auf minderschweren Fall
Durch besondere Umstände könne sich der Strafrahmen aber nach unten verschieben, aber nur wenn das Gericht dann auch von einem minderschweren Fall ausgeht. Doch die Rauschgiftmengen, um die es jetzt handelt, sprächen nicht unbedingt für eine solche Strafrahmenverschiebung, meinte der Richter. Die 100 Gramm Kokain, die 240 Gramm Amphetamin, die 1.370 Gramm Marihuana und die 363 Ecstasy-Tabletten, »die überschreiten die geringfügigen Mengen um ein Vielfaches«, so Kalkschmid.
»Es wird also verdammt eng für Sie, das möchte ich in aller Deutlichkeit sagen«, ermahnte der Richter den Angeklagten. Nur wenn der 25-Jährige die Taten umfänglich einräume, könne man vielleicht noch über einen minderschweren Fall diskutieren.
Mit Dealen den Eigenbedarf finanziert
Diesen eindeutigen Hinweis nutzte der Angeklagte. Seine Verteidigerin Safak Ott gab am Dienstag eine Erklärung für ihn ab. Ihr Mandant räume alle Vorwürfe der Staatsanwaltschaft, die die Rauschgiftmengen beträfen, ein. Bei den Waffen allerdings machte der Angeklagte Abstriche. Die Waffen stünden nicht im Zusammenhang mit dem Drogenhandel, betonte er in der Erklärung seiner Verteidigerin.
Die Schlagringe, Messer, Schreckschusspistole – das habe sich in seiner Gruppe hochgespielt. Die Schlagringe beispielsweise habe er für Freunde besorgt. Und zum eigenen Drogenverbrauch: Er selbst habe damals viel Rauschgift konsumiert, jeden Tag Cannabis und oft auch Kokain. Mit dem Dealen habe er seinen Eigenbedarf finanziert. Jetzt höre er aber mit dem Rauschgift auf. Er wolle eine Drogentherapie machen, versprach er.
Schlagringe und Messer lagen offen im Zimmer herum
Nach eigener Aussage stieg der 25-Jährige vor über einem Jahr ins Drogengeschäft ein. Die Kontaktaufnahme mit seinen Kunden sei übers Internet und den Messenger-Dienst Telegram erfolgt, so der Angeklagte vor Gericht. Er habe einen festen Kundenkreis gehabt, der bis nach Reutlingen gereicht habe. Vor Ort waren eine Bushaltestelle und ein Gartengrundstück (»Gütle«) die heimlichen Übergabeorte. Woher er das Rauschgift hatte, wollte der Angeklagte aber nicht verraten.
Die Polizei war dem 25-Jährigen im Rahmen eines anderen Ermittlungsverfahrens auf die Schliche gekommen. Sie erfuhr damals, dass es in Pliezhausen jemanden gebe, der mit Betäubungsmitteln Handel treibe. Wer das sein könnte, war den Ermittlern schnell klar, »wir kannten ihn«, sagte ein Beamter der Reutlinger Kripo am Dienstag vor Gericht aus.
Observation ging gehörig schief
Die Polizei wollte den 25-Jährigen auf frischer Tat ertappen und installierte deshalb eine Kamera in der Nähe des verdächtigen Gartengrundstücks. Dies war allerdings ein Schuss in den Ofen. Die Kamera war offenbar so prominent aufgehängt, dass sie fast jedem, der vorbeilief, gleich auffiel. Die Polizei sah auf den Aufnahmen jedenfalls viele neugierige Gesichter im Großformat, die mit den Drogendeals überhaupt nichts zu tun hatten. »Das mit dem Observieren hat nicht funktioniert«, gestand der Beamte ein.
Besser funktionierte dann eine Hausdurchsuchung bei dem 25-Jährigen. Als die Ermittler in das Zimmer des Angeklagten kamen, waren sie recht überrascht. Das Rauschgift und die Waffen lagen dort offen herum. Sie stießen noch auf Bargeld im Wert von über 5.000 Euro. Der 25-Jährige saß indes in einem anderen Zimmer am Esstisch und war »zugedröhnt, aber anständig«, wie es der Kripo-Beamte beschrieb. Der 25-Jährige ließ sich widerstandslos festnehmen. (GEA)
Im Gerichtssaal
Gericht: Dr. Christoph Kalkschmid (Vorsitzender), Richterin Mayer. Schöffen: Gerhard Maier, Michael Semmler. Staatsanwältin: Nicole Luther. Verteidigerin: Safak Ott.

