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Spritziges Silvesterkonzert: Junge Sinfonie Reutlingen im Georgensaal

Die Junge Sinfonie Reutlingen hat in ihrem Silvesterkonzert Klassik von Chopin und Krommer und Filmmusik gespielt. Bei zwei Stücken gingen auf der Bühne Teller zu Bruch.

Dani Zhogovska spielte mit der Jungen Sinfonie Reutlingen Chopins »Rondo à la Krakowiak«.
Dani Zhogovska spielte mit der Jungen Sinfonie Reutlingen Chopins »Rondo à la Krakowiak«. Foto: Christoph B. Ströhle
Dani Zhogovska spielte mit der Jungen Sinfonie Reutlingen Chopins »Rondo à la Krakowiak«.
Foto: Christoph B. Ströhle

REUTLINGEN. Das fleißige Proben nach Weihnachten hat sich gelohnt: Die Junge Sinfonie Reutlingen hat im bis auf den letzten Platz besetzten Georgensaal der Freien Georgenschule Reutlingen mit einem Programm aus Klassik und Filmmusik ihr Publikum begeistert. Beim Silvesterkonzert waren mit der jungen Pianistin Dani Zhogovska und den Bläsern Laura Liebhardt und Josua Schreck gleich drei Solisten zu erleben. Konrad Heinz dirigierte und wies auf Besonderheiten im Programm hin. Etwa das nur selten aufgeführte »Rondo à la Krakowiak« für Klavier und Orchester von Frédéric Chopin. Oder Franz Krommers Konzert in F-Dur für Flöte, Fagott und Orchester, das in der vom Orchester gespielten Fassung 2021 erstmals herausgegeben wurde und nun zum ersten Mal erklang. Das Konzert des in Böhmen geborenen Komponisten, eines Zeitgenossen Mozarts, ist bekannter in der Fassung in Es-Dur für zwei Klarinetten und Orchester.

Dass die Junge Sinfonie Scott Bradleys Filmmusik-Reigen »Tom and Jerry at MGM« überhaupt spielen konnte, verdankt sich dem Umstand, dass der Komponist Michael Barry die verloren gegangenen Orchesterscores in den frühen 2010er-Jahren - nur über sein Gehör, in mühevoller Kleinstarbeit - rekonstruiert hat.

Jugendliche Energie

Den Abend eröffnete die Komposition des zur Entstehungszeit gerade einmal 18-jährigen Chopin. Ein frühes Orchesterwerk, das auf dem Krakowiak, einem charakteristischen Volkstanz aus der Region Krakau, basiert. Es war erhebend zu erleben, wie sich in der Wiedergabe durch die Junge Sinfonie und die Solistin jugendliche Energie und pianistische Virtuosität verbanden.

Dani Zhogovska, die beispielsweise schon in der »PoeMus«-Liedkunstreihe innerhalb des Reutlinger Kammermusikzyklus zu hören war, ist eine Pianistin, die weiß, wie man Glanz aus dem Inneren schöpft, um es in spielerische Brillanz zu übersetzen - mit Eleganz, Temperament, Raffinesse und Leichtigkeit. Die in Skopje, Mazedonien, geborene Musikerin ist seit Oktober 2025 Stipendiatin von Yehudi Menuhin Live Music Now Stuttgart. Sie steckt gerade im Masterstudium an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart.

Elegisch und schwungvoll

Toll, wie Dani Zhogovska es in ihrem Spiel mit raschen, synkopierten Rhythmen perlen und funkeln ließ, wie sie scheinbar mühelos vom Sehnsuchtsvoll-Elegischen zum Espritvoll-Schwungvollen wechselte. Und wie das Orchester ihr - lyrisch, mit tänzerischem Impuls und immer neuen Farben - zur Seite stand. Dani Zhogovskas Zugabe sorgte vollends für Begeisterungsstürme im Publikum. Die junge Pianistin schien einige der Variationen über »Alla turca« von Arcadi Volodos einfach so aus der Hand zu schütteln und verband darin Mozarts Rondo alla turca aus der Klaviersonate Nr. 11 hinreißend mit Jazzrhythmen.

In Franz Krommers Konzert für Flöte, Fagott und Orchester präsentierte die Junge Sinfonie mit Laura Liebhardt (Querflöte) und Josua Schreck (Fagott) gleich zwei Solisten aus den eigenen Reihen. Ihr eng mit dem Orchester verwobener musikalischer Dialog lebte wesentlich vom unterschiedlichen Charakter ihrer Instrumente, der sich hier wunderbar ausgespielt fand. Die hellen, gesanglichen Linien der Flöte verbanden sich mit dem sonor-warmen Ton des Fagotts. War das Gespräch im einleitenden Allegro ein lebhaft-fröhliches, kunstvoll gespielt, stellte sich im Adagio über einem flächig gewobenen Orchesterteppich Wehmut ein. An einer Stelle schien das Fagott die in der Melancholie versunkene Flöte aufzuheitern. Und wieder begann im abschließenden Rondo ein heiteres Spiel, mit dem Krommers Konzert - nachdem Modulationen den fröhlichen Rahmen kurzzeitig verdunkelten - endete. Das Publikum applaudierte begeistert.

Die Junge Sinfonie Reutlingen präsentierte mit Laura Liebhardt (Flöte) und Josua Schreck (Fagott) gleich zwei Solisten aus den e
Die Junge Sinfonie Reutlingen präsentierte mit Laura Liebhardt (Flöte) und Josua Schreck (Fagott) gleich zwei Solisten aus den eigenen Reihen. Foto: Christoph B. Ströhle
Die Junge Sinfonie Reutlingen präsentierte mit Laura Liebhardt (Flöte) und Josua Schreck (Fagott) gleich zwei Solisten aus den eigenen Reihen.
Foto: Christoph B. Ströhle

Damit am Silvesterabend neben empfindsam-gediegener Musik auch der Spaß nicht zu kurz kam, schickte die zum Orchester mit Bigband erweiterte Junge Sinfonie die Animationsfilm-Helden Tom und Jerry auf eine turbulente Katz-und-Maus-Jagd. Die Orchestermitglieder Christoph Bender und Felix Breitling sorgten kostümiert am Bühnenrand dafür, dass auch die Geräuschkulisse stimmte. Mit Effektinstrumenten wie Ratsche, Hupe, Hammer, Amboss und Kuhglocke ergänzten sie die mal süßlichen, mal frechen, überwiegend quirligen Klänge aus der goldenen Ära der Cartoonmusik. Da gingen auch absichtsvoll Teller zu Bruch. Das Orchester bewies eine ungeheure Wendigkeit, gab den rasanten Streicherläufen Witz und Pep, platzierte fetzige Blechbläser-Salven.

Ein paar Teller hatten es doch tatsächlich überstanden, atmete man auf. Die aber mussten bei der Zugabe, dem Radetzymarsch, dran glauben, bei dem sich zum rhythmischen Klatschen des Publikums Schläge auf das Steingut gesellten.

Das Orchester als Chor

Zuvor aber war noch mit »How to Train Your Dragon«, komponiert von John Powell, oscarnominierte Filmmusik zu hören. Die Orchestersuite bündelte die wichtigsten musikalischen Motive aus »Drachenzähmen leicht gemacht«. Auch hier war das Orchester ganz in seinem Element, trat auch als Chor auf den Plan. Das Wikinger-Thema, Momente des Drachenflugs und der Freundschaft, ein Liebesthema, rhythmisch prägnante Tänze - man hätte sich das nicht klangsinnlicher und farbenreicher wünschen können. (GEA)