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Aktuell Ausstellung

Zeichenhaftes trifft auf Verstörendes

Neu bei den Künstlerinnen der Alten Spinnerei: Zwei Männer. Ateliers sind ab Donnerstagabend geöffnet

Vor dem Wegweiser von Holger Riefler sind (von links) Ulrike Franz, Eva Schulz, Ute Kroll, Lisa Voss, Holger Riefler, Ingrid Swo
Vor dem Wegweiser von Holger Riefler sind (von links) Ulrike Franz, Eva Schulz, Ute Kroll, Lisa Voss, Holger Riefler, Ingrid Swoboda, Beate Hölscher, Doris-Lidwina Stauss und Barbara Wünsche-Kehle. fotos: krauth
Vor dem Wegweiser von Holger Riefler sind (von links) Ulrike Franz, Eva Schulz, Ute Kroll, Lisa Voss, Holger Riefler, Ingrid Swoboda, Beate Hölscher, Doris-Lidwina Stauss und Barbara Wünsche-Kehle. fotos: krauth

WANNWEIL. Die Ateliers in der Alten Spinnerei in Wannweil sind mit ihren Künstlerinnen in der Szene weit bekannt. Nun hat es dort eine Veränderung gegeben: Zwei Männer, Martin Baumann und Holger Riefler, teilen sich ein Atelier. Neu dabei ist auch Eva Schulz. Ab Donnerstag können Besucher die Arbeiten der Künstler in den Offenen Ateliers in Augenschein nehmen.

Gleich auf der rechten Seite im ersten Obergeschoss der Alten Spinnerei ist das Atelier von Ute Kroll. Hier drückt sie sich mit zeichenhafter Malerei aus. Passend zu dem ausgeschriebenen Kunstwettbewerb »Heimat.Land.Kreis« des Landkreises hat sie sich intensiv mit der Landschaft der Alb beschäftigt. Dabei hat sich ihr nach eigenen Worten »das Panorama der Schwäbischen Alb in die Seele geschrieben«. Die hat sie gekonnt mit dem Pinsel in verschiedenen Variationen zum Ausdruck gebracht. Mal in Schwarz, mal mit Farbe. Dass es abstrakt ist und gleichzeitig eine erkennbare Landschaft zeigt, sei eine echte Herausforderung für sie gewesen.

Beate Hölscher mit Vogelstimmen und die »Verkehrte Welt« von Holger Riefler.
Beate Hölscher mit Vogelstimmen und die »Verkehrte Welt« von Holger Riefler. Foto: Madeleine Krauth
Beate Hölscher mit Vogelstimmen und die »Verkehrte Welt« von Holger Riefler.
Foto: Madeleine Krauth

Nur eine Türe weiter haben sich Holger Riefler mit seiner Pop- und Streetart und Martin Baumann mit Farbtafeln und Installationen niedergelassen. Für Riefler ist es das erste Atelier: »Zuvor habe ich in meinem Zimmer gemalt.« Hier fühlt er sich sichtlich wohl. An eine Wand hat er eine Serie »Verkehrte Welt« mit dem Thema Rollentausch von Mensch und Tier aus dem Jahr 2004 gehängt. Hier ist unter anderem ein Masthähnchen zu sehen, das sich bei genauerem Hinschauen als Mensch entpuppt. Riefler zeichnet den »Blick von der anderen Seite aus«. Dabei regt er mit seinen Werken zum Nachdenken an. Zudem geht er mit Acryl und Kunstdrucken auf die Digitalisierung ein. Wobei ihm die Handarbeit wichtig ist. Von dem Tübinger Martin Baumann sind gebeizte Farbtafeln zu sehen.

Foto: Madeleine Krauth
Foto: Madeleine Krauth

Doris-Ledwina Stauss zeigt in ihrem Atelier nebenan die Serie »Quasi una musica«, die sie auch schon im Rottenburger Kirchenmuseum ausgestellt hat. Darin sind Farbkompositionen mit unterschiedlicher Farbschattierung zu sehen. Für Stauss bedeutet Farbe auch einen Klang: »Es ist eine Analogie zur Musik.« Ganz im Sinne von Bauhaus-Meister Johannes Itten: »Farbe ist die Musik des Lichts.«

Auch Barbara Wünsche-Kehle überzeugt mit ihren Papier-und-Draht-Kompositionen. Sie bringt würfelförmige Quadrate in Bewegung. Neu für sie ist die Auseinandersetzung mit der Farbe Rot. »Emotion-Redlines« nennt sie die Kompositionen – Werke, deren rote Linien erst ausgespart und dann aufgesprüht werden.

