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Viel in der Pipeline: Was den Metzinger Autor Walther Stonet umtreibt

Eben hat Walther Stonet den vierten Band seiner »Brühlsdorf«-Krimis herausgebracht. Kein Grund, sich auszuruhen für den Metzinger. Viele Literaturprojekte hat er in der Pipeline. Doch da gibt es etwas, das ihn ausbremst.

Walther Stonet mit dem von ihm herausgebrachten Carl-McAllister-Krimi  »Lasset die Kinderlein« beim Besuch in der GEA-Redaktion.
Walther Stonet mit dem von ihm herausgebrachten Carl-McAllister-Krimi »Lasset die Kinderlein« beim Besuch in der GEA-Redaktion. Foto: Armin Knauer
Walther Stonet mit dem von ihm herausgebrachten Carl-McAllister-Krimi »Lasset die Kinderlein« beim Besuch in der GEA-Redaktion.
Foto: Armin Knauer

METZINGEN. Der Metzinger Autor Walther Stonet ist ein Opfer des Erfolgs des IT-Unternehmers Werner Theis. Kompliziert wird die Sache dadurch, dass beide ein und dieselbe Person sind. Als Walther Stonet schreibt der Metzinger Romane über die Cyberkriminalität, als Werner Theis bekämpft er mit seiner Firma Systag die Cyberkriminalität. Was Letzteres betrifft, sind seine Dienste derzeit so gefragt, dass er kaum noch zum Schreiben kommt. »Wenn man den ganzen Tag an der Konsole sitzt, geht sonst halt nix«, seufzt er beim Besuch in der GEA-Redaktion.

Naja, wer den Metzinger kennt, weiß, dass bei ihm literarisch immer was geht. Ohne seine Zweitexistenz als Walther Stonet hält es Werner Theis nicht aus. Und so steckt auch dieser Tage bei ihm viel in der literarischen Pipeline. So hat er eben den vierten Band seiner Reihe um den adeligen Tübinger Ermittler TJ Brühlsdorf herausgebracht. Diesmal geht es um drei Männerleichen, die im Chiemsee aufploppen. Und das Rosenheimer Kommissariat vor solche Rätsel stellen, dass sie die Tübinger Cyber-Experten um Brühlsdorf anfordern. Mit dem Kommissarin Bechtel vormals eine heiße Affäre hatte. Pikant, pikant.

»Ich schreibe amerikanische Romane mit deutschen Helden«

Seine Brühlsdorf-Krimis sieht Stonet als Bildungsauftrag, erklärt er dem GEA. Er will seine Leser unterhalten, Action und Erotik inklusive, vor allem aber auch aufklären, welche Gefahren in der Cyberwelt lauern. Darin sieht er sich in US-Tradition: »Ich schreibe amerikanische Romane mit ganz und gar deutschen Helden. Und amerikanische Romane dienen immer auch der Volksaufklärung.« Ob die Autoren nun John Grisham, Lee Child oder Don Winslow heißen.

In seinen Romanen erklärt Stonet, wie Cyberkriminalität funktioniert und wie man sich schützen kann. Es gehe auch darum, wie man die Polizeiarbeit ertüchtigen könnte. Den fünften Brühlsdorf-Band, der den ersten Handlungsbogen abschließt, hat er schon weitgehend konzipiert. Darin soll das Thema Handy-Sicherheit eine zentrale Rolle spielen. Das Finale der Fünferreihe werde dramatisch, verrät Stonet. Und dass die Reihe wohl weitergehen wird: mit anderer Figurenkonstellation und »literarischer«: »Ich will tiefer in die Köpfe der Figuren hineinschauen, stärker auf soziale Konflikte eingehen.«

»Das Manuskript ist fertig, jetzt fehlt nur noch ein Verlag«

Die ersten drei Brühlsdorf-Bände hat Stonet beim Reutlinger Oertel + Spörer-Verlag herausgebracht, für den vierten hat er seinen eigenen Verlag »dabbeljuti Media« aktiviert. Stonet hat seine eigenen Vorstellungen, im Zweifelsfall macht er es lieber selber. So hat er es auch mit seiner Science-Fiction-Trilogie »Bat Genes« gehalten. Apropos »Bat Genes«: Dazu schweben ihm Auskopplungen vor, etwa ein Band zur Vorgeschichte.

Außerdem habe er »aus Spaß« angefangen, einen Cosy-Crime-Roman zu schreiben, eine unblutige Krimihandlung also, die in eine Liebesgeschichte eingebettet ist. Zudem noch eine Krimisatire über die Finanzwirtschaft, nicht zufällig in einer fiktiven Stadt von der Größe Metzingens angesiedelt. Es geht um ausländische Investoren, verarmende Branchen, Parkplatzmangel und mehr. Das Manuskript sei fertig, »jetzt fehlt noch ein Verlag«. Er könnte den Band selbst herausbringen, »aber das hat ein G'schmäckle«.

»Wer sich hinter dem Pseudonym Y. I. Steele verbirgt, darf ich nicht verraten«

Im eigenen Verlag bringt er nun auch andere Autoren heraus. Den Anfang macht ein oder eine Y. I. Steele mit dem Krimi »Carl McAllister: Lasset die Kinderlein«. Ein Krimi im Stil harter US-Polizeiromane, in dem der Ermittler, ein steinreicher Schwerenöter, einen Kinderpornoring ins Visier nimmt. Wer sich hinter dem Pseudonym Y. I. Steele verbirgt, »darf ich nicht verraten«, sagt Stonet. Klar ist nur, dass es jemand aus Metzingen ist. Ein bis zwei Krimis anderer Autoren will er so im Jahr in seinem Verlag herausbringen. Etwa von Kollegen aus der Krimiautoren-Vereinigung Syndikat, die bei anderen Verlagen abgeblitzt sind.

Bei der Frankfurter Buchmesse hielt Stonet die Stellung am Stand des Syndikats. Das hat er auch bei der Leipziger Buchmesse wieder vor. Beim »Winterlesezauber« am 6. Dezember in der Fellbacher Stadthalle teilt er sich einen Stand mit Oertel + Spörer-Autor Werner Kehrer, ebenso bei der Stuttgarter Buchmesse am 28. Februar. Die Messebesuche seien für ihn Sucht. Er wolle verstehen, wie der Buchmarkt läuft, besuche befreundete Verlage, informiere sich. Zwischen den Messen ist er fleißig mit Lesungen unterwegs, für die er als seine eigene Presseagentur wirbt. Ohne eigenes Marketing gehe es bei fast keinem Autor, sagt er.

»Sie fragen sich jetzt wahrscheinlich, wann ich schlafe«

Zu alldem betreut er die Literatur-Homepage "zugetextet.com". Zu der ein gedrucktes Magazin mit Gedichten und Kurzgeschichten gehört, ausgewählt von einer Redaktion, in der natürlich auch Stonet sitzt. Und er betreut den Preis für politische Lyrik, kurz "Polly", den Jörn Sack gestiftet hat. Weshalb er sich mit anderen Jury-Mitgliedern gerade durch einen Berg eingereichter Gedichte wühlt. Die Shortlist soll im nächsten Magazin im Frühjahr erscheinen. Das heißt, falls die realen Cybernotfälle nicht Überhand nehmen. »Sie fragen sich jetzt wahrscheinlich, wann ich schlafe«, sagt er zum Schluss. Ja, in der Tat. (GEA)