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Stille und Urgewalt: Die WPR mit Klassik zum nassen Element in der Stadthalle

Von fließenden Gewässern und tosenden Massen: Ums Wasser drehte es sich beim Konzert »Sonntags um elf« der Württembergischen Philharmonie Reutlingen in der Stadthalle.

Ariane Matiakh mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen beim Konzert »Sonntags um elf«.
Ariane Matiakh mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen beim Konzert »Sonntags um elf«. Foto: Dagmar Varady
Ariane Matiakh mit der Württembergischen Philharmonie Reutlingen beim Konzert »Sonntags um elf«.
Foto: Dagmar Varady

REUTLINGEN. Über Programmmusik kann man viele Worte loswerden. Auch kommen zahlreiche Bilder auf, konkrete Dinge und weniger konkrete. Ein in diesem Sinne gestaltetes Konzert, losgelöst von der reinen, absoluten Musik, hat die Württembergische Philharmonie Reutlingen am Sonntagvormittag in ihrer Reihe »Sonntags um elf« vor einem gut gefüllten Saal in der Reutlinger Stadthalle vorgestellt.

Musizieren für den Umweltschutz

Einen Hintergrund zu dem erwählten Thema »Wasser« gibt es freilich: Das Orchester hat sich dazu entschlossen, ein Zeichen für den Schutz unserer Umwelt zu setzen, indem es dem Verein »Orchester des Wandels e.V.« beigetreten ist. Dessen Ziel ist eben dieses: den Klimaschutz in den Fokus zu rücken. Eine Urkunde, überreicht vom Vereinsvorsitzenden Detlef Grooß, setzte den Anfang für dieses Zeichen. Eine gesunde Betriebsökologie, Umweltprojekte wie das Wiederaufforsten von Edelhölzern in Madagaskar oder eben Konzerte zu Themen, welche die Umwelt in den Mittelpunkt setzen, sollen künftig für die WPR relevant werden.

Der erste Akzent ist gesetzt. Constanze Dada (Moderation) führte das Element »Wasser« in den Zusammenhang mit Nachhaltigkeit und Klimawandel. Wolkenlos ging es da nicht immer zu, denn Wasser vermag auch eine Urgewalt zu sein, und so wurden alle Facetten berücksichtigt. Mendelssohns Konzertouvertüre »Meeresstille und Glückliche Fahrt«, auf zwei Gedichten Goethes beruhend, ließ die Urgewalt hintanstehen und eine Konzentration der Ruhe erwachsen. Das spiegelglatte Meer war optisch schon an den federleichten Bewegungen Ariane Matiakhs (Leitung) erkennbar. Doch auch das Orchester ließ eine beinahe statische Kontemplation aufkommen, die dann im zweiten Teil erleichtert »das ängstliche Band«, die beinahe drückende Stille löste.

Wasser marsch

Aber oho: »Wasser marsch«, hieß es in Wagners Ouvertüre zu »Der fliegende Holländer«. Bedrohlich türmte sich Meeresgewalt auf, plastisch und beinahe greifbar, volltönend in großer Wagner’scher Besetzung, markant und doch in allen Details vom Orchester erfasst. Den programmatischen Hintergrund zur anschließenden Sinfonischen Dichtung »Der Wassermann« von Antonín Dvorák erfuhr das Publikum von Dada, die von der Entführung einer jungen Frau durch den arglistigen Wassermann erzählte. Grimassierend und bös ist hier nicht das Wasser, sondern jenes Wesen, das in diesem Element lebt. Hier fand man in der Musik allerlei Gefühle wie Rohheit, Schmerz, Resignation. Matiakh ließ ihre Musiker all dies fassen, greifen, fühlen und jede Klangfarbe schmecken, jeden Rhythmus eingehend erspüren.

Die »Barkarole« aus Tschaikowskys »Jahreszeiten« im Orchestergewand zu hören war ein anregendes, wenn auch ungewohntes Erlebnis. Ein Klangfarbenreichtum ist natürlich gegeben, indem einzelne und unterschiedliche Instrumente die Melodie tragen und sich zuspielen. Wirkungsvoll und auch voller Substanz war dies gestaltet, nicht zu genüsslich, sondern mit einer gesunden Portion melancholischen Behagens.

Bildreich ging es in den Schluss mit Smetanas »Moldau«. Hier war ebenfalls ein ausgewogenes Maß zwischen Genuss und Klarheit zu spüren. Dynamische Flöten-Quellen, robuste Blechjagdrufe, ein keckes und rhythmisches Bauernfest, glitzernde Nymphen-Streicher, wirbelnd-tosende Stromschnellen und zuletzt die breite und schön geschwungene Burg - ein Konglomerat an Ton- und inneren Bildeindrücken. Nein, im Regen ließ man das Publikum mit diesem Konzert gewiss nicht stehen! (GEA)