BAD URACH. In der Schlossmühle herrscht in der Regel ein reges Kommen und Gehen: Leser nutzen die Bücherei, Musikschüler eilen zum Unterricht und die jungen wie auch älteren Aktiven des Musikvereins zur Probe. Am Samstag indes war das Gebäude den ganzen Tag lang konstant belebt, denn die verschiedenen Nutzer jeden Alters und interessierte Bad Uracher feierten ein Jubiläum: Vor 20 Jahren wurde das von Grund auf sanierte historische Gebäude bezogen, damals war die zwischenzeitlich umgezogene Volkshochschule noch mit im Boot.
Die Erinnerung an den Zustand vor der Renovierung ist im Lauf der zwei Jahrzehnte längst verblasst, Armin Schidel ließ ihn in Vertretung des Bürgermeisters in seinem Grußwort wieder aufleben: »Noch vor 25 Jahren war dieses Gebäude hier richtiggehend ein Schandfleck, ein dunkler, verwitterter und heruntergekommener Kasten«, blickte Elmar Rebmanns Stellvertreter auf alte Zeiten zurück.
»Noch vor 25 Jahren war dieses Gebäude ein Schandfleck«
Im Lauf seiner 500-jährigen Geschichte war das Gebäude als Mühle, Fabrik, als Schule und Lagerraum genutzt worden, unvergessen bei vielen Best-Agern aus der Region ist die Zeit als Jugendhaus. Die Spuren von Unglücksfällen, Bränden, Explosionen sowie von Wind und Wetter waren einst deutlich sichtbar. Stadt und Gemeinderat hätten laut Schidel damals Mut und Weitsicht gezeigt, als sie sich zur Renovierung entschlossen haben. Rund 2,5 Millionen wurden investiert und das erfolgreich: Das Bürgerhaus Schlossmühle wurde von der Architektenkammer Baden-Württemberg ausgezeichnet.
»Die Schlossmühle ist heute mit alle ihren Einrichtungen nicht mehr aus dem kulturellen und gesellschaftlichen Leben der Stadt wegzudenken«, so Schidel. Zumal das Gebäude 2007 mit der Eröffnung des Prof.-Dr.-Willy-Dettinger-Saal ein »Sahnehäubchen« erhalten habe. Über die Geschichte der Schlossmühle konnten sich Besucher am Samstag bei einem Rundgang mit Kulturreferent Thomas Braun informieren.
»Es herrscht hier eine tolle Atmosphäre«
Seit Anfang mit dabei sind die Leiterinnen beider Einrichtungen, die sich dauerhaft in der Schlossmühle befinden: Ute Homann von der Musikschule und Silke Schönherr von der Bücherei. Und beide betonen nach 20 Jahren immer noch eines: Sie und ihre Institutionen fühlen sich wohl in der Schlossmühle. »Es herrscht hier eine tolle Atmosphäre«, erklärt die Büchereileiterin. »Ich bekomme immer wieder zu hören, was ich für einen tollen Arbeitsplatz habe.«
Dieses Rundum-Wohlgefühl von allen Akteuren wurde auch im Programm sichtbar, Groß und Klein war mit Begeisterung dabei. In Ruhe Umschauen, Lesen und Ausleihen war in der Bücherei möglich, im Alltag traut sich so mancher nicht rein. Einen niedrigschwelligen Zugang zu ermöglichen war das Ziel, aber auch eines zu zeigen: Mit Literatur kann man ganz locker umgehen – deshalb wurde auch eine Bücherturm-Challenge ausgelobt. Viel Spaß hatten die Zuschauer beim Bilderbuchkino »Ein Geburtstagsfest für Liselotte«.
Die Schlossmühle steht vor allem auch für Musik, unzählige Kinder haben in den vergangenen 20 Jahren dort ein Instrument gelernt – insgesamt 400 Musikschüler sind es derzeit. Rund 40 Jungen und Mädchen präsentierten die Vielfalt der Instrumente bei einem Konzert, durch das Ute Homann mit einer selbst geschriebenen kurzweiligen Geschichte führte. Höhepunkt des ereignisreichen Tages war dann am Nachmittag das Konzert von Schülern und Ensembles der Musikschule und dem Internationalen Chor der Volkshochschule Bad Urach-Münsingen. (GEA)

