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Aktuell Kulturszene

WPR, franz.K und Tonne: Mit Viererpack gegen Sparrunden-Tristesse

Stadt, Land und Bund müssen Haushaltslöcher stopfen. Drei Reutlinger Veranstalter setzen den trüben Aussichten ein gemeinsames, vielfältiges Kulturpaket entgegen.

franz.K-Leiterin Sarah Petrasch und Tonne-Intendant Enrico Urbanek wollen mit einem Viererpaket Lust auf Kultur machen. Mit im P
franz.K-Leiterin Sarah Petrasch und Tonne-Intendant Enrico Urbanek wollen mit einem Viererpaket Lust auf Kultur machen. Mit im Programm auch ein Konzert der WPR. Foto: Armin Knauer
franz.K-Leiterin Sarah Petrasch und Tonne-Intendant Enrico Urbanek wollen mit einem Viererpaket Lust auf Kultur machen. Mit im Programm auch ein Konzert der WPR.
Foto: Armin Knauer

REUTLINGEN. Sparhaushalte sind angesagt bei Kommunen, Ländern, Bund, in den Haushalten klaffen Löcher. Davon bleibt auch die Kultur nicht verschont, wie franz.K-Leiterin Sarah Petrasch und Tonne-Intendant Enrico Urbanek beim Redaktionsgespräch im GEA erläutern. Zwar wird der Reutlinger Haushalt frühestens im März beschlossen, doch schon jetzt ist absehbar, dass es schwer sein wird, für die franz.K-Beschäftigten einen vollen Inflationsausgleich hinzubekommen.

Die WPR wiederum kämpft weiterhin gegen die jährliche Finanzierungslücke, die dadurch entsteht, dass nach Tarifsteigerungen der Zuschuss vom Land aus tarifrechtlichen Gründen erst Monate später angepasst wird. Und die Tonne steht vor der Situation, die traditionsreichen Tanztheater-Abende nicht mehr finanzieren zu können, weil die dabei fälligen Gagen die Möglichkeiten übersteigen.

Vier Termine, vier Genres

Unterkriegen lässt man sich von alldem nicht. Tut sich stattdessen zusammen, um den Kulturhungrigen ein buntes Kombipaket anzubieten. Das sogenannte »4falt-Abo« umfasst zwei Aufführungen der Tonne plus je ein Konzert der Württembergischen Philharmonie und des franz.K. Vier feste Termine zwischen März und Mai 2026 – der Hintergedanke: Abo-Inhaber bekommen einen Anreiz, Genres auszuprobieren, die sie sonst vielleicht nie getestet hätten. Die Tonne ist mit dem zweiten Teil des »Tatortreinigers« (19. April) und »Leonce und Lena ... but make it queer!« (3. Mai) nach Georg Büchner dabei. Die WPR mit dem Kaleidoskop-Konzert »Back to the 70s« (21. Mai), das franz.K mit der New Yorker Weltmusikband Klezmatics (18. März).

Das Erfolgsstück »Der Tatortreiniger« erfährt eine Fortsetzung: David Liske (links) und Chrysi Taoussanis an der Reutlinger Tonn
Das Erfolgsstück »Der Tatortreiniger« erfährt eine Fortsetzung: David Liske (links) und Chrysi Taoussanis an der Reutlinger Tonne. Foto: Beate Armbruster
Das Erfolgsstück »Der Tatortreiniger« erfährt eine Fortsetzung: David Liske (links) und Chrysi Taoussanis an der Reutlinger Tonne.
Foto: Beate Armbruster

Während es finanziell eng hergeht, konnten alle drei Einrichtungen zuletzt große Erfolge feiern. Für die Tonne bilanzierte Intendant Urbanek eine der besten Spielzeiten überhaupt: Der »Tatortreiniger« erwies sich als Publikumsmagnet. Die inklusive Produktion zu Brechts »Galilei« laufe sehr gut. Und das Bürgertanz-Projekt »Tanzt!« zog über 40 Amateurtänzer an. Die seither einmal im Monat angebotenen freien Tanz- und Theatertrainings hätten noch immer großen Zulauf, so Urbanek: »Da bin ich sehr glücklich drüber.«

Zwei Preise eingeheimst

Das franz.K heimste dieser Tage zwei wichtige Preise ein: den zum ersten Mal überhaupt vergebenen »Popländ-Award« des Landes und den »Applaus Award« aus München. Der WPR gelang es, Chefdirigentin Ariane Matiakh für weitere Jahre ans Reutlinger Orchester zu binden, obwohl sich inzwischen die großen Opernhäuser um die Französin reißen.

Die Klezmatics kommen ins franz.K – 2012 spielten sie hier zum Auftakt des Landesjazzfestivals.
Die Klezmatics kommen ins franz.K – 2012 spielten sie hier zum Auftakt des Landesjazzfestivals. Foto: Armin Knauer
Die Klezmatics kommen ins franz.K – 2012 spielten sie hier zum Auftakt des Landesjazzfestivals.
Foto: Armin Knauer

Nicht verwunderlich, dass die Tonne eine weitere Produktion zum »Tatortreiniger« auflegt. Nur nach Publikumszahlen zu schielen, kommt jedoch weder für Urbanek wie für Petrasch infrage. »Dafür bekommen wir nicht unsere Subventionen«, stellt Urbanek klar. Und Petrasch ergänzt: »Die Stars fallen nicht einfach so vom Himmel.« Es brauche Clubs und Bühnen, in denen sich angehende Künstler ausprobieren könnten. So wie bei den zum ersten Mal ausgetragenen »Clown- und Humortagen« von 22. bis 25. Januar, bei denen das franz.K mit der Katholischen Erwachsenen-Bildung KEB und dem Veranstalter True Moments kooperiert. Erwartet wird auch die Grande Dame der Clownerie Gardi Hutter.

Karten-Info

Das »4falt-Abo« umfasst das Konzert der Klezmatics am 18. März 2026 im franz.K, »Der Tatortreiniger (2)« am 19. April 2026 im Tonnekeller, »Leonce und Lena ... but make it queer!« am 3. Mai 2026 ebendort und das 6. Kaleidoskopkonzert »Back to the 70s« der Württembergischen Philharmonie am 21. Mai 2026 in der Stadthalle Reutlingen. Karten für dieses Abo sind nur beim GEA-Service-Center in der Reutlinger Burgstraße erhältlich. (GEA)

Urbanek will auch Schichten ansprechen, die nicht automatisch an der Theaterkasse auftauchen. Migranten zum Beispiel. In Stuttgart haben es das Theaterhaus und die Schauspielbühnen vorgemacht, mit Produktionen wie »Die deutsche Ayse« oder »Istanbul«. »Um so etwas zu etablieren, braucht man einen langen Atem«, betont Urbanek. Da hat es das franz.K einfacher: Beim Auftritt der Istanbuler Sängerin Gayet Su Akyol war der Echaz-Hafen voller Fans, die textsicher türkisch mitsangen.

Robin-Hood-Ticket

Es gehe auch darum, Menschen mit knappem Geldbeutel den Kulturbesuch zu ermöglichen, betonen Urbanek und Petrasch. Bei der Tonne gibt es dafür das Doppel aus »Robin-Hood-« und »Peter-Pan-Ticket«. Wer das »Robin-Hood-Ticket« kauft, gibt freiwillig mehr – und ermöglicht damit das »Peter-Pan-Ticket«, bei dem Bedürftige nur das bezahlen, was sie können. Beim franz.K gibt es Freikarten-Kontingente für Geflüchtete, die an bestimmten Stellen wie dem Asylcafé oder dem Click-Kulturbüro zu bekommen sind. Kultur, da sind sich alle drei Einrichtungen einig, soll keine Eliteveranstaltung sein. Sondern etwas, das zum Leben bereichernd dazugehört. Gerade in diesen Sparrunden-Zeiten. (GEA)