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Aktuell Lesung

Thrill und schwäbische Kabinettstückchen

Ruth Edelmann-Amrhein stellt ihren Regionalkrimi »Theodora und der Tod des Richters« vor

Ruth Edelmann-Amrhein las in der Reutlinger Stadtbibliothek aus ihrem in Stuttgart und auf der Schwäbischen Alb spielenden Krimi
Ruth Edelmann-Amrhein las in der Reutlinger Stadtbibliothek aus ihrem in Stuttgart und auf der Schwäbischen Alb spielenden Krimi. FOTO: STRÖHLE
Ruth Edelmann-Amrhein las in der Reutlinger Stadtbibliothek aus ihrem in Stuttgart und auf der Schwäbischen Alb spielenden Krimi. FOTO: STRÖHLE

REUTLINGEN. Als gut zu lesender Regionalkrimi erweist sich »Theodora und der Tod des Richters«, erschienen im Reutlinger Verlag Oertel+Spörer (296 Seiten, 13 Euro). Bei einer Lesung daraus in der Reutlinger Stadtbibliothek kamen die Entertainer-Qualitäten seiner Autorin noch hinzu. Besonders, wenn es um die Figurenzeichnung ging, um allzu menschliche und peinliche Situationen, in die ihre Protagonisten geraten, setzte Ruth Edelmann-Amrhein in ihrem lebendigen Wortvortrag genussvoll ihre Pointen.

Wie schon bei ihrem Romandebüt »Theodora und der Engel des Todes« (2021) lässt die in Reutlingen geborene, in Aichtal lebende Autorin wieder das ungleiche Ermittlerduo Theodora Klein und Georg Eisele ermitteln. Es gilt einen Fall aufzuklären, der anfangs alles sein könnte: ein natürlicher Todesfall, ein Tod durch versehentlich vertauschte Medikamente oder ein Mordfall.

Der pensionierte Richter, der in einem Pflegeheim gestorben ist – da wissen die Leserinnen und Leser bald schon mehr als die Ermittler – hatte eine Morde eiskalt in Kauf nehmende Gegnerin. Angedeutet wird gleich auf den ersten Seiten, dass es etwas mit einem Vorkommnis, das Jahrzehnte zurückliegt, zu tun hat. Ein Sägewerk auf der Alb und das Haupt- und Landgestüt Marbach finden Erwähnung. Und obwohl der Fall Bezüge nach Berlin und Stuttgart aufweist – Theodora und Georg beginnen in Stuttgart mit ihren Ermittlungen –, läuft im Buch alles auf einen Showdown auf der Alb zu.

Homeshopping-Junkie

Virtuos wechselt Ruth Edelmann-Amrhein von Szenen, die in puncto Drastik und Unbarmherzigkeit von Henning Mankell stammen könnten, zu schwäbischen Kabinettstückchen, etwa, wenn es um den 38-jährigen Georg Eisele und das Verhältnis zu seiner Mutter geht, bei der er nach wie vor lebt.

Als an und für sich »räse« Person beschrieb die Autorin in der Stadtbibliothek Theodora Klein. Empathie suche man bei der esoterisch angehauchten Kriminalpolizistin, die zur Entspannung gerne mal einen Joint raucht, meist vergeblich. Umso überraschter ist ihr Assistent Georg Eisele, als er sie nach ihrer Rückkehr von einem längeren Ostsee-Aufenthalt wie verwandelt sieht. Sie hat sich dort in einen Klangschalentherapeuten verguckt, ist ziemlich verpeilt, weil er angekündigt hat, zu ihr nach Stuttgart zu kommen, sich aber tagelang nicht oder nur vage bei ihr meldet.

Georg Eisele plagen Selbstzweifel, weil die ihn liebevoll bekochende Prostituierte, zu der er sich schon in »Theodora und der Engel des Todes« hingezogen fühlte, auf die Alb gezogen ist, um dort auf dem elterlichen Hof auszuhelfen. Gegen seine Mutter, die ein Homeshopping-Junkie ist und ihm das Leben schwer macht, hegt er Mordfantasien.

Vergnügen im Publikum erregten nicht zuletzt die Schilderungen der Autorin von Georg Eiseles Versuchen, mittels Haartonikum und Optimierung durch Sport für die Frauenwelt attraktiv zu werden. So unbeholfen er sich dabei anstellt, so gut ist sein Riecher doch, wenn es um die Ermittlungen im Mordfall geht. Was ihn allerdings in größte Gefahr bringt. Zurück bleibt bald sein verbranntes Auto und eine verkohlte Leiche. Er selbst schwebt in Lebensgefahr und kann sich nicht an das Geschehene erinnern. Auch nicht daran, wo er sich überhaupt befindet.

Gelegentlich Misstöne

Als Theodora Klein sich berappelt hat – auch das angespannte Verhältnis zu ihrem Vater macht ihr zu schaffen –, steht einem glücklichen Ausgang nichts im Weg. Das Ermittlerduo, das gelegentlich Misstöne produziert, wird also auch in Zukunft auf Mördersuche gehen können.

Die kauzigen Figuren machen ganz wesentlich den Reiz von Ruth Edelmann-Amrheins Krimis aus, die ihre Liebe zum Schreiben erst in der zweiten Lebenshälfte entdeckt hat und seit 2017 den Mörderischen Schwestern angehört, einem Netzwerk von Frauen, deren gemeinsames Ziel die Förderung der von Frauen geschriebenen deutschsprachigen Kriminalliteratur ist. (GEA)