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Altenrieter Großbrand: Betroffenheit und Solidarität

Das Vereinslokal der Altenrieter Kleintierzüchter ist am Sonntag bei einem Großfeuer ausgebrannt. Wie sich der Pächter, Passanten an der Brandstelle und die Polizei am Montag geäußert haben.

Nur noch Schutt und ein Gebäudegerippe: das Kleintierzüchterheim »Albblick« in Altenriet einen Tag nach dem Großbrand.
Nur noch Schutt und ein Gebäudegerippe: das Kleintierzüchterheim »Albblick« in Altenriet einen Tag nach dem Großbrand. Foto: Markus Pfisterer
Nur noch Schutt und ein Gebäudegerippe: das Kleintierzüchterheim »Albblick« in Altenriet einen Tag nach dem Großbrand.
Foto: Markus Pfisterer

ALTENRIET. »Ich bin wie gelähmt.« Einen Tag, nachdem die Vereinsgaststätte »Albblick« der Altenrieter Kleintierzüchter abgebrannt ist, findet der Betreiber des Lokals kaum Worte. »Das war mein Leben«, sagt er, den alle nur Aki nennen, im Telefonat mit dem GEA am Montagmittag. Seit 29 Jahren hat er das Lokal, das die meisten Hasenheim nennen, betrieben. Ebenso lang war er im Kleintierzuchtverein.

Dem Verein gehört die Gaststätte am aussichtsreichen Altenrieter Ortsrand. Aber auch viele Nichtmitglieder haben sie besucht. Das Hasenheim war ein beliebtes Ausflugslokal. Auch am Sonntagnachmittag, als der Brand gegen 15.15 Uhr in der Küche entdeckt wurde. Etwa 30 Gäste waren da, schreibt das Reutlinger Polizeipräsidium am Montag und korrigiert damit eigene erste Angaben: Am Sonntag hieß es, dass der »Albblick« erst um 17 Uhr öffne und bei Brandausbruch keine Gäste im Haus gewesen seien.

»Das war mein Leben«

Die, die da waren, kamen unversehrt ins Freie. Suchten das Weite oder schauten mit an, wie sich die Flammen durch das flache Gebäude fraßen. »Die Löscharbeiten gestalteten sich schwierig, weil sich der Brand über einen Zwischenboden unter dem Blechdach auf das ganze Gebäude ausbreitete«, berichtet Polizeisprecher Christian Wörner. Schließlich musste ein Bagger das Dach abheben, damit die Feuerwehren weiterlöschen konnten.

Ein Weihnachtsbaum von Schutt umgeben: der Eingang des Altenrieter Hasenheims einen Tag nach dem Brand.
Ein Weihnachtsbaum von Schutt umgeben: der Eingang des Altenrieter Hasenheims einen Tag nach dem Brand. Foto: Markus Pfisterer
Ein Weihnachtsbaum von Schutt umgeben: der Eingang des Altenrieter Hasenheims einen Tag nach dem Brand.
Foto: Markus Pfisterer

Rund 100 Einsatzkräfte von 17 Wehren waren am Altenrieter Ortsrand stundenlang bei der Arbeit, an der Brandstelle mit Atemschutz. Sie konnten nicht verhindern, dass das gesamte Hasenheim ausbrannte. Gegen 21.45 Uhr waren die Löscharbeiten beendet. Die Brandwache hielt noch bis in die frühen Morgenstunden die Stellung. Niemand wurde beim Großfeuer und seiner Bekämpfung verletzt. Wenigstens eine gute Nachricht.

Am Tag danach hat es Im Käppele in Altenriet, wo die Gaststättenruine steht, vormittags minus fünf Grad. Es riecht noch ein wenig nach Brand. Beides hindert viele Menschen nicht daran, zum Hasenheim zu gehen. Manche fahren im warmen Auto vorbei und halten an. Durch einen Absperrzaun sehen sie einen Torso, der von Schutt und Trümmern umgeben ist. »Am Samstag war ich hier noch essen«, sagt ein Mann, »heute ist alles weg.«

Das Haus gehörte dem Kleintierzüchterverein Altenriet. Aki, der Grieche, Ende 60, hatte es gepachtet. »Ich muss weitermachen, die Rente ist nicht gut«, sagt er. Gott sei Dank wohnt er woanders im Flecken, ist durch das Großfeuer nicht obdachlos geworden. Im Hasenheim wurde nur gekocht, gegessen, getrunken und fröhlich geschwätzt. Kaninchen und Geflügel gezüchtet hat der Verein an anderer Stelle. Aki hatte zwei Angestellte. Auch seine Frau hat immer wieder im Lokal geholfen. Jetzt müssen sie schauen, wo sie beruflich unterkommen. Zum Glück ist in der Gastronomie vielerorts Bedarf.

»Am Samstag war ich hier noch essen. Jetzt ist alles weg «

Vielleicht kann der Wirt ja auch an Ort und Stelle wieder servieren. Falls das Vereinsheim abgebrochen und wieder aufgebaut wird. Ob das der Fall sein wird und inwieweit eine Versicherung dafür bezahlt, sind offene Fragen. Völlig zweitrangig einen Tag nach einem Brand, der in Altenriet bei vielen Betroffenheit ausgelöst hat. Hinweise auf Brandstiftung hat die Polizei nicht. Sie geht davon aus, dass das Feuer im Bereich eines Grills oder einer Fritteuse entstanden ist. Und rund 450.000 Euro Schaden verursacht hat.

Am Montagmittag herrscht wieder Stille im Altenrieter Feuerwehrgerätehaus, das nur wenige hundert Meter vom Hasenheim entfernt l
Am Montagmittag herrscht wieder Stille im Altenrieter Feuerwehrgerätehaus, das nur wenige hundert Meter vom Hasenheim entfernt liegt. Foto: Markus Pfisterer
Am Montagmittag herrscht wieder Stille im Altenrieter Feuerwehrgerätehaus, das nur wenige hundert Meter vom Hasenheim entfernt liegt.
Foto: Markus Pfisterer

»50 Prozent der Gastronomie im Ort sind weggebrochen«, bilanziert ein Passant. Der »Albblick« war oft gut besucht, vor allem von Senioren. Das andere Lokal findet sich am Sportplatz außerhalb der 1.942-Einwohner-Gemeinde. Der Mann, der ebenfalls zur Brandruine blickt, berichtet davon, dass der Altenrieter Gewerbeverein bereits aktiv geworden ist, um Aki und seinem Team zu helfen. »Er will, dass übers Rathaus was kommt, was ihm unter die Arme greift.«

»Der Gewerbeverein will, dass übers Rathaus was kommt, was dem Pächter unter die Arme greift«

Bürgermeisterin Patricia Mittnacht äußert sich am Montag noch nicht. »Aktuell gibt es eine große Lagebesprechung«, sagt eine Verwaltungsangestellte dem GEA-Reporter um 11.30 Uhr im Rathaus. Im Feuerwehrhaus, das nur wenige hundert Meter vom Hasenheim entfernt liegt, ist derweil wieder alles ruhig. Die Einsatzfahrzeuge stehen im Schuppen, der Rollladen ist heruntergelassen, auf Klingeln hin öffnet niemand.

Aki, der Wirt der Gaststätte »Albblick«, berichtet nach dem Brand von großer Solidarität im Ort. »Viele sprechen mir ihr Beileid aus und sind bereit, zu helfen.« Etliche Mails hat er bekommen, auch Anrufe. Aber wie können die Leute helfen? Kann man eine Spendenaktion starten, wie vor einem Jahr bei der ebenfalls abgebrannten Ex-Weinstube »Zum Rad« in Metzingen, für die es einen erfolgreichen GoFundMe-Aufruf gab? Deren Pächter sind in unmittelbarer Nähe schnell neu untergekommen und servieren längst wieder vietnamesische Gerichte.

In Altenriet ist alles noch offen. Alles noch zu frisch. »Ich kann meine Gedanken nicht ordnen«, sagt der Lokalpächter keine 24 Stunden nach Ausbruch des Feuers. Am Absperrzaun sind am Montag ab und zu ein Auto oder ein Flugzeug zu hören. Die vorbeikommenden Menschen sind still, wenn sie nicht nach etwas gefragt werden. Wortlos stehen sie. Blicken durch den Zaun auf die Ruine. Viele sind fassungslos am Tag nach dem Großfeuer in einem Vereinslokal, das zur Altenrieter Kultur zählte und den Brezelort mitgeprägt hat. (GEA)