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20 Jahre Vorlesestunde in Dettingen: Einfach mal zuhören

Sieben Ehrenamtliche lesen an Freitagen in der Dettinger Bücherei zur Marktzeit. Die kleine Feier zum 20-jährigen Bestehen der Vorlesestunde gestaltete mit Britta Roscher eine musizierende Autorin mit ihren Querflöten.

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Britta Roscher begeisterte bei der Jubiläumsvorlesestunde aktuelle und ehemalige Vorleser, Mamas und selbstverständlich auch Kinder. Foto: Kirsten Oechsner
Britta Roscher begeisterte bei der Jubiläumsvorlesestunde aktuelle und ehemalige Vorleser, Mamas und selbstverständlich auch Kinder.
Foto: Kirsten Oechsner

DETTINGEN. Vor Schreck weit geöffnete Augen werden von schallendem Lachen abgelöst. Auf einen kleinen angespannten Angstschrei folgen vor Glück strahlende Gesichter: Wer vorliest, erlebt echte Kindergefühle unmittelbar mit. Die Stimmung kann sich von einer Sekunde auf die andere ändern. Gerade diese Atmosphäre mache ihr Ehrenamt aus, darin sind sich Vorlesende aus Dettingen einig. Und was sie ebenfalls eint: »Ich möchte die Faszination für Geschichten weitergeben«, erklärt Kerstin Reck. Sie ist eine Frau der ersten Stunde: Vor 20 Jahren wurde die monatliche Vorlesestunde vom Gewerbeverein in Kooperation mit der Bücherei ins Leben gerufen, dieser Tage wurde das Mini-Jubiläum mit der Profi-Vorleserin Britta Roscher gefeiert. Die Ehrenamtlichen durften das, was sonst die Kinder machen: Einfach mal zuhören.

»Das war nicht meine Idee«, gab Büchereileiterin Sabine Makram bei der Begrüßung zu, es sei diejenige der inzwischen verstorbenen Ute Pattas-Enchelmayer gewesen. Sie hatte damals Kinder im Grundschulalter, fand es wichtig, vorzulesen und war zudem im Gewerbeverein aktiv. Ihr Gedanke war naheliegend: Einmal im Monat den Eltern eine kinderfreie Einkaufsstunde zu ermöglichen, den Kindern wird so lange vorgelesen. Die Idee wurde zügig umgesetzt, am 1. Oktober 2005 fand erstmals die Vorlesestunde »Samstagsspaß« statt. Am Konzept hat sich in den zwei Jahrzehnten nichts geändert: Ein Zweierteam gestaltet die Stunde und entscheidet eigenständig, was vorgelesen wird.

Schwieriger Re-Start nach der Coronapandemie

Bis März 2020 lief alles seinen gewohnten Gang, damals fand die 222. Vorlesestunde im Alten Rathaus statt. Dann kam die Coronapandemie und damit erzwungenermaßen eine Pause. Vieles änderte sich nach dem Neustart am 7. Oktober 2021: Aus dem »Samstagsspaß« wurde das »Vorlesen zur Marktzeit« in den Räumen der Bücherei jeweils am ersten Freitag im Monat ab 15 Uhr. Vor der Pandemie hatten durchschnittlich zehn Kinder die Vorlesestunde besucht, der Neustart verlief schleppend. Die Vorleserin Birgit Heffner kann sich noch genau an den Tiefpunkt erinnern, als lediglich eine Mutter mit einem zuhörenden Kind und einem schlafenden Baby anwesend war: »Wir haben gedacht, dass wir aufgeben müssen.« Doch eben diese Mama wurde aktiv, nutzte ihre gesamten Kontakte auf den sozialen Medien und warb für die Vorlesestunde – mit Erfolg.

Zehn Kinder sind meistens da, manchmal sind’s sogar 18. Die derzeit sieben Vorleser - in den 20 Jahren waren es insgesamt 19 - freut’s, darunter ist gelegentlich auch Sabine Makram selbst. Wo’s nur möglich ist, setzt sie sich für eine frühzeitige Leseförderung ein. Dazu gehört eben auch das Vorlesen – ob privat oder in großer Runde. Wenn vorgelesen wird, erhöht das unter anderem die Lesefähigkeit und die Sprachentwicklung, das Interesse für viele Themen wird geweckt und die persönliche Entwicklung gestärkt. »Unser größter Wunsch ist, dass auch zu Hause viel vorgelesen wird«, macht die Büchereileiterin deutlich. »Das tut in der reizüberfluteten, hektischen Zeit nicht nur den Kindern gut, sondern auch den Eltern«.

Das geht: auf Nudeln pfeifen

Bei der Jubiläumsveranstaltung hatten Jung und Alt Spaß, war das Staunen generationenübergreifend groß: Britta Roscher las nicht nur aus ihrem Kinderbuch »Pusten, Prusten, Blubbern, Klappern« vor, sondern musizierte auch auf Querflöten – von einer ganz kleinen bis zur Bassversion. Und alle Besucher haben auch etwas ganz Besonderes gelernt: auf einer Nudel zu pfeifen. (GEA)