PLIEZHAUSEN. Bis Ende Juli haben Kaufinteressenten Zeit gehabt, für das Haus Jakobstraße 24 im Hauptort Pliezhausen zu bieten. Zwar gingen Gebote ein, doch es kam letztlich nicht zu einem Kaufabschluss. Darum beginnt die Frist für Gebote bald erneut. Das hat Stefan Adam, der Leiter der Pliezhäuser Haupt- und Bauverwaltung, am Dienstag im Gemeinderat berichtet. Das Gremium stimmte geschlossen für das Vorgehen. »Das Interesse ist da. Es gibt auch eine gewisse Nachfrage«, sagte Adam.
Die Zeit der Frist sei aber nicht ausreichend gewesen. Im Sommer gab es für Bieter sechs Wochen Frist, nun hat das Gremium beschlossen, zehn Wochen zu warten. »Es soll vor der Adventszeit wieder auf den Markt«, kündigte Adam an. Ein Vorteil der längeren Frist sei, dass Interessenten dann mehr Zeit haben, sich mit Bausachverständigen über nötige Sanierungen auszutauschen und Gespräche mit der Bank zu führen. So steht es im Sitzungspapier.
Das Haus steht leer
Die Gemeinde Pliezhausen hatte das Haus im Jahr 2014 erworben. »Wir brauchen es nicht mehr, weil wir im Neckartal ja ein neues Haus für Flüchtlinge bauen«, hat Adam im Juni während der ersten Bietefrist gesagt. Unten an der Tübinger Straße entsteht derzeit ein neues Gebäude für 30 Personen in acht Wohnungen der Anschlussunterbringung. Die Bewohner sollen 2026 einziehen. Dabei handelt es sich um Personen, die nach dem Abschluss ihres Asylverfahrens oder nach spätestens zwei Jahren dauerhaft in einer Gemeinde untergebracht werden. Finden sie auf dem freien Markt keine Unterkünfte, werden die Flüchtlinge Gemeinden zugeteilt, die ihnen Wohnungen zur Verfügung stellen müssen.
Das Haus Jakobstraße 24 beherbergte früher Flüchtlinge, steht nun aber leer. Es wurde 1956 gebaut, ist zweistöckig und unterkellert. Im Erdgeschoss und im oberen Stockwerk gibt es jeweils drei Zimmer samt Küche, Badezimmer und separate Toiletten. Der Keller besteht aus drei freien Räumen, zwei Heizungsräumen und einer Waschküche. Genutzt werden könnten die 120 Quadratmeter Wohnfläche von einer oder zwei Familien oder Einzelpersonen.
Mindestgebot 415.000 Euro
Die Gemeinde möchte das Gebäude samt 575 Quadratmeter Grundstück zum Höchstgebot verkaufen, mindestens aber 415.000 Euro erlösen. Für die Gemeinde hat das den Vorteil, dass sie so Geld bekommt, das sie für den Haushalt gut gebrauchen kann. Zuletzt war es nämlich für Pliezhausen schwierig, einen ausgeglichenen Etat aufzustellen. So hatte die Rechtsaufsichtsbehörde im Landratsamt Reutlingen deutlich gemacht, dass sie den ursprünglichen Haushaltsentwurf 2025 so nicht genehmigen würde. Daher musste der Gemeinderat zunächst geplante Vorhaben und Projekte schieben.
Stefan Adam hatte vor einigen Monaten im Gemeinderat vorgerechnet, dass Pliezhausen ab dem Mindestgebot das Gebäude mit Gewinn verkaufen würde. Die Gemeinde hatte es im Jahr 2014 für 255.000 Euro gekauft, 70.000 Euro investiert und möchte es nun mindestens für 415.000 Euro verkaufen. Freihändig vergeben könne es die Gemeinde nicht, sagte Adam jetzt. »Es muss ein transparentes Verfahren sein. Das hat uns der Gesetzgeber ins Stammbuch geschrieben«, sagte Adam. Gebe es keinen Meistbietenden, sondern mehrere Bieter würden nur den Verkehrswert zahlen wollen, müsse die Gemeinde das Haus auslosen. (GEA)

