HAYINGEN. Rund 600 Besucher haben am Sonntag eine grandiose Premiere der schwäbischen Komödie »Friede, Freude, Pfannakuacha!« erlebt – eine Inszenierung, die Humor, Fantasie und eine klare Friedensbotschaft auf einzigartige Weise vereint. Regisseurin und Autorin Edith Ehrhardt hat mit viel Liebe zum Detail die Rollen den rund 30 Akteuren auf den Leib geschrieben und bringt trotz des ernsten Hintergrunds mit Humor und einer gehörigen Portion Zauberei das Publikum zum Lachen und gleichzeitig zum Nachdenken.
Die schauspielerische Leistung der Laiendarsteller ist herausragend und gespickt mit großer Spielfreude, Vielseitigkeit, Herz und Humor. Sie verkörpern ihre Rollen mit großer Überzeugung und Authentizität, was die Identifikation mit den Figuren enorm stärkt. Da sind die vier glücklichen Hühner, die immer wieder für Lacher gut sind. Sie müssen feststellen, dass sich die Menschen ohne Sinn und Verstand die Köpfe einschlagen oder sich vor Liebeskummer verzehren: »Uns reicht ein Hahn für alle.« Ihre großen Eier sind begehrt – nicht nur bei Wirtin Irene, die daraus genau auf der Grenze zwischen den verfeindeten Ober- und Unter-Tiefentalern ihre magischen Pfannkuchen herstellt.
Trump lässt grüßen
Auch die amerikanische Geschäftsfrau Diana Triumph – überaus überzeugend und Trump-ähnlich gespielt von Ingrid Zellner – hat Interesse an diesen »big magic eggs«, will einen »great deal« und das Tiefental »great again« machen. Mit ihrem Fahrer Daniel landet sie dank magischer Pfannkuchen im Jahr 1825. Ihr Auftauchen sorgt für reichlich Verwirrung, unter anderem auch, weil Fahrer Daniel dem garstigen Done aus Unter-Tiefental zum Verwechseln ähnlich sieht. Dietmar Landenberger-Edelburg glänzt in einer Doppelrolle und schafft es, sowohl den wüsten Ehemann als auch den feinfühligen Liebhaber von Helena (Beate Burger) äußerst überzeugend darzustellen.
Dass es den Bewohnern in Ober-Tiefental und Unter-Tiefental nicht gelingt, in Frieden miteinander und nebeneinander zu leben, ist auch den Waffen- und Drogenhändlern Bitz (Peter Edelburg) und Batz (Daniel Schleker) geschuldet, die mit beiden Orten Geschäfte machen und alle übers Ohr hauen. Die junge Generation, aber auch die Frauen leiden unter dem Kriegs- und Streitwahn der Männer, sie sehnen sich nach Frieden. Während sich die Jugendlichen mit Gras in bunte Träume flüchten, greifen die Frauen zu einem drastischen Mittel: Liebesentzug. »Wenn se et ens Bett rei dürfet, werdet se wulle. Des probier mer«, sind sich Barbara (Barbara Gubitzer) und Grunhild (Gitta Schwörer) einig und hoffen, dass dann Frieden in die Hütten und Feuer in die Betten kommt.
Aufführungsinfo
Das Naturtheater Hayingen zeigt »Friede, Freude, Pfannakuacha!« bis zum 31. August noch 14 Mal. Die nächste Aufführung ist am Sonntag, 13. Juli, um 14.30 Uhr. (GEA)
Für Zauberei ist Wirtin Irene (Verena Behringer) mit ihren Pfannkuchen verantwortlich. Ob als Flädlesuppe oder mit ihrem besonderen Gsälz, das innige Liebesgefühle weckt: Sie entfalten dank der geriebenen Beigabe einer speziellen Zaubernuss unerwartete Wirkungen. Die Zauberei ist dabei so gekonnt in die Handlung integriert, dass sie nie kitschig wirkt, sondern das Stück mit einer ordentlichen Portion Magie bereichert. Das Bühnenbild von Barbara Fumian ist mit den offen gestalteten Häusern ein visuelles Highlight, die Musik mit einfühlsamen und mitreißenden Liedern von Julia Klomfass verleiht dem Stück eine zusätzliche emotionale Tiefe. Sie unterstreicht die humorvollen sowie die nachdenklichen Momente.
Vom Tiefental geht mit diesem Stück ein Appell in die ganze Welt mit all ihren Krisen- und Kriegsherden, wenn gesungen wird: »Es ist sonderbar, man streitet und kämpft, dabei wissen alle, dass nichts so schön ist wie die Liebe.« Mit der Einbindung von Kindern, Reitern und einer Pferdekutsche wird das Stück lebendig und greifbar – eine gelungene Verbindung von Theater, Natur und Familienfreundlichkeit. Die Botschaft des Stücks – »Make Love, Not War« – wird durch die fantasievolle Handlung, die magischen Pfannkuchen und die liebevoll gestalteten Charaktere auf eine humorvolle und doch nachdrückliche Weise vermittelt. Es zeigt auf unterhaltsame Weise, wie Versöhnung und Verständnis die stärksten Waffen gegen Streit und Krieg sein können. (GEA)

