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Trubel im Sherwood Forest im Naturtheater Grötzingen

Das Naturtheater Grötzingen bringt als Familienstück »Robin Hood« heraus. Aufführungen sind bis zum 22. August geplant

Mitten in einem Abenteuer und einer Romanze: Joannis Skempes als Robin Hood und Sarah Berner als Marian mit Ensemble.  FOTO: STR
Mitten in einem Abenteuer und einer Romanze: Joannis Skempes als Robin Hood und Sarah Berner als Marian mit Ensemble. FOTO: STRÖHLE
Mitten in einem Abenteuer und einer Romanze: Joannis Skempes als Robin Hood und Sarah Berner als Marian mit Ensemble. FOTO: STRÖHLE

AICHTAL-GRÖTZINGEN. Sich von den rund 100 Textfassungen von »Robin Hood« für eine zu entscheiden – ein Zehntel davon haben Regisseur Jürgen Lingmann und die Theaterleitung gelesen – war die kleinste der Herausforderungen, denen sich das Naturtheater Grötzingen gegenübersah. Lange Zeit war unklar, ob das Stück überhaupt gespielt werden kann oder ob, wie im vergangenen Jahr, die Saison pandemiebedingt abgesagt werden muss.

Drei Wochen später als geplant hat es mit der Premiere am Samstagabend nun doch geklappt, nachdem die ersten Proben noch hatten online durchgeführt werden müssen und die Arbeit an den Kulissen erst spät möglich war. »Die Näherinnen durften sich nicht treffen, somit wurden viele Kostüme und Requisiten von unseren guten Geistern in Heimarbeit gefertigt«, erklärte der Vorstand für Betrieb und Finanzen, Klaus Herzog.

Jürgen Lingmann hatte bei »Robin Hood« vor 14 Jahren und weiteren Naturtheater-Produktionen bereits die Kampfchoreografie gemacht. Kein Wunder also, dass auch in dieser Hinsicht wieder einiges an Schauwerten geboten war. Nicht nur einmal maßen sich der Kämpfer für Gerechtigkeit und seine Gegner im Sherwood Forest mit klingendem Stahl. Und auch das Bogenschützen-Turnier, das der Sheriff von Nottingham anberaumt, um Robin Hood in die Falle zu locken, fiel beeindruckend aus.

Schwäbelnder Kung-Fu-Mönch

Robin Hood, mit dem jungen Joannis Skempes großartig besetzt, sieht sich in Lingmanns temporeicher Inszenierung einer Frau in der Rolle des Sheriffs gegenüber. Kerstin Schürmann füllt diese Rolle als diabolisches Mastermind, das beabsichtigt, Königin zu werden, imponierend aus. »Atmen!«, legt Prinz John (schillernd und androgyn: Norbert Kytka) ihr anfangs wiederholt nahe, wenn sie sich wieder einmal zu sehr über Robin Hood und seine Bande echauffiert. Sich selbst kontrollierend tut sie das in diesen Momenten dann auch. Insgeheim aber ist da Prinz Johns Todesurteil schon gefallen. Denn als Sheriff duldet sie keine Anwärter auf den Thron neben sich.

Den Mord an dem Prinzen wird sie Robin in die Schuhe schieben. Und zwar so, dass selbst seine Bande an ihm zu zweifeln beginnt. Nur der vorlaute Will Scarlet (Kalle Hasenberg), den Robin zuvor aus einer brenzlichen Lage befreit hat, hält weiter zu ihm.

Nachdem alles aufgeklärt ist, kann der berühmte Bogenschütze aus dem Sherwood Forest aber auch wieder auf Little John (groß, mit Fistelstimme und vielen lustigen Momenten: Jakob Daum) und Kung-Fu-Mönch Bruder Tuck (knitz und schwäbelnd: Matthias Probst) zählen. Sarah Berner als »Jungfer« Marian muss auf dem Weg zum Happy End belauschen, retten und gerettet werden. Elke Widmer als Lady Quigley warnt Marian anfangs grundsätzlich vor allen Männern, findet Marians Jugendfreund Robin dann aber doch »ganz schnuckelig«. Sie ist es, die Robin unbeabsichtigt fast an den Galgen bringt, aber auch zur Aufklärung des Komplotts gegen ihn beiträgt.

Thilo Metzger darf als Guy von Gisborn, der sich anschickt, Marian gegen ihren Willen zu heiraten, Robin mächtig in Rage bringen. Als Richard Löwenherz (Armin Giesel) wie Kai aus der Kiste erscheint – Robin und die Seinen haben gegen alle Widerstände darauf hingearbeitet – ist die Ordnung im Land wiederhergestellt. Und der Vogelfreie und seine Tapferen sind in den Adelsstand erhoben.

Die Grötzinger Spielschar füllt auch die kleinen Rollen mit Leidenschaft. Guy von Gisborns Handlanger etwa bringen auf unnachahmliche Weise Komik ins Spiel. Und die rein weiblich besetzte schnelle Eingreiftruppe des Sheriffs kommt mit einer Mischung aus martialischem Gehabe und unterkühltem Chic daher. Für eine sehenswerte Aufführung, die in Grötzingen noch 16 Mal bis zum 22. August zu erleben ist, erhielten bei der Premiere die Mitwirkenden auch hinter den Kulissen begeisterten Beifall. Dass es während der Vorstellung anhaltend geregnet hatte, ließen sich die Akteure nicht anmerken. (GEA)