REUTLINGEN. Vor zwölf Jahren von vier ambitionierten jungen Musikern gegründet, hat sich das Quatuor Arod zügig auf die oberen Ränge kammermusikalischer Formationen hochgearbeitet. Wobei sich der Name des Ensembles auf das Pferd einer Figur im »Herrn der Ringe« bezieht. Erste Preise bedeutender internationaler Wettbewerbe erspielten sie schon ab 2015 in Kopenhagen oder Paris, und sie treten inzwischen in Weltstädten genauso auf wie zuletzt in Reutlingen.
In ihr Reisegepäck eingepackt hatten sie zwei Werke aus Joseph Haydns 1797 im Umfeld der »Schöpfung« entstandenen Quartettzyklus Opus 76. Insbesondere in den langsamen Sätzen entfalten die Nummern 1 und 5 aus dieser Sammlung schon den Geist der frühen Romantik. Dem die vier hingebungsvoll nachspürten. Mit wunderbarer Sanglichkeit, hauchzarten Pianissimi, ohne dabei an Intensität nachzulassen, Pausen als Spannungsträgern. Voller Innigkeit, zugleich mit Tiefgang.
Mit der nötigen Schärfe
In den raschen Sätzen gefiel, mit welcher Umsicht die Tempovorschriften umgesetzt worden sind. Wahrhaft inspiriert erklang das Eingangs-Allegro con spirito von op. 76/1, dabei abgegrenzt vom finalen Allegro ma non troppo sowie vom Allegretto des Opus 76/5. In solchen Feinheiten spiegelt sich musikalische Meisterschaft! Das Scherzo (was der dritte Satz von Opus 76/1 trotz seiner Überschrift »Menuetto« de facto ist) hatte Biss und die nötige Schärfe, und das Finale fand nach seiner g-Moll-Einleitung (in der die Musiker den Schmerzimpuls dieser Tonart ganz im Sinn der in Haydns Zeit noch gültigen Affektenlehre verinnerlicht hatten) zu geradezu überschäumender Spielfreude. Wie auch das Opus 76/5 mit verschmitzter Heiterkeit und Spielwitz zu Ende gegangen war.
Im ersten Streichquartett von Tschaikowski agierte das Quatuor Arod voller Leidenschaft und Emotion auf höchstem technischen Niveau mit perfekter Ensembledisziplin. Wobei das einleitende Moderato den erforderlichen, leicht melancholischen Unterton hatte und im Verlauf fulminant gesteigert worden ist. Der langsame zweite Satz, perfekt seitens der Tempowahl getroffen, erklang sensibel, ohne ins Schmalzige zu verfallen, was in diesem Andante cantabile andernorts gerne geschieht. Das Scherzo wurde kraftvoll, jedoch niemals derb gespielt, und das Finale blieb bei aller zupackender Rasanz und vorwärts stürmender Energie stets elegant. »Ein schönes Streichquartett, bereits in vielen deutschen Städten eingebürgert«, lobte einst Hans von Bülow dieses Stück – und wie schön wurde es jetzt beim Reutlinger Kammermusikzyklus gespielt! (GEA)