Barbara Wünsche-Kehles »Emotion-Redlines«.
Barbara Wünsche-Kehles »Emotion-Redlines«. Foto: Madeleine Krauth
Barbara Wünsche-Kehles »Emotion-Redlines«.
Foto: Madeleine Krauth

Künstlerin Lisa Voss merkt beim Betreten ihres Ateliers an: »Fertig bin ich noch nicht.« Auf einem Tisch hat sie Bücher von Friedrich Silcher, Johann Wolfgang von Goethe und anderen. Aus solchen Werken erschafft sie ihr eigenes Kunstwerk unter dem Titel »Heimat und Liebeslieder«: Das Malen von Gebilden in Musiknoten oder Texten. Dabei nutzt Voss die Leerstellen: »Der Text hat seinen eigenen Rhythmus.« Diesem geht sie nach und lässt in den Zwischenräumen des Gedruckten beeindruckende Figuren entstehen.

Neu eingezogen ist Druckgrafikerin und Steinbildhauerin Eva Schulz. Gerne grundiert die Künstlerin, die sich nicht als solche sieht, Flächen und macht einen Aufdruck mit einer Tiefdruckplatte, auch einige Holzschnitte sind dabei. Beeindruckend ist ihre Farbwahl. Neu sind ihre Lithografien, das Drucken mit Steinen. Das ist regelrecht magisch für Schulz: »Der Stein nimmt an manchen Stellen keine Farbe an.«

AUSSTELLUNGSINFO

Die Atelierstüren in der Alten Spinnerei, Hauptstraße 94 in Wannweil, öffnen am Donnerstag, 11. Oktober, um 20.30 Uhr. Weitere Öffnungszeiten: Samstag, 12. Oktober, von 11 bis 18 Uhr; Sonntag, 13. Oktober, von 11 bis 17 Uhr. Sowie an den Wochenenden 19./20. und 26./27. Oktober und am 2./3. November jeweils von 14 bis 18 Uhr. (GEA)

www.wwateliers.de

Im nächsten Raum hängen Ingrid Swobodas Acrylmalereien, meist in Schwarz-Weiß gehalten. Sie haben etwas Verstörendes und gleichzeitig Harmonisches. In ihrem Werk »Willkommen«, einer Mischung aus Abstraktem und einer erkennbaren Bildsprache, reicht eine Person einem anderen Menschen die Hand. Davor sind Linien, wie eine Grenze. Damit erzeugt die Künstlerin eine gewollte Spannung: »Vieles in unserer Welt gibt Sicherheit, doch diese hängt oft am seidenen Faden.«

Vogelstimmen sind Heimat

Das Hörvergnügen in Beate Hölschers Atelier ist im ersten Moment ungewöhnlich: Es zwitschern Vögel. Aber nicht nur das, die Stimmen hat sie farbig auf Papier gebannt. Dazwischen flattern die Vögel. Das ist stark. Die Idee dahinter: »Heimat hat etwas mit Innerlichkeit zu tun«, erklärt Hölscher. Zuerst erinnere sich ein Mensch an Mutter und Vater, dicht dahinter folgen Vogelstimmen. Sie sind vertraut und im »Inneren beheimatet«.

Nach sieben Jahren USA ist Ulrike Franz wieder in die Ateliersgemeinschaft eingezogen. In Tuscaloosa, einer Stadt in Alabama, lernte sie Papierschöpfen. Die Zeit dort habe sie gebraucht: »Ich konnte mich neu orientieren.« Jetzt habe sie noch mehr Freude an ihrer Kunst. Der Natur und dem Wasser ist sie in ihrem Schaffen treu geblieben. Dabei arbeitet auch sie gerne mit ausdrucksstarken Farben. 61-mal hat sie zudem in einem halben Jahr ihr Fotobuch mit variantenreichen Wolkenformationen auf Papier, aus der Zellulose von Melonen, gedruckt. (GEA)