PLIEZHAUSEN. Der Gemeinderat von Pliezhausen wird künftig digital arbeiten. Das haben die Ortschaftsräte von Rübgarten, Gniebel und Dörnach sowie der Gemeinderat von Pliezhausen am Dienstagabend alle einstimmig so beschlossen. Bereits jetzt nutzen einige Kommunalpolitiker in den Sitzungen ihren Laptop oder ihr Tablet, um sich die zu beschließenden Unterlagen anzuzeigen. Andere bekommen diese bisher auf Wunsch ausgedruckt. Doch jetzt sollen die Räte durchgängig digital arbeiten. »Wir machen große Schritte in Richtung Digitalisierung«, kündigte Pliezhausens Bürgermeister Christof Dold an.
Im Jahr 2019 hat Pliezhausen bereits ein Ratsinformationssystem auch für die Internetseite der Gemeinde eingeführt. Doch Stefan Adam, der Leiter der Haupt- und Bauverwaltung, hält dieses Programm für ineffizient. »Wenn es vier Sitzungen des Gemeinderats und der Ortschaftsräte gibt, muss die Kollegin vier Mal die Dokumente hochladen. Das ist zeitaufwendig.« Das gelte auch, wenn es identische Sitzungspapiere sind. Kommen weitere Unterlagen aus nicht-öffentlicher Sitzung hinzu, müssten diese ebenfalls eingestellt werden. Adam nennt das Ergebnis: »Die Kollegin muss über Stunden die Sitzung vorbereiten.« Das soll sich nach der Sommerpause 2026 ändern.
Weniger Aufwand für Mitarbeiterin
Das bisherige Programm sei ausgewählt worden, weil es kostengünstig war. Doch nun sei es nicht mehr zeitgemäß. »Wir wollen im Hauptamt den Personalaufwand reduzieren, die Effizienz erhöhen und in die Volldigitalisierung unter Volldampf einsteigen.« Adam schlug dem Gemeinderat und den Ortschaftsräten ein digitales Sitzungsmanagement auf der Basis des Programms Session vor. »Wir versprechen uns von der Digitalisierung eine Attraktivitätssteigerung der Ratsarbeit«, sagte Adam.
Um sich die Sitzungspapiere anzeigen zu lassen, brauchen die Kommunalpolitiker ein Gerät. »Wir schlagen vor, dafür private Geräte zu nutzen«, sagte Adam. Dafür würde die Gemeinde den Räten 300 Euro pro Legislaturperiode auszahlen, verteilt auf 60 Euro pro Jahr. »Wir halten es nicht für zielführend, wenn wir Gemeindegeräte nur für die Ratsarbeit anschaffen.« Damit es zu einem wirklichen Effekt komme, müssten alle Kommunalpolitiker mitziehen. »Für eine Effizienzsteigerung gilt 'Ganz oder gar nicht'. Dann geben wir keine Papierunterlagen mehr aus«, sagte Adam.
Umweltschutz durch weniger Papier
Die Gniebeler Ortsvorsteherin Kathrin Henne (FWV) lobte die Initiative der Verwaltung. »Mich freut das auch aus ökologischen Gründen, dass wir kein Papier mehr bekommen. Beim bisherigen Ratsinformationssystem hat mir gefehlt, dass ich dort keine Notizen oder Markierungen einfügen konnte. Bei dem neuen Programm kann ich das.«
Der Gemeinderat Lars Hennig (UWV) fragte, ob künftig auch die Kommunikation über das neue Programm erfolgen könne. Jonas Armbruster, der sich um die Digitalisierung im Rathaus von Pliezhausen kümmert, antwortete, dass unklar sei, ob die Kommunikation komplett darüber laufen werde. Beate Saile-Sulz (FWV) regte an, dass für den Kauf eines Tablets eine einmalige Pauschale von 300 Euro und kein jährlicher Betrag von jeweils 60 Euro ausgezahlt werden sollte. Stefan Adam sagte, dass es aus buchhalterischen Gründen am einfachsten sei, wenn der Betrag von 60 Euro jährlich so durchlaufe.
Bürgermeister Dold merkte an, dass man über alles nachdenken könne. »Unser Verwaltungsvorschlag ist aber, dass alle Räte 60 Euro im Jahr bekommen. Es gibt schon Tablets für 200 Euro. Dann müssten die, die noch keins haben, in Vorleistung gehen.« Aktuell hätten zwölf Räte noch kein geeignetes Gerät, wie einen Tablet-Computer. (GEA)


