REUTLINGEN. Mit Walter Matthau und Jack Lemmon haben sie gewiss nichts zu tun, an diese beiden erinnert sich ohnehin keiner mehr. The Odd Couple – zu Deutsch: ein seltsames Paar – ist am Mittwochabend im franz.K auch ein umfassender Begriff: Zwei Bands sind da, die jeweils zumindest ursprünglich aus zwei Personen bestanden. Und beide sind sie seltsam, im besten Sinn: ohrenbetäubend, weitab vom Mainstream. Die eine Band nennt sich The Worm Reducer, was nichts mit Veterinärmedizin zu tun hat, sondern mit »Schneckengetriebe« übersetzt wird. Die andere Band heißt tatsächlich The Odd Couple und kommt aus Berlin beziehungsweise Ostfriesland. Beide Bands ordnen sich selbst ein in die Schublade »Garage-Punk«. Odd Couple zieht es deutlich auch zum Krautrock hin; beide lieben sie die polierte Oberfläche nicht, richten Wände aus Lärm auf, in denen sich Melodien ereignen. Damit hypnotisieren sie ihr Publikum, bis es zuckt.
Rockendes Schneckengewinde
Die einfachste Formel ist es, die bei The Worm Reducer nachhaltig rockt. Die beiden erfahrenen Herren, die dieses Duo bilden, nennen sich O Lee – er sorgt für die Sounds – und Rod-Jah K – er sorgt für die Beats. Der Unterschied ist nicht genau definiert, und den »Cry«, also das Geschrei, wildes Substitut des biederen Gesangs, liefern sie beide. Die Bühne ist ein Schattenreich, getaucht in rotes, blaues Licht – dort hockt eine Gestalt am Schlagzeug, die andere rupft am dröhnenden, schnurrenden, machtvollen Bass, der klingt wie die Wiedergeburt einer Hornisse als Presslufthammer.
Verzerrte, rhythmisch ausgestoßene Sprache springt auf im harten, treibenden Rhythmus. Manchmal ein Bellen. Becken zischen. Nun ein Rauschen, ein Saugen, eine ewig kreisende Maschine. Eine Stimme ruft: »What’s your name?« The Worm Reducer spielen Stücke, die aus Wiederholungen bestehen, aus Ereignissen am Rande, Soundsplittern, die auf einem Räderwerk tanzen: wirkmächtiger Minimalismus.
Trashgitarre blubbert
The Odd Couple, das sind Jascha Kreft und Tammo Dehn. Sie spielen beide Keyboard, sie singen beide, Jascha Kreft spielt zudem Bass, Tammo Dehn auch Schlagzeug. Seit 2018 gehört Dennis Schulze mit zur Band, wechselt ebenfalls die Instrumente. Vier Alben hat die Band seit 2015 veröffentlicht, das jüngste heißt »Rush-Hour des Lebens«. Besinnlich ist es nicht. Hier knallen harte, schmutzige Gitarrenriffs, und erst einmal ist die Musik des Gespanns nichts als schneller, trashiger Rock ’n’ Roll. Aber seltsame Keyboardklänge mischen mit, Stimmen überlagern sich launig, die Gitarre zuckt und zieht einen Schweif hinter sich her.
Von wuchtigem Garagenrock verschiebt sich der Schwerpunkt zu motorischen Rhythmen und blubbernden Klängen; immer nörgelt jemand auf Deutsch. Ein Augenblick kommt, da fühlt man sich erinnert an Trio (»Da Da Da«); später vergleicht man The Odd Couple mit Harmonia oder La Düsseldorf. Und schon wieder taucht eine Gitarre auf, scheppert und dröhnt wie Dosenbier, während im Hintergrund feine, künstliche Milchstraßen vorüberziehn: perfekt unterhaltsam, ungewöhnlich, ungehobelt und voller Spontaneität. (GEA)

