METZINGEN. Es war einmal und ist noch immer: AC/DC sind die fraglos größte Hardrock-Band der Welt. Seit 53 Jahren lassen die wilden, garstigen Australier es krachen. Brian Johnson wurde im Oktober 72 und faucht noch immer, Agnus Young ist gerade mal 70 und hat die Schuluniform nicht abgelegt. Seit Jahrzehnten liefern AC/DC mit Nachdruck immer wieder dasselbe unsterbliche Statement ab. Andere können das auch, schauen den Helden in jüngeren Jahren verdächtig ähnlich, und lassen am Freitagabend die Metzinger Motorworld erzittern: We Salut You nehmen für sich in Anspruch, die beste AC/DC-Cover-Band der Welt zu sein. Und dabei kommen sie aus Deutschland, sind zu Hause in einer 1.000-Seelen-Gemeinde in Rheinland-Pfalz. Aber sie haben einen Sänger, der aus London stammt und sichtlich hart gearbeitet hat, um seinen Brian-Johnson-Lookalike-Status zu erlangen: Grant Foster ist ein Koloss mit Schiebermütze und schwarzem, ärmellosen Hemd, und wenn er faucht, dann gibt auch der brünstigste Straßenkater klein bei.
Rund 750 Menschen sind in den Schmiededom des Motorwold Village Metzingen gekommen. Die meisten, dies errät man gleich, sind hingebungsvolle Fans nicht erst seit gestern. Manch ein Mann in der Mitte des Lebens hat sich eine Jeansjacke übergeworfen, mit der er vielleicht schon auf dem Schulhof für Schrecken gesorgt hat, andere haben sich teuflisch rot leuchtende Hörner auf den Kopf gesetzt. AC/DC sind ein brutaler, knallender Riff-Sound in etlichen Abwandelungen, sind Gitarrensoli wie splitterndes Glas, eine Rhythmussektion wie ein Rammbock, sind Geschichten von wilden Rockern und noch wilderen Begierden, von einem Leben ohne Kompromiss und Gebetsbuch. »Highway to Hell« – das war ihr größter Hit, sagte im Jahr 1979, wo es lang ging. Als das gleichnamige Album erschien, hatten AC/DC bereits fünf Schallplatten veröffentlicht, mit Songs wie »T.N.T.«, »High Voltage«, dem unfassbar giftigen »Dirty Deeds Done Dirt Cheap«.
Er reitet die Gitarre
We Salute You eifern ihnen mit Begeisterung nach. Grant Foster und Kili Locke, Sänger und Lead-Gitarrist, sind es, die die Show machen. Oliver Schneiß, Rhythmusgitarre, Wolf Hail, Bass, und Erwin Rieder am Schlagzeug sind die Mauer, vor der sich die beiden austoben. Hinter der Rhythmusgruppe, sehr groß: die Skyline einer nächtlichen Stadt. Es gibt einen Steg, der ins Publikum hinausführt, auf dem Sänger und Gitarrist abwechselnd hinaus sprinten, auf dem Foster als rockender Oberchef die Arme ausbreitet, die Töne presst und ausspuckt, auf dem Locke, mit Schlips und Uniformjacke und kurzen Hosen seine Finger im akrobatischen Blitzrausch übers Griffbrett fliegen lässt, den Gitarrenhals zu reiten scheint, mit fliegender Mähne.
Dass der Gitarrist den Schlips, die Jacke, das Hemd ablegt und dann mit haarig bloßer Brust weiterhin auf der Gitarre hackt, gehört dazu. Irgendwann senkt sich eine große, aber sicher nicht schwere Glocke auf die Bühne herab. »You Shook Me All Night Long« widmet Grant Foster den Damen, »The Jack« handelt von einer mit Geschlechtskrankheit – der ganze Saal singt mit: »She’s got the Jack!« Bei »Shot Down in Flames« zucken echte Flammen über die Bühne und bei »Whole Lotta Rosie«, einem der stärksten Stücke der frühen AC/DC, erscheint eine Dame von falschen, aber gargantuesken Körperdimensionen und feiert auf der Bühne.
Je älter, desto besser
Je später der Abend, desto älter die Lieder. Die Bandphase, in der Bon Scott 1980 mit nur 33 Jahren einen heldenhaften Rockertod starb, war ihre größte. »It's Friday night! It’s Metz-ing-en!«, röhrt der Mann mit der Mütze. »This song is for you!« (GEA)

