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83 Minuten Chaos: Ersatzbus fährt sich in Riederich fest

Zwischen Nürtingen und Reutlingen fahren derzeit keine Züge, sondern überfüllte Busse. Als ein Fahrer unterwegs falsch abbiegt, nimmt das Unglück seinen Lauf.

Dieser Bus des SEV steht quer auf der Auf- und Abfahrt zur B 312 in Riederich. Der Fahrer wollte wenden, weil er sich verfahren
Dieser Bus des SEV steht quer auf der Auf- und Abfahrt zur B 312 in Riederich. Der Fahrer wollte wenden, weil er sich verfahren hatte. Nun geht es weder vor noch zurück zwischen dem Laternenmast, der Verkehrsinsel und der Leitplanke. Foto: Malte Klein
Dieser Bus des SEV steht quer auf der Auf- und Abfahrt zur B 312 in Riederich. Der Fahrer wollte wenden, weil er sich verfahren hatte. Nun geht es weder vor noch zurück zwischen dem Laternenmast, der Verkehrsinsel und der Leitplanke.
Foto: Malte Klein

RIEDERICH/METZINGEN. Der Mercedes-Benz Gelenkbus fährt langsam in den Kreisel in Riederich und auf der falschen Seite wieder raus. Eigentlich sollte er am Montagabend gegen 19.35 Uhr auf der Stuttgarter Straße die Erms überqueren und weiter nach Bempflingen fahren zum nächsten Stopp. Doch dort wartende Fahrgäste brauchen an diesem Abend viel Geduld. Das gilt auch für die Passagiere im Bus auf der Mittelstädter Straße, aber die wissen das zu dem Zeitpunkt noch nicht. »Wir sind falsch abgebogen, oder?«, fragt eine junge Frau, die auf dem Weg nach Nürtingen mit dem Schienenersatzbus (SEV) ist. So ist es. Wegen Bauarbeiten im Bahnhof von Metzingen fahren ab diesem Montag und bis einschließlich Samstag, 13. Dezember, keine Züge.

Unterdessen kündigt sich in Riederich weiteres Unheil an. Immer wieder stoppt der Gelenkbus und fährt begleitet von einem dumpfen Motorenbrummen langsam rückwärts. Wohin, ist unklar. Die Scheiben sind durch die vielen Fahrgäste so beschlagen, dass ein Blick nur an wenigen Stellen möglich ist. Der vorherige Bus ist in Metzingen nicht gekommen, darum drängen sich in diesem die Fahrgäste. Der Motor dröhnt, der Bus fährt rückwärts, dann wieder vorwärts, weiter Richtung Mittelstadt.

Plötzlich ist der Motor aus

Ein paar Minuten später bahnt sich der nächste Wendeversuch an: Der Bus fährt von der Mittelstädter Straße nach links in Richtung der B 312. Aus dem Fenster in der hintersten Tür ist eine silberne Leitplanke zu sehen, die näher kommt. Es quietscht kurz. Der Motor heult auf, der Bus fährt ein Stückchen weiter. Dann ist der Motor aus. »Was macht der denn? Nicht, dass der sich hier noch festfährt«, sagt eine Frau. Draußen läuft ein Mann am Bus entlang nach hinten. Offenbar der Fahrer. »Ich möchte aussteigen«, sagt jemand. Doch die Tür hinten reagiert nicht auf den Türöffner. Es gibt keine Durchsagen. Ob und wann dieser Bus nach Nürtingen fährt, ist völlig ungewiss.

Immer mehr Fahrgäste stehen nun draußen, sie filmen und fotografieren das Dilemma: Der Bus steht quer auf der Auf- und Abfahrt der B 312. Vorne verhindert ein Mast die Weiterfahrt, in der Mitte steht ein Rad vor der Verkehrsinsel. Hinten ist die Leitplanke. Draußen steht ein Mann und telefoniert, später steigt er wieder ein und setzt sich auf den Fahrersitz. Was er und das Busunternehmen nun vorhaben, ist unklar.

Dann eben zu Fuß nach Bempflingen

Inzwischen stehen die meisten Fahrgäste draußen, andere sitzen im Bus und wieder andere an der nahen Haltestelle Riederich Mittelstädter Straße. Doch die Fahrt würde zurück nach Metzingen und dann mit dem SEV erneut über Riederich führen. Der DB-Navigator empfiehlt den Fußweg zur SEV-Haltestelle nach Bempflingen. Eine Mitreisende und ich entscheiden uns dafür: 1,7 Kilometer in 22 Minuten. »Dabei wird uns wenigstens warm«, sagt sie. In Bempflingen angekommen, fährt bald ein roter Bus nach Nürtingen. Trotzdem haben der ausgefallene Bus und die Irrfahrt zu 83 Minuten Verspätung geführt.

Am Dienstag erzählt ein Fahrgast im übervollen Bus nach Metzingen, dass abends die Polizei zum festgefahrenen Bus gekommen sei. Tina Rempfer, die stellvertretende Pressesprecherin der Polizei Reutlingen, sagt, die Straße sei um 20.30 Uhr wieder frei gewesen. Eine Anfrage des GEA in der Pressestelle der Deutschen Bahn in Stuttgart, warum ein Bus ausgefallen ist, ob die Busfahrer eine Streckenkundeschulung bekommen haben und warum der Fahrer keine Informationen über die Probleme und die Weiterfahrt gegeben hat, blieb bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe unbeantwortet. Vom Busunternehmen lassen sich keine Telefonnummer oder E-Mail-Adresse zur Kontaktaufnahme finden. (GEA)